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Dreams Rewired Der Score zur Mobilisierung der Träume

Hollywoodstar Tilda Swinton als Erzählerin, filmische Fundstücke und ein preisgekrönter Soundtrack als Brückenschlag von der Stummfilmzeit in die Gegenwart. Der Dokumentarfilm „Dreams Rewired“ schildert in einer atemberaubenden Montage die Zeitreise der industriellen und digitalen Revolution. Träume, Visionen, aber auch die Furcht vor Konsequenzen, dazu der vielschichtige Score von Siegfried Friedrich. Daniel Sponsel, Festivalleiter des DOK.fest München, diskutiert mit dem Komponisten und mit Regisseur Martin Reinhart über die Rolle der Musik. Wie wird sie im Dokumentarfilm eingesetzt?

Stand: 07.06.2016

Martin Reinhart, Daniel Sponsel und Siegfried Friedrich (v.l.n.r.) | Bild: BR/Yves Krier

„Die Komposition von Siegfried Friedrich verbindet die Stummfilmzeit mit der Moderne und transportiert sie in die Gegenwart. Die Filmmusik beeindruckt durch ihre stilistische Vielfalt, wird treibende Kraft und harmoniert mit der Narration“, begründet die Jury den Dokumentarfilmmusikpreis 2016. Das Hauptthema setze sich aus zwei Motiven zusammen, betont Siegfried Friedrich: „der Sehnsucht nach Utopien“ und der "konstruktiven Umsetzung dieser Utopien". Musikalisch finden sich verschiedene Anklänge an zeittypische Stilistiken wie Jazz, oder an Komponisten von Puccini bis Schönberg. Und: Er benutzte bisweilen digitale Verfahren, um die alte Klangästhetik zu imitieren, oder ungewöhnliche elektronische Instrumente wie das Theremin. Der Score als eigenständiges Element einer ungewöhnlichen Produktion.

Schillernde Geschichte der Medien

200 Filmschnipsel aus mitunter 100 Jahre alten unveröffentlichten Filmen illustrieren die bewegende Geschichte der Medien. Faszinierend: die Kommunikation über alle Grenzen hinweg. Auf der anderen Seite die Gefahren: Verlust der Privatsphäre, Überwachung, Missbrauch der neuen Kanäle. „Die Bedeutung von Sicherheit und Privatsphäre haben vor dem Hintergrund der neuen technischen Möglichkeiten sicherlich an Brisanz gewonnen, doch ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass viele der damit verbundenen Fragestellungen bereits mit dem Aufkommen der ersten Kommunikationsmedien virulent geworden sind“, erklärt das Regie-Trio von „Dreams Rewired“, Manu Luksch, Martin Reinhart und Thomas Tode.

Filmmusik von Klassik bis Computer

Für Siegfried Friedrich ist der Dokumentarfilmmusikpreis, DOK.fest 2016 nicht die einzige Auszeichnung. Der 1971 im schweizerischen Chur geborene Komponist erhielt u.a. auch den Eliette-von-Karajan-Kulturpreis. An der Musikhochschule in Wien studierte er nicht nur Komposition, sondern besuchte parallel auch den Lehrgang für Computermusik und elektronische Medien. Nach seinem Abschluss 1997 studierte er zusätzlich Filmmusik und absolvierte darüber hinaus ein Studium der Musikwissenschaft in Wien (Promotion 2011). Seine Vielseitigkeit beweist Siegfried Friedrich, der u.a. ein Stipendium der Internationale des Arts in Paris erhielt, in seinen konzertanten Kompositionen ebenso wie in Bühnenmusiken, Klanginstallationen und Filmmusiken. Außergewöhnliche Projekte reizen ihn dabei am meisten, so wie die internationale Science-Docu-Fiction „MappaMundi“ über die Entwicklung unserer Erde oder „The Silent Enemy“, ein Stummfilm von 1930, der 2012 restauriert und neu vertont wurde.  

Experimentelle Filmtechnik

Hollywood-Luft schnupperte Martin Reinhart schon während seiner Ausbildung zum Filmtechniker bei Otto Nemenz und Dedo Weigert. Geboren 1967 in Wien studierte er dort an der Universität für angewandte Kunst bei Bernhard Leitner. Schon während seiner Studienzeit entwickelte er "tx-transform", die Filmtechnik durch die man Zeit und Raum vertauschen kann. Seitdem hat er an über bei über 50 eigen und fremden Experimentalfilmprojekten  mitgearbeitet. 2002 gründet er gemeinsam mit zwei Kollegen die Indiecam GesmbH und kehrte damit wieder nach Hollywood zurück. Die von ihm mitentwickelten digitalen Kameras werden von Regisseuren wie James Cameron, Danny Boyle und Ron Howard geschätzt und eingesetzt. Martin Reinhart war außerdem Kurator für Film und Fotografie am Technischen Museum Wien, wo auch die Idee zu dem abendfüllenden Dokumentarfilm "Dreams Rewired", den er gemeinsam mit Thomas Tode und Manu Luksch machte, reifte.

Es lebe der Dokumentarfilm

Seine Leidenschaft gilt dem Dokumentarfilm. „Er kann uns die Welt erklären und uns dabei noch in den Bann schlagen, auch unterhalten“, betont Daniel Sponsel, seit September 2009 geschäftsführender und künstlerischer Leiter des Internationalen Dokumentarfilmfestivals München, DOK.fest München. Seine Liebe zu diesem Genre entdeckt der 1964 geborene Hamburger schon früh. Er studierte zunächst in seiner Heimatstadt Visuelle Kommunikation an der Hochschule für bildende Künste und schloss daran die Studiengänge Regie für Dokumentarfilm und Fernsehpublizistik an der Hochschule für Fernsehen und Film in München an. Anschließend arbeitete Daniel Sponsel als Regisseur, Autor und Kameramann für abendfüllende Dokumentarfilme, darunter „Über das Meer“ (2009). Neben der Praxis beschäftigt er sich auch als Dozent (u.a. HFF München) und Autor mit diesem Filmgenre und gab 2014 das Buch „Der Dokumentarfilm ist tot – Es lebe der Dokumentarfilm“ heraus.

Panel

„Dreams Rewired – Der Score zur Mobilisierung der Träume“
Foyer Funkhaus, 13:00 Uhr

Gäste
Siegfried Friedrich Ɩ Komponist „Dreams Rewired“ ·Dokumentarfilmmusikpreis, DOK.fest 2016
Martin Reinhart Ɩ Regisseur „Dreams Rewired“

Moderation
Daniel Sponsel Ɩ Festivalleitung DOK.fest München


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