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Wildtiere sterben aus Rettung aus dem Labor durch Züchtung umstritten

Der Tod des letzten männlichen Nördlichen Breitmaulnashorns namens Sudan hat viele bewegt. Jagd und Wilderei lässt Wildtierbestände immer weiter schrumpfen. Manche Tierschützer schlagen vor, Wildtiere im Labor nachzuzüchten, um sie vor dem Aussterben zu bewahren. Doch dieses Vorgehen ist umstritten.

Stand: 03.07.2018

Die Idee: Wildtiere wie Nashörner oder Tiger könnten auf Farmen gezüchtet werden. Dann ließen sich begehrte Körperteile auf legalem Weg verkaufen. So könnte man den illegalen Abschuss und Handel bedrohter Tierarten eventuell bremsen. Denn je mehr Wildtiere im Angebot sind, so die Vermutung, desto stärker fallen die Preise, was die Attraktivität des illegalen Wildtierhandels herabsetzen könnte.

Der Vorteil: Ein hohes Angebot könnte die Attraktivität der Wildtiere mindern

Wildtiere sind vom Aussterben bedroht. Krokodile lassen sich wie hier in Krokodil-Farmen züchten. Das könnte das Artensterben mindern.

Bei Krokodilen sei dieses Konzept aufgegangen, sagen einige Wissenschaftler. Denn das Züchten habe dazu geführt, dass Krokodile in freier Wildbahn weniger dezimiert würden. "Dadurch haben sich die wilden Bestände gut erholt", sagt Katharina Trump, Expertin für Wildartenkriminalität bei der Umweltstiftung WWF. Die Tiere werden wegen ihrer Haut gewildert, aus der sich dann Luxusartikel wie Schuhe und Handtaschen herstellen lassen.

Die Nachteile: Züchtungen sind kompliziert, teuer und langwierig

Künstliche Besamung im Labor zur Zucht von Wildtieren, die vom Aussterben bedroht sind. Von Nashorn Sudan wurden Samenzellen konserviert.

Aber es gibt vermutlich nie genug Nashorn-Horn, um die Nachfrage zu decken. Das liegt auch daran, dass sich die Tiere sehr langsam vermehren und in Gefangenschaft Komplikationen dazu kommen können. Generell ist das Züchten von Wildtieren aufwendig und teuer. "Es ist fraglich, ob somit der legale Handel den illegalen ersetzen könnte", so die Einschätzung der südafrikanischen Zoologin Laura Tensen. Es bleibt umstritten, ob sich durch Züchtungen die illegale Wildtierjagd begrenzen lässt.

Bedrohte Pflanzen und Tiere weltweit

Hoffnung für das Nördliche Breitmaulnashorn

Zumindest für das Nördliche Breitmaulnashorn gibt es auch nach dem Tod von Sudan noch Hoffnung: Denn es gibt noch zwei weibliche Nördliche Breitmaulnashörner. Und mit diesen Weibchen wollen Forscher dank tiefgekühlt eingelagerter Spermien von Nördlichen Breitmaulnashörnern neuen Nachwuchs auf die Welt bringen.

Die fünf Arten von Nashörnern

Java-Nashorn

Es ist noch nicht so lange her, dass das Java-Nashorn (Rhinoceros sondaicus) auch in Malaysia, auf Sumatra und in Vietnam zuhause war. Heute ist es vom Aussterben bedroht und gehört zu den seltensten Großsäugern der Welt. Nur noch auf der indonesischen Insel Java, im Ujung Kulon Nationalpark, lebt eine Gruppe von rund 50 Tieren. Das extrem seltene und scheue Tier besitzt nur ein Horn.

Sumatra-Nashorn

Das Sumatra-Nashorn (Dicerorhinus sumatrensis), die stammesgeschichtlich älteste und zugleich kleinste Nashornart, ist ebenfalls vom Aussterben bedroht. Früher gab es das Sumatra-Nashorn am Fuße des Himalaya in Nordindien, in Südchina, Myanmar, Thailand, Laos und Kambodscha, Vietnam, Malaysia sowie auf den Inseln Borneo und Sumatra. Heute leben vermutlich nur noch rund 250 Tiere in freier Wildbahn auf Sumatra, Borneo und in Malaysia. Das Sumatra-Nashorn, das zwei Hörner aufweist, gehört damit zu den bedrohtesten Großsäugern der Welt.

Panzernashorn

Das Panzernashorn (Rhinoceros unicornis, auch: Indisches Nashorn) war schon um 1900 fast ausgerottet: Keine 200 Tiere waren übrig. Strenge Schutzmaßnahmen verhinderten das Aussterben: 2007 zählte man wieder rund 2.500 Tiere. Doch die angriffslustige und wenig scheue Art ist nach wie vor gefährdet. Die Population ist nur in wenigen Regionen Indiens und Nepals anzutreffen. Das Panzernashorn besitzt nur ein Horn.

Spitzmaulnashorn

Das Spitzmaulnashorn (Diceros bicornis) mit seinem doppelten Horn war bis ins 20. Jahrhundert die verbreitetste Rhinozeros-Art mit etwa 850.000 Tieren. 1960 waren nur noch 100.000 Spitzmaulnashörner übrig, 1995 nur noch 2.400 Individuen. Seither nimmt dank strenger Schutzmaßnahmen der Bestand der drei verbliebenen Unterarten (Südwestliches, Südliches und Östliches Spitzmaulnashorn) langsam wieder zu. 2015 gab es wieder rund 5.200 Spitzmaulnashörner. Noch lange nicht genug: Sie gelten weiter als vom Aussterben bedroht.

Breitmaulnashorn

Das Breitmaulnashorn (Ceratotherium simum) ist das größte Nashorn und leicht an seinem großen, breiten Maul zu erkennen. Es besitzt zwei Hörner.
Wenn vom Breitmaulnashorn die Rede ist, kann eigentlich nur das Südliche Breitmaulnashorn (Ceratotherium simum simum) gemeint sein: Es ist vor allem in Schutzgebieten in Süd- und Zentralafrika zuhause und wird von der IUCN als "gering gefährdet" eingestuft. Sein Bestand wird auf rund 20.000 Tiere geschätzt.
Vom Nördlichen Breitmaulnashorn (Ceratotherium simum cottoni) existieren weltweit nur noch zwei Exemplare (Stand: März 2018): die zwei Kühe Najin und Fatu in einem Reservat in Kenia. Sudan (Bild), der letzte Bulle, musste im März 2018 mit 45 Jahren eingeschläfert werden. Das Nördliche Breitmaulnashorn ist das seltenste Großsäugetier der Welt und gilt seit 2008 in freier Wildbahn als ausgestorben. Wissenschaftler arbeiten dran, die Unterart über künstliche Reproduktion - mit vor längerer Zeit eingelagerten Spermien und Eizellen der beiden Weibchen - vor dem Aussterben zu bewahren.

  • Artenschutz Nashörner: 30.08.2018, 17.45 Uhr, nano, ARD-alpha.
  • Big Five Asien - Die Nashörner: 12.09.2017, 10.25 Uhr, Abenteuer Wildnis, BR Fernsehen.
  • Breitmaulnashorn aus dem Labor - Forscher möchten aussterbende Art nachzüchten: 04.04.2018, 18.05 Uhr, IQ - Aus Wissenschaft und Forschung, Bayern 2.
  • Nashornsterben - Rettung aus dem Labor: 14.04.2018, 19.00 Uhr, Gut zu Wissen, BR Fernsehen.
  • Ganz nah am Nashorn: 07.08.2018, 15.30 Uhr, Paula und die wilden Tiere, ARD-alpha


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