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Wolfshund - halb Wolf, halb Hund Sind Wolfsmischlinge gefährlich für den Artenschutz?

Seit der Jahrtausendwende vermehren sich Wölfe wieder in Deutschland, nachdem sie rund 150 Jahre als ausgestorben galten. Damit wächst die Wahrscheinlichkeit für Paarungen mit Hunden. Sind diese Mischlinge ein Problem für den Artenschutz?

Stand: 19.06.2018

Wölfe galten in Deutschland als ausgerottet. Doch seit zwei Jahrzehnten kehren sie zurück - und paaren sich manchmal auch mit Hunden. | Bild: dpa-Bildfunk/Julian Stratenschulte

Im Oktober 2017 wird in Thüringen eine Wolfsmutter mit sechs Welpen gesichtet. Die Jungen sind Mischlinge, halb Wolf, halb Hund, das zeigt eine Fotofalle auf dem Truppenübungsplatz in Gotha/Ohrdruf. Der Vater der thüringischen Wolfswelpen ist ein Labradormischling, der manchmal auf dem Truppenübungsplatz wildert. Die Wolfsmutter hat die Jungen alleine aufgezogen und wird einmal beim Wildern von Schafen erwischt. Das Einfangen der Mischlinge scheitert. Drei werden erlegt, die anderen durchstreifen dem thüringischen Umweltministerium zufolge wahrscheinlich weiter die Gegend.

Experten uneinig bei der Einschätzung von Wolfshybriden

Ob diese Hybriden in freier Wildbahn nun aggressiver oder andersherum zutraulicher sind, ist höchst umstritten. Tierschutzexperten argumentieren damit, dass sie in freier Wildbahn nicht gefährlicher als echte Wölfe seien. In einem Wolfsrudel würden sie einfach mitlaufen oder, weil schwächer, rasch untergehen.

Tierschützer Peter Höffken von der Vereinigung PETA schlägt vor, die Tiere einzufangen, zu sterilisieren und dort wieder frei zu lassen, wo sie vorher gelebt haben. Damit wäre dem Artenschutz und dem Tierschutz Genüge getan, so Höffken.

Das thüringische Umweltministerium dagegen beruft sich auf den Managementplan für den Wolf. Darin ist festgelegt, dass die Mischlinge auf jeden Fall aus ihrer natürlichen Umgebung zu entnehmen sind – tot oder lebendig. Die gleiche Ansicht vertritt im Juni 2018 auch das rheinland-pfälzische Umweltministerium in Mainz.

Wolfsmischlinge nicht als Schmusehunde geeignet

In manchen außereuropäischen Ländern ist die Kreuzung von Hund und Wolf erlaubt. Für den Haustierbereich nach Expertenmeinung höchst bedenklich, denn die Tiere tragen Wolfsgene in sich und sind damit wilder, misstrauischer, vorsichtiger und auch körperlich kräftiger.

In der freien Natur sind Hybriden keine Seltenheit. Einzelne Wölfe legen auf der Suche nach einem neuen Revier oft weite Strecken zurück. Sie finden dann zwar einen neuen Lebensraum, aber keinen neuen Lebenspartner. Zu rund neunzig Prozent sind es einsame Wölfinnen, die dann schon mal auf den Hund kommen. Männliche Wölfe bleiben lieber einsam.

Wolfsvorkommen in Deutschland dokumentiert

Bislang gab es nur wenige nachgewiesene Einzelfälle von Wolfsmischlingen. Sie werden von der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) im sächsischen Görlitz festgehalten. Wölfe sind eine streng geschützte Tierart, auch Wolfshybriden genießen Schutz und sind nur mit einer Ausnahmegenehmigung zu töten.

  • Zwischen Wolf und Hund - Wie gefährlich sind Wolfshybriden?: DokThema, 10.04.2019, 22:00 Uhr, BR Fernsehen
  • Nicht Hund, nicht Wolf - Sind Mischlinge ein Problem für den Artenschutz? IQ - Magazin, 25.10.2017, 18.05 Uhr, Bayern 2

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