Wissen


42

Vogelzug Lebensgefährlicher Flug für Zugvögel

Millionen Zugvögel sind zweimal pro Jahr auf dem Weg in ihr Sommer- oder Winterquartier. Tag und Nacht sind sie unterwegs und fliegen tausende Kilometer. Viele werden nie ankommen, denn Vogeljäger fangen jeden Herbst Millionen von ihnen ab.

Stand: 09.05.2018

Kraniche, Störche, Gänse, Lerchen und Nachtigallen: Viele Vogelarten in Mitteleuropa zieht es in den Süden, bevor der winterliche Kälteeinbruch kommt und sie kaum mehr Nahrung finden. Auf ihrem langen Weg leisten sie Ungeheuerliches. Doch für viele der mehr als 50 Millionen Vögel, die im Herbst ihre Brutgebiete in Deutschland verlassen, bedeutet der Vogelzug auch den Flug in den Tod.

Zugvögel

Routenplaner

Das Zugverhalten ist von Art zu Art unterschiedlich. Während Breitfrontzieher, wie zum Beispiel Baumfalken, ohne erkennbare Routenbildung in die Überwinterungsquartiere fliegen, haben andere Arten klar abgegrenzte Zugrouten. Ihr Flug folgt geografischen Landmarken, Fluss- oder Bergtälern und Meerengen. Hier treten die Tiere in Schwärmen mit sehr vielen Vögeln auf.

Langstrecken-Flieger

Einige in Deutschland heimische Kleinvogelarten legen auf ihrem Weg nach Afrika 3.000 Kilometer und mehr zurück. Mauersegler bringen es auf bis zu 1.000 Kilometer am Tag, ohne eine Trink- oder Fresspause einzulegen. Den Langstreckenrekord halten allerdings die Küstenseeschwalben, die zwischen ihren arktischen Brutgebieten und den Winterfutterplätzen in der Antarktis bis zu 20.000 Kilometer unterwegs sind. Und diese Strecke legen die Vögel zweimal im Jahr zurück.

Zugvogelarten

Typische Vertreter der Zugvögel in unseren Breiten sind Weißstorch und Schwarzstorch, Kranich, Wespenbussard, Kuckuck, Mauersegler, Rauchschwalbe, Brachvogel, Kiebitz, Singdrossel, Sumpfrohrsänger, Feldlerche, Fitis, Nachtigall und Hausrotschwanz.
Zu den Zugvögeln zählen zudem seltene Arten wie Schreiadler oder Rotmilane. Die Adler überwintern zum Beispiel in Afrika, die Rotmilane zieht es nach Spanien.

Orientierung

Wie die Zugvögel sich genau orientieren, ist noch nicht vollkommen erforscht. Bekannt ist, dass sich die Tiere im Flug anhand des Erdmagnetfeldes orientieren. Veränderungen am Magnetfeld können die Vögel in ihrem Auge wahrnehmen. Zudem haben sie eine Art erlernter Landkarte im Kopf, die ihnen als grobe Orientierung dient. Ob und wie sie sich an der Sternenkonstellation orientieren, ist noch nicht eindeutig geklärt.

Elektrosmog

Elektrosmog kann die Tiere durcheinanderbringen. Das haben Wissenschaftler der Universität Oldenburg in einer Studie vom Mai 2014 festgestellt. Selbst schwache elektromagnetische Felder, die von einfachen Elektrogeräten herrühren und nicht von Hochspannungsmasten oder Mobilfunknetzen, störten kurzfristig die Orientierung der untersuchten Rotkehlchen während der Zeit des Vogelzugs.

Gefahren für Zugvögel: Großfanganlagen und Wildererei

Illegale Zugvogeljagd auf Zypern

Mönchsgrasmücke

Nach Schätzungen der Organisation Birdlife Cyprus wurden im Herbst 2014 auf Zypern rund zwei Millionen Zugvögel für den Verzehr gefangen und verkauft. Im Herbst sind die Vögel, die als Delikatesse gelten, besonders kräftig. Gegenüber dem Vorjahr habe sich die Zahl der zum Jagen verwendeten Netze verdoppelt, so Birdlife Cyprus. Insgesamt wurden rund 16 Kilometer Netze gespannt und mehr als 6.000 Klebefallen an Zweigen angebracht. Eigentlich ist die Vogeljagd auf Zypern verboten. Doch Singdrosseln, Mönchsgrasmücken und andere Zugvögel gelten als Delikatesse auf der Insel. So verdienen geschätzte 3.000 bis 4.000 Wilderer rund 15 Millionen Euro mit dem illegalen Handel der Tiere.

