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Tiere der Wüste Auf zwei, vier oder sechs Beinen durch den Sand

Nicht nur Kamele können in der Wüste überleben. Im Laufe der Zeit hat sich die Evolution viele Strategien einfallen lassen, die Tieren in Trockengebieten das Überleben sichern. Dabei geht es nicht nur um den Wasserhaushalt, sondern auch um den Schutz vor Hitze - und Kälte.

Stand: 12.11.2019

Dromedare in der Wüste - Wüstentiere wie aus dem Bilderbuch | Bild: picture-alliance/dpa

Sengende Hitze, glühend heißer Boden, kaum Wasser, geringes Nahrungsangebot, wenig Schutz vor Feinden - wer will schon in Gegenden mit solchen Standortnachteilen leben?

Das Wüstentier schlechthin: das Kamel

Kamelkarawane

Ein Wüstenbewohner fällt einem sofort ein: das Kamel, das "Wüstenschiff". Denkt man an Wüste, sieht man die großen Säugetiere vor sich, wie sie in einer endlosen Reihe über endlose Wüstendünen schwanken, beladen mit Stoffen und Spezereien.

Kamel, Dromedar oder Trampeltier?

Kamel, Dromedar oder Trampeltier?

Kamel ist eigentlich der Überbegriff einer ganzen Tierfamilie, zu der sowohl das Dromedar (auch: Einhöckriges Kamel) als auch das Trampeltier (auch: Zweihöckriges Kamel) gehören.
Das sind die sogenannten Altweltkamele. In Mittel- und Südamerika leben dagegen die Neuweltkamele wie Lama und Vikunja.

Ein Höcker: ein Dromedar

Das auffälligste Merkmal der Altweltkamele (auch: Großkamele) sind der oder die Höcker auf dem Rücken: einer beim Dromedar, zwei beim Trampeltier. Der Kamelhöcker macht die Tiere fit für die Wüste: In ihm speichern sie - nein, kein Wasser, sondern Fett. Denn auch Nahrung brauchen sie auf Vorrat, wenn sie weite Strecken durch die Ödnis zurücklegen. Das Wasser speichern sie im Magen und recyceln dazu noch jede Menge Wasser aus dem eigenen Urin und Kot. Kommt dann eine ersehnte Oase oder andere Wasserquelle, können Kamele in einer Viertelstunde rund 200 Liter Wasser auf einmal trinken - eine Badewanne voll.

Wüstenbewohner von der Agame bis zur Viper

Auch andere Tiere haben die Wüste als Lebensraum gewählt: die Dornschwanzagame zum Beispiel, eine Echsenart. Auch Fennek, Hornviper und Pillendreher haben sich mit der Wüste arrangiert.

Viele wirbellose Tiere wie Käfer, Spinnen oder Skorpione bevölkern die Wüsten der Erde, zum Teil auch vegetationslose Gegenden. Aber auch manche Wirbeltiere haben sich an die Verhältnisse in Trockengebieten angepasst. Allein in der Sahara leben 50 Säugetier-Arten. Auch etwa zehn Schlangen- und 30 Echsenarten tummeln sich dort. Um der Hitze zu entkommen, sind manche Tiere nachtaktiv.

Überlebensstrategien von Tieren der Wüste

Wasser "essen" oder sammeln

Oryxantilope - ein Tier der Afrikanischen Wüste:

Wasser trinkt man - nicht unbedingt, denn viele Wüstentiere haben keinen Zugang zu Oasen. So behelfen sich zum Beispiel manche Schlangen, Spinnen oder Skorpione damit, dass sie Flüssigkeit über die Beutetiere aufnehmen, die zu 70 Prozent aus Wasser bestehen. Selbst manche Säuger wie afrikanische Oryxantilopen (siehe Bild) oder Schakale können das.

Die Körperoberfläche einiger Tierarten ist so strukturiert, dass sie das wenige Wasser aus der Umgebung "herauskämmen". So verfügt der australische Dornteufel über viele Stacheln, mit denen er die Flüssigkeit auffängt. Über Rillen läuft es dann in seinen Mund. Der südafrikanische Gürtelschweif leckt Tauwasser von seiner bestachelten Haut.

Speichertricks

Dromedar in der Wüste

Was im Radsport als Doping geahndet würde, fällt bei Dromedaren unter Überlebenskunst: Um auch lange Trockenperioden zu überstehen, können sich ihre roten Blutkörperchen extrem ausdehnen und dadurch Wasser speichern.

Andere Tiere haben dazu ein eigenes Organ entwickelt, das auch zum Teil bei ihrer Namensgebung Pate stand: Die in der Sahara lebende Dickschwanzmaus oder die Dornschwanzagame, die von Nordafrika bis Indien verbreitet ist, gehören dazu.

Aufhellen, Abstand halten, abtauchen

Spuren des Wüsten-Hornvipers

Das aufheizende Schwarz ist nicht gerade die optimale Farbe bei großer Hitze. Was machen da die Schwarzkäfer, Bewohner vieler Wüsten? Manche Arten legen sich weiße Flügeldecken zu, andere eine helle Wachsschicht und wieder andere eine glänzende und daher reflektierende Oberfläche.

Die Gefahr kommt aber nicht nur von oben, sondern auch von unten: Wenn sich Wüstensand auf 80 °C aufheizt, ist der direkte Bodenkontakt nicht ratsam. Die Wüsten-Hornviper bewegt sich daher durch das sogenannte Seitenwinden vorwärts. Dabei berühren immer nur zwei Punkte den Sand, was charakteristische Spuren hinterlässt (siehe Bild).

Gut dran ist, wer sich in den "Keller" verziehen kann. Schon in einer Bodentiefe von 30 Zentimetern bleibt die Temperatur konstant bei etwa 25 °C. Nagetiere nutzen das für unterirdische Bauten. Manche Echsen- und Spinnenarten können sich in Nullkommanichts in tiefere Sandschichten graben.

  • Überlebenskünstler in der Wüste. Felix und die wilden Tiere, 01.08.2019 um 14:15 Uhr, BR Fernsehen
  • Das Geheimnis der Wüstenelefanten: 19.06.2019, 20.15 Uhr, alpha-expedition, ARD-alpha.
  • Aus der Familie der Kamele. radioWissen, 04.01.2019 um 09:05 Uhr, Bayern 2
  • Wildes Arabien - Wüste voller Leben. natur exclusiv am 02.07.2016 um 18:45 Uhr, BR Fernsehen
  • Wilde Kamele. Die Wüsten der Erde am 13. September 2014, um 21.30 Uhr, ARD alpha.
  • Wüstenschiffe: Von Kamelen und Menschen am 18. März 2015, 10.15 Uhr, ARD alpha
  • Tierische Wassersparer. nano, 28.08.2012 um 15:30 Uhr, ARD-alpha

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