Wissen


134

Desertifikation - Ausbreitung der Wüste Die Wüste wächst - jedes Jahr um Irland

Rund 35 Prozent der weltweiten Landoberfläche sind Wüstengebiete - und jedes Jahr kommt ein Gebiet der Größe von Irland hinzu. Diese sogenannte Desertifikation hat weniger natürliche als gesellschaftliche Ursachen.

Stand: 22.06.2018

Wird immer mehr zur Wüste, im Fachjargon Desertifikation genannt: Minqin in China | Bild: picture-alliance/dpa

Wüsten der Erde: Unter dieser Überschrift assoziiert man gewöhnlich alle möglichen Kontinente, nur nicht Europa. Doch langsam, aber stetig verwandeln sich ganze Landstriche im Süden dieses Erdteils in Trockengebiete - vor allem in Spanien, wo 40 Prozent der Fläche betroffen sind. Weltweit gesehen wachsen Wüsten und Steppen, unter anderem weil das Klima wärmer wird.

Weltatlas zur Wüstenausbreitung

Die gemeinsame Forschungsstelle der EU-Kommission hat 2018 eine Neuauflage des Weltatlas zur Wüstenausbreitung veröffentlicht: World Atlas of Desertification. Die letzte Auflage liegt 20 Jahre zurück. Seither sind viele landwirtschaftlich genutzte Flächen verschwunden und zu Wüsten geworden. Laut Atlas haben 75 Prozent der Böden weltweit an Qualität eingebüßt, wobei Afrika und Asien am stärksten betroffen sind.

Die Wüste wächst

Das Phänomen hat einen Namen: Desertifikation bzw. fortschreitende Wüstenbildung. Weltweit kommen jedes Jahr 70.000 Quadratkilometer dazu. Das entspricht der Fläche Irlands. Und die Prognosen stimmen nicht optimistisch: Ein Drittel der globalen Landfläche könnte bald verwüstet sein. Betroffen sind vor allem die Sahelzone, Südafrika, Zentral- und Südasien, Australien, Nord-, Südamerika, Südeuropa.

Desertifikation: Ursachen und Folgen

Die Ursachen

Als "man made deserts" bezeichnet man die neuen Trockengebiete, weil in der Regel Eingriffe der Menschen ihre Ausweitung forcieren, durch:

Überweidung von Flächen
Zu viel Vieh frisst zu viele Pflanzen, der Boden verliert seine schützende Vegetationsschicht, wird lockerer und erodiert.

Übernutzung von Böden
Kürzere Brachezeiten und falsche Ackerbautechnik entziehen den Böden Nährstoffe und verringern den Pflanzenbewuchs, auch das fördert Erosion.

Vernichtung von Wäldern
Zur Gewinnung von Brenn- bzw. Bauholz, Ackerland oder Flächen für Industrie oder Wohnimmobilien wird der Baumbestand drastisch verringert, diese Regionen veröden.

Verbrauch/Verschwendung von Wasser
Für wachsende Bevölkerung, landwirtschaftliche Bewässerung und Tourismus entzieht man der Natur immense Wasserressourcen.

Die Folgen

Diese Faktoren führen dazu, dass die entsprechenden Regionen nicht mehr in der Lage sind, sich auf natürliche Weise zu regenerieren - eine Gefährdung für das gesamte Ökosystem:

- Der Wasserhaushalt ist gestört.
- Die Fruchtbarkeit des Bodens lässt nach.
- Mehr vegetationsfreie Flächen entstehen.
- Dadurch steigt die Verdunstung, der Boden trocknet aus.
- Die Artenvielfalt nimmt ab.

Der Mensch treibt die Ausbreitung der Wüste voran

Bauspekulanten, die Wälder abbrennen lassen, sind nur ein Teil des Problems. In vielen Ländern trägt die Bevölkerungsexplosion zu den oben genannten Ursachen bei. Manche Drittwelt-Staaten weisen eine jährliche Wachstumsrate von drei Prozent auf. Weltweit leben inzwischen rund eine Milliarde Menschen in Trockengebieten - zumeist in Armut. Brennholz und Ackerflächen sind für sie eine Frage des Überlebens. Daher können sie selbst kaum das Problem lösen, langfristige staatliche Programme und viel Geld wären nötig.

Desertifikation: Beispiele

Tourismus und Landwirtschaft

Bald nur noch Wüste? Desertifikation in der spanischen Provinz Huelva

Spanien erlebte in den vergangenen Jahren einen wahren Bauboom, vor allen in den Touristengebieten. Darunter leiden mussten die Wälder, weit mehr als eine Million Hektar wurden absichtlich abgefackelt. Neben dem hoch industrialisierten Gemüseanbau ist die Entwaldung einer der wesentlichen Gründe für die zunehmende Desertifikation in Spanien.

Klimaerwärmung und Dürreperioden verschärften die Situation. Die Provinz Murcia ist schon fast komplett in ein Trockengebiet verwandelt, aber auch Valencia, Kastilien oder Katalonien weisen inzwischen eine hohe Desertifikationsrate auf.

Verfehlte Agrarpolitik

Wasser wird immer mehr durch Wüste "ersetzt" - im Bild: Schiff auf dem ausgetrockneten Aralsee

1960 war der Aralsee noch das viertgrößte Binnengewässer der Erde. Vor allem von den Flüssen Amudarja und Syrdarja wird er gespeist - besser gesagt: wurde. Denn seit den Sowjetzeiten zapft man diesen Lebensadern viel Flüssigkeit zur Bewässerung der kasachischen und usbekischen Baumwollfelder ab.

Die Folge: Der Aralsee verlor 80 Prozent der Wassermasse. Seine Oberfläche ging um 60 Prozent zurück und ist jetzt "ersetzt" durch Wüste. Fischereischiffe sitzen auf dem Trockenen. Statt kühler Seewinde wehen den Anwohnern nun heiße Sandstürme ins Gesicht.

Bevölkerungsexplosion

Pflanzen gegen die Verwüstung: Arbeiter beim Wiederaufforsten in der chinesischen Wüste

Im ohnehin bevölkerungsreichen China, vor allem im Norden, muss der karge Boden immer mehr Menschen ernähren. Durch Abholzung, Überweidung und Übernutzung von Böden breitet sich die Wüste dort stark aus: Jedes Jahr kommen etwa 2.500 Quadratkilometer hinzu. Rund 2,5 Millionen Quadratkilomter sind von Desertifikation betroffen.

Auch Metropolen wie Peking leiden inzwischen unter den immer extremeren Sandstürmen. Schon seit Jahrzehnten versucht man durch Aufforstungen gegenzusteuern. Mit dem Projekt "Grüne Mauer" soll bis 2050 eine Fläche von der Größe Deutschlands (etwa 350.000 Quadratkilometer) bepflanzt werden.

  • "Glühende Landschaften - verwüsten unsere Urlaubsländer" in "Faszination Wissen" am 7. Juli 2014, um 22.15 Uhr im Bayerischen Fernsehen
  • "Die Wüsten der Erde - Beduinen, Sandmeere und ein Schatz aus 1001 Nacht": Folge 1 von 12 am 13. September 2014, um 21.00 Uhr, ARD alpha.

134