Verbot von Großfanganlagen in Italien

Ein Buchfink, gefangen in einer Großfanganlage in der Lombardei

Gerade dort, wo große Züge vorbeifliegen, lauern Gefahren. In den oberitalienischen Regionen Lombardei und Emilia-Romagna waren riesige "Roccoli", Großfanganlagen, mit insgesamt rund 27 Kilometern Netzen im Einsatz. Der Fang von bis zu 40.000 Lerchen, Drosseln und Finken jährlich war genehmigt worden, die Tiere wurden als lebende Lockvögel bei der Jagd eingesetzt. Nur auf Druck von Naturschutzverbänden und der EU wurden die Anlagen am 2. Dezember 2014 endgültig verboten.

Zwar ist die Vogeljagd in vielen Ländern illegal, doch in Malta, Frankreich und einigen afrikanischen Ländern sterben jährlich massenhaft Vögel auf ihrem Weg in den Süden. Ein Beispiel: Ägypten. Dort werden Millionen von Vögeln gefangen und auf den Märkten als Delikatesse verkauft.

"Etwa 140 Millionen Zugvögel landen jeden Herbst in den Fallen ägyptischer Vogeljäger."

Vogelexperte Lars Lachmann vom Naturschutzbund Deutschland (NABU)

Von der massenhaften Tötung seien auch seltene Arten wie Wachtelkönig, Wiedehopf und Pirol betroffen. Den Tierschützern bereitet der illegale Fang von Zugvögeln schon länger Sorgen. Allerdings habe der Fang in Ägypten mengenmäßig solche Dimensionen angenommen, dass einige Vogelarten in ihrer Existenz bedroht seien, erklärt der Ornithologe Lars Lachmann vom Naturschutzbund Deutschland (NABU).

Weltzugvogeltag

Jeweils am zweiten Samstag im Mai und im Oktober wird jedes Jahr weltweit der Tag der Zugvögel begangen. In verschiedensten Veranstaltungen und Exkursionen stehen dann die Zugvögel, ihre Lebensräume und ihr Schutz im Mittelpunkt. Ins Leben gerufen wurde der Aktionstag 2006 von den Vereinten Nationen.

Wachtelkönig: gehegt und gejagt

Wachtelkönig - durch den illegalen Vogelfang akut gefährdet

Als Beispiel nennt Lachmann den Wachtelkönig, der in den Feuchtwiesen des Odertals in Brandenburg brütet. In den vergangenen Jahren seien teure Projekte entwickelt worden, um die Feuchtwiesen und damit die Wachtelkönig-Population zu stabilisieren. Die Vögel machen sich dann im Herbst auf ihren Langstreckenflug nach Afrika südlich der Sahara auf. Aber statt im Winterquartier landen sie auf dem Grill eines ägyptischen Basars.

Politik schaltet sich zum Schutz der Zugvögel ein

Doch nicht nur dem Wachtelkönig geht es so, nach Angaben des NABU endet jeder 17. Zugvogel in ägyptischen Fangnetzen. Allein 85 in Deutschland brütende Vogelarten seien betroffen. Mittlerweile hat sich auch die Politik eingeschaltet und versucht eine Lösung zu finden, was angesichts der instabilen Lage in Ägypten derzeit kaum möglich sein dürfte.

Fliegend schlafen

Alpensegler

Die europäischen Alpensegler verlassen im September ihre Brutplätze in der Schweiz und ziehen ins tropische Afrika. Dabei verbringen sie nicht nur den über 3.000 Kilometer langen Flug hauptsächlich in der Luft, sondern auch die gesamte restliche Zeit. Bis zu sieben Monate sind die Vögel pausenlos in der Luft. Wie der Schweizer Forscher Felix Liechti und sein Team in "Nature Communications" schreiben, scheinen die Vögel sogar im Fliegen zu schlafen. Die Ornithologen hatten sechs Tiere mit Sendern bestückt, die die Körperaktivitäten der Vögel aufzeichneten. Die Daten wurden nach ihrer Rückkehr ausgewertet.

Klimawandel beeinflusst Vogelzug

Vielleicht ist es für manche Vogelarten ja ein Glück, dass sie ihre Zuggewohnheiten aufgrund des Klimawandels verändert haben. Die einen fliegen im Winter nicht mehr so weit, andere überwintern gleich in Deutschland. So verzichten zum Beispiel immer mehr Amseln auf den zeit- und kräftezehrenden Zug gen Süden und bleiben auch im Winter im Norden. Viele Störche verkürzen ihre Reiseroute und überwintern statt in Afrika in Spanien. Mehlschwalben kehren heute etwa zehn Tage früher aus Nordafrika in ihre mitteleuropäischen Brutgebiete zurück. Früher zurückkehrende Vögel beginnen oft auch früher mit der Brut, wie der Hausrotschwanz. Vogelarten wie die Mönchsgrasmücke haben schon nach wenigen Generationen neue Flugrouten entwickelt und Winterquartiere bezogen.

