Unternehmen - BR-Geschichten

Mercedes Riederer Die Teamplayerin

"Schwer vorstellbar war, dass bestimmte Dinge auch Frauen können."

Stand: 14.01.2019

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Mercedes Riederer im Interview mit Steffen Jenter | BR | Bild: Bayerischer Rundfunk (via YouTube)

Mercedes Riederer im Interview mit Steffen Jenter | BR

Was macht eine gute Journalistin oder einen guten Journalisten aus? Was ist die wichtigste Aufgabe des öffentlich-rechtlichen Rundfunks? Wie konnte man sich als Frau in einem von Männern dominierten Arbeitsumfeld durchsetzen? Auf diese und weitere spannende Fragen von Steffen Jenter, Leiter von B5 aktuell, gab die ehemalige Hörfunk-Chefredakteurin im gut besuchten Großen Sitzungssaal Antwort.

Als Mercedes Riederer 1974 zum Bayerischen Rundfunk kam, stieß sie als junge Frau im politischen Journalismus auf Widerstand. Sie hatte gleichzeitig beim Zündfunk und beim Zeitfunk angefangen, wobei ihr der Einstieg beim Zündfunk leichter gefallen sei. Zusammen mit ihrem Team hatte sie die Freiheit, damals tabuisierte Themen wie die Diskussion um den §218 oder Homosexualität anzusprechen. Wenngleich sie bei diesen Themen gemerkt habe, dass sie sehr genau beobachtet wurde. Verkrustete Strukturen aufbrechen – das wollte Mercedes Riederer im Zeitfunk, in dem sie mit nur einer anderen Kollegin – Corinna Spies – unter Männern arbeitete. Neben den Herausforderungen und Ungerechtigkeiten – etwa, dass man Frauen anfangs nicht zutraute, ihre eigenen Texte zu sprechen oder dass Frauen vor allem bei den "weiche" Themen eingesetzt wurden und für den beruflichen Aufstieg viel länger brauchten als Männer – sieht die ehemalige Leiterin der Deutschen Journalistenschule (DJS) in der Rückschau auch die Vorteile dieser schwierigen Situation: Sie habe schon früh gelernt, sich durchzusetzen und sorgfältig zu recherchieren. Eben weil man als Frau mehr leisten musste, um beruflich voran zu kommen.

Die Einbeziehung der Hörerinnen und Hörer war Mercedes Riederer immer ein großes Anliegen: "Wir dürfen uns nicht über die Hörer oder über das Publikum stellen." So waren es dann auch die Ausrichtung eines Hörerkongresses und die Einführung von Sendungen mit Hörerbeteiligung, die für sie neben der Weiterentwicklung von B5 aktuell und der Stärkung des ARD-Auslandskorrespondentennetzes zu den wichtigsten Erfolgen in ihrer Zeit als Chefredakteurin gehörten.

Riederer erzählt von ihrem weiblichen Führungsstil, dass sie "eine ganz starke Teamplayerin" gewesen sei: "Mir war es sehr wichtig, das Programm zu kennen, mit den Kolleginnen und Kollegen zusammen nachzudenken, wie wir gemeinsam ein noch besseres Programm machen können. Und ich war nicht der Meinung, dass immer ich diejenige bin, die das am besten umsetzen kann."

Kurzbiografie

1952
in München geboren
Studium
Geschichte, Spanisch und Französisch an der LMU München und an der Pariser Sorbonne
1972 - 1973
Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule
ab 1974
freie Mitarbeiterin und später Redakteurin beim Bayerischen Rundfunk in den Hörfunk-Abteilungen Jugendfunk und Zeitfunk
ab 1985
stellvertretende Leiterin der Deutschen Journalistenschule,  daneben weiter Moderatorin und Redakteurin beim BR Hörfunk für die "Welt am Morgen"
1994 - 2002
Leiterin der Deutschen Journalistenschule und seit 1999 auch Vorstandsmitglied des European Journalism Centre in Maastricht
2002 – 2017
Chefredakteurin Hörfunk und Leiterin des Programmbereichs B5 aktuell – Politik und Wirtschaft/Hörfunkdirektion
seit 2002
Vorsitzende des Förderkreises der Deutschen Journalistenschule
2010
Verleihung des Publizistikpreises der Stadt München