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Przewalski-Pferde Landschaftspfleger auf vier Beinen

Die Przewalski-Pferde fressen und wälzen sich – und tragen so zur Landschaftspflege der Heide- und Sandlandschaft in der Nähe von Erlangen bei. Lange galt die fast ausgestorbene Rasse als echtes Wildpferd, doch eine Studie zeigt: Przewalski-Pferde sind nur verwildert.

Stand: 03.08.2015

Sie sind genügsam, die kleinen Pferde. Deshalb sind sie bestens geeignet, den Tennenloher Forst im Südosten Erlangens und dessen besondere Artenvielfalt zu erhalten. Das Gebiet wurde bis 1993 von der amerikanischen Armee als Truppenübungsplatz genutzt. Dadurch entstanden offene Sandgebiete mit vielen schützenswerten Lebensräumen, in denen mehr als 300 stark gefährdete oder vom Aussterben bedrohte Arten leben. Die ganzjährige Beweidung durch die Pferde unterstützt diese spezielle Artenvielfalt.

Przewalski-Pferde sind keine Urwildpferde

Przewalski-Herde in Tennenlohe

Lange galt das Przewalski-Pferd als Urwildpferd, benannt nach dem Russen Nikolai Michailowitsch Przewalski. Der Expeditionsreisende entdeckte die bis dahin wissenschaftlich nicht beschriebene Pferdeart im Jahr 1878. Experten gingen davon aus, dass es ein Urwildpferd und damit der Vorfahre aller Hauspferderassen sei. Doch die Ergebnisse einer Genom-Studie aus dem Februar 2018 offenbarten, dass Przewalski-Pferde keine echten Wildpferde, sondern – ähnlich Mustangs – verwilderte Pferde sind. Sie stammen von gezähmten Botai-Pferden ab, die als Ursprung aller domestizierten Pferde gelten.

Diese Erkenntnis beruht auf der Analyse von Pferdeüberresten, die bei Ausgrabungen an historischen Botai-Orten im nördlichen Kasachstan gefunden wurden. 47 beteiligte Forscher von insgesamt 28 Institutionen weltweit analysierten die Genome von 88 historischen und modernen Pferden. Das Ergebnis: Die Pferde, die das sesshafte Volk der Botai vor rund 5.500 Jahren im nördlichen Kasachstan erstmals zähmte, waren die Vorfahren der Przewalski-Pferde, die heute fast ausgestorben sind. Echte Wildpferde gibt es demnach nicht mehr auf der Welt. Die Studie wurde im Februar 2018 im Fachjournal "Science" veröffentlicht.

Einzug im Sommer 2003

Bevor die Tiere ihre "Arbeit" aufnehmen konnten, musste das Gelände erst von Munitionsresten gesäubert werden. Im Sommer 2003 war das Gehege angelegt und die Przewalski-Pferde wurden angesiedelt. Rund ein Dutzend Hengste leben in dem Gehege. Sie stammen aus dem Münchner Tierpark Hellabrunn und dem Nürnberger Tiergarten. Die Tiere waren für sogenannte Auswilderungsprojekte gezüchtet worden.

Knapp dem Aussterben entkommen

Das Przewalski-Pferd kam früher vom Ural und dem Kaspischen Meer über die Steppen Kasachstans bis zur Ostmongolei und Nordchina vor. Doch der Bestand ging immer mehr zurück und seit 1970 gelten diese Pferde in freier Wildbahn als ausgestorben. Nur dreizehn Wildtiere überlebten in Zoos. Durch gezielte Zucht wurden sie die Vorfahren der weltweit rund 2.000 Nachkommen, die den Bestand dieser Pferdeart heute sichern.

Zurück in die freie Wildbahn

Seit einigen Jahren werden Przewalski-Pferde auch wieder in ihren ursprünglichen Heimatgebieten ausgewildert. 1992 begann eine Stiftung mit dem Projekt, Przewalski-Pferde zurück in die Mongolei zu bringen. Mit Pferden aus seiner Gruppe beteiligt sich der Tiergarten Nürnberg seit 1997 an diesem Nachzuchtprogramm. In Kasachstan wurden im Jahr 2003 Pferde aus dem Tierpark Hellabrunn ausgewildert. Die Tiere dieser neuen Herden kommen aus unterschiedlichen Zoos, um so die genetische Vielfalt zu sichern. Das Projekt im Naturschutzgebiet Tennenloher Forst beteiligt sich an diesen Arterhaltungsprogrammen, indem es die Tiere auf ihr Leben in freier Wildbahn vorbereitet und sie möglichst naturnah hält.

Steckbrief des Przewalski-Pferdes

Ein Przewalski-Pferd weist deutliche Unterschiede zum Hauspferd auf: Es ist kleiner und stämmiger. Typisch für das Przewalski-Pferd ist der von der Stehmähne bis zum Schweif verlaufende dunkle Aalstrich, der als schmale Linie längs der Wirbelsäule läuft. Der Unpaarhufer hat eine Schulterhöhe von bis zu 145 Zentimetern und wiegt bis zu 350 Kilogramm. Nach elf Monaten Tragzeit bekommt eine Stute normalerweise ein Jungtier.

  • "Wie wild ist ein Wildpferd?": Anna und die wilden Tiere, 07.11.2018, 15.30 Uhr
  • "Nationalpark Bayerischer Wald: Die Wildpferde haben Nachwuchs bekommen": Bayern 1 am Nachmittag, Bayern 1, 04.07.2017, 13.05 Uhr
  • "Ein Pferd namens Chianti": Welt der Tiere, BR Fernsehen, 14.01.2017, um 10.00 Uhr
  • "Przewalski-Pferde": W wie Wissen, Das Erste, 05.08.2012, 17.00 Uhr

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