Spätheimkehrer und Langstreckenzieher im Nachteil

Doch auch der Klimawandel kann gefährlich werden, vor allem den Zugvogelarten, die sich den neuen klimatischen Bedingungen nicht anpassen können. So verschlechtert sich für diese Arten, besonders für die Spätheimkehrer, die Ernährungslage. Mit dem Klimawandel entwickeln sich auch die Insekten früher als sonst – und so haben die späten Zugvögel Probleme ihre Brut zu ernähren. Und sie haben größere Konkurrenz, was die Reviere angeht. So wird sich für Langstreckenzieher wie Gartenrotschwanz, Trauerschnäpper, Nachtigall oder Pirol die Konkurrenz verschärfen.

  • "Vogelflug - Was ist das Geheimnis", X:enius, ARD-alpha, 28.07.2017, 16.30 Uhr
  • "Die Zugvögel kommen wieder –1.000 Ansitzhilfen für Braunkehlchen", Bayern1 - Mittags in Mittel- und Oberfranken, 12.05 Uhr
  • "Absturz: Die Folgen des Lichtsmogs für die Zugvögel", Unkraut, BR Fernsehen, 09.01.2017, 19.00 Uhr
  • "Abenteuer Wildnis: Die fantastische Reise der Vögel: Nordamerika", BR Fernsehen, 19.10.2016, 10.30 Uhr
  • "Abenteuer Wildnis: Die fantastische Reise der Vögel: Afrika", BR Fernsehen, 20.10.2016, 10.30 Uhr
  • "Abenteuer Wildnis: Die fantastische Reise der Vögel: Europa", BR Fernsehen, 21.10.2016, 10.30 Uhr
  • "Die Reise der Zugvögel: Eine tierische Meisterleistung", radioWissen, Bayern 2, 16.04.2015, 09.05 Uhr und 07.05.2015, 15.05 Uhr
  • "Die Reise der Zugvögel", IQ - Wissenschaft und Forschung, Bayern 2, 13.02.2014, 18.05 Uhr

42

Keine Kommentare mehr möglich. Hinweise zum Kommentieren finden Sie in den Kommentar-Spielregeln.)

H. Torda, Freitag, 21.Oktober, 00:25 Uhr

7. Zugfoegelfangen in Italien


Im jetzigen Informationsalter ist das Vogelfanges zum Verbrauch unverzeihlich. Einer der Gruende weshalb ich nie nach Italen gereist bin. Der andere war der Pferdehandel vor Jahren. Die Menschheit wird früher oder spaeter von der Natur bestraft.

Malta, Donnerstag, 08.September, 11:16 Uhr

6. Vogelmörder

..auch in Malta werden die Vögel ermordet. Die Nation ist gespalten. In Birzebugia saß ein Storch einige Tage auf den Kirchturm. Er wurde rund um die Uhr von der Polizei und von Vogelschützern bewacht. Viele Einheimische kamen um den Vogel zu sehen, eine kleine Sensation.
Ich habe kürzlich einen Mauersegler aufgezogen, über 4 Wochen viel zu tun, aber er hat mir auch vel Freude bereitet. Es würde mir unendlich leid tun, wenn er gefangen und getötet würde.

Nachtigall, Dienstag, 10.Mai, 13:40 Uhr

5. Zugvögel

Daß bisher nur relativ wenige Zuschriften existieren, zeigt doch, wie wenig Menschen sich für Naturschutzthemen interessen.
Ist aber ein Unfall oder ähnliche Grausamkeiten geschehen, wird wie wild kommentiert. Da geben Hunderte ihren Sermon von sich.
Ich glaube, daß der Natur- und Vogelschutz leider einen sehr geringen Stellenwert im Gedächtnis der Mitmenschen hat. Sonst würden sie auch die Länder meiden, die Singvögel auf ihrem Speiseplan haben.

Wendelin, Dienstag, 10.Mai, 11:04 Uhr

4. Zugvogelfänger so skupellos wie Elfenbeinwilderer

Ohne ein Weltweit gültiges Gesetz und harte Bestrafung der Wilderer wird man diesen mit Verlaub Vollidioten nicht beikommen können. Wie man Singvögel, darunter auch die größten Insektenvertilger wie Schwalben fangen und essen kann, werde ich nie begreifen. Diese Leute scheinen den IQ von Küchenschaben zu besitzen.

airport, Dienstag, 10.Mai, 05:43 Uhr

3. Auch Italien

Auch in Italien wird den Vögeln der Garaus gemacht.
Das wollen zivilisierte Staaten sein?

Zypern mit Steuergeldern gerettet ,und dann sowas.

Pfui deifi!!!!!!!!!