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"Sozialcourage-Medienpreis" Auszeichnung für "Jetzt mal ehrlich"

Große Freude bei der Redaktion "Geschichte und Gesellschaft" des Bayerischen Rundfunks. Sie hat für den Filmbeitrag "Bettler: Geld geben, ja oder nein?" vom 15. Dezember 2014 in der Reihe "Jetzt mal ehrlich" den ersten Münchner Sozialcourage-Medienpreis gewonnen. Die Autorinnen Sandra Schlittenhart und Susanne Fiedler, Moderatorin Vivian Perkovic und Redakteurin Johanna Walter nahmen den Preis beim Caritas-Medienempfang in der Katholischen Hochschulgemeinde in München entgegen. Er ist mit 3.000 Euro dotiert.

Von: Eva Herzum, Geschichte und Gesellschaft

Stand: 01.07.2015 | Archiv

Ursula Hack, Cutterin, Moritz Kipphardt, Kammermann, Vivian Perkovic, Moderatorin, Prälat Lorenz Wolf, Leiter des Katholischen Büros Bayern und Vorsitzender des Rundfunkrats, Sandra Schlittenhart, Autorin, Susanne Fiedler, Autorin, Astrid Harms-Limmer, Leiterin Redaktion Geschichte und Gesellschaft, Johanna Walter (Redakteurin) | Bild: Caritas/Marcus Schlaf

Der Film

In den Boulevard-Medien finden sich immer wieder Berichte über Bettelbanden, die das Mitgefühl der Menschen ausnutzen. Wir haben den Kontakt gesucht mit Straßenbettlern vor allem aus Bulgarien und Rumänien, die seit der EU-Osterweiterung vermehrt nach Bayern kommen und gerade in der Weihnachtszeit zunehmend die Innenstädte bevölkern – nicht immer zur Freude der Anwohner und Geschäftsinhaber.

Mit Polizisten geht Moderatorin Vivian Perkovic der These vom organisierten Betteln nach. Und sie beschäftigt sich mit der Frage, ob es gerecht und fair ist, zwischen guten, einheimischen Bettlern auf der einen Seite und angeblich kriminellen osteuropäischen Bettlern auf der anderen Seite zu unterscheiden. Geld geben oder nicht – die Sendung gibt Entscheidungshilfe.

Die Begründung der Jury

"Jede platte Betroffenheitsattitüde wird vermieden. Stattdessen eine ausführliche Analyse, aufwendig recherchiert. Wie ist das jetzt mit den Bettlern? Sind das nun echte Hilfsbedürftige oder doch nur alles rumänische Banden? Der Film schaut hinter die Not, zeigt Arbeitsmigranten, die sich für 3,50 Euro verkaufen und mit dem Verdienst in München nicht würdig leben können, deutsche Rentner mit einer zu knappen Rente, Alte aus Bulgarien. Aber auch Erfolgsgeschichten“, erklärte Jury-Mitglied Bernhard Remmers, journalistischer Direktor des Instituts für publizistischen Nachwuchs, die Entscheidung.

Er hob hervor: “Starke Begegnungen, überzeugend in der Art wie die Journalistin und Moderatorin Vivian Perkovic sich einbringt: Empathie für die Betroffenen auf Augenhöhe, ohne dass die journalistische Distanz dabei verloren geht“.

Ausdrücklich lobte der Laudator auch die Sendereihe "Jetzt mal ehrlich". Es handele sich dabei um ein sehr junges Format im Bayerischen Fernsehen, "modern, frisch, analytisch, mit starker persönlicher Note durch die Moderatoren. Und mit Haltung! Ein Format, für das wir den BR beglückwünschen dürfen. Machen Sie weiter so!"

"Wir sind dankbar für diesen Preis und stolz darauf, dass es uns gelungen ist, innerhalb kürzester Zeit ein „junges“ Format mit einer „alten“ Mannschaft zu etablieren. Dieser Preis ist eine Auszeichnung für das konstruktive Engagement aller Beteiligten in Redaktion und Produktion!"

Astrid Harms-Limmer, Leiterin der Redaktion Geschichte und Gesellschaft

Das menschliche Miteinander stärken

Klaus Weißbach, Susanne Fiedler, Vivian Perkovic, Sandra Schlittenhart, Johanna Walter und Hans Lindenberger

Prälat Lorenz Wolf, Leiter des Katholischen Büros Bayern und Vorsitzender des Rundfunkrats des Bayerischen Rundfunks, setzte noch weitere Impulse: "Ich möchte Ihr Augenmerk auf eine Funktion der Medien richten, deren Bedeutung oft unterschätzt und nicht hoch genug geschätzt werden kann: dass nämlich die Medien Mut machen, Mut machen zu mehr menschlichem Miteinander, zu mehr sozialem Engagement."

Im Zweifelsfall dominierten Krieg, Gewalt und Verbrechen, getreu der Devise: “Only bad news are good news!”. "Aus meiner Sicht sollte all das eine möglichst weite Verbreitung erfahren, was dazu beiträgt, das menschliche Miteinander zu stärken, das Soziale im Menschen zur Entfaltung zu bringen. Geteiltes Leid ist halbes Leid, geteilte Freude ist doppelte Freude."

Der Preis

Der Caritasverband der Erzdiözese München und Freising vergibt 2015 zum ersten Mal einen "Münchner Sozialcourage-Medienpreis". Der Preis soll dazu beitragen, Journalistinnen und Journalisten zu qualitäts- und wertorientiertem Journalismus zu motivieren. Ausgezeichnet wird ein Beitrag aus dem Print-, Hörfunk-, Fernseh- oder Onlinebereich, der in hervorragender Weise soziales Handeln dargestellt hat oder durch die Berichterstattung auf besondere Notsituationen aufmerksam gemacht hat. Der Beitrag soll zum Verständnis für Menschen am Rande der Gesellschaft beitragen, das soziale Verantwortungsbewusstsein stärken und zum Zusammenhalt in der Gesellschaft beitragen.

Aus den insgesamt 24 eingesandten Beiträgen hatte die Jury fünf Beiträge nominiert: drei Printbeiträge der Süddeutschen Zeitung und je einen Beitrag der Hörfunk- und Fernsehredaktion des Bayerischen Rundfunks. Vom Hörfunk war die Redaktion Wirtschaft und Sozialpolitik mit einem Beitrag der Sendung "katholische Welt" zum Thema obdachlose Frauen vertreten (Autorin Elke Schmidhuber).


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