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Wildtiere in Bayern 700 Wildkatzen streifen durch Bayern

Völlig zu Unrecht galt die harmlose Mäusejägerin als wilde Bestie und wurde in Bayern ausgerottet. Nun ist die Wildkatze zurück - und sollte nicht mit der Hauskatze verwechselt werden.

Stand: 07.08.2018

Wildkatzen sind keine wilden Hauskatzen. Sie durchstreiften unsere Wälder schon, als es noch gar keine Hauskatzen bei uns gab. Sie haben auch eine andere genetische Herkunft. Wildkatzen (Felis silvestris) sind massiger und haben einen buschigen Schwanz mit dunklen Ringen und stumpfem, schwarzem Ende. Ihre Fellzeichnung ist nicht kontrastreich wie bei einer wildfarbenen Hauskatze, sondern wirkt verwaschener. Wildkatzen meiden die Nähe des Menschen und sind nachtaktiv. Die Weibchen leben mit ihren Jungen in Familienverbänden, Kater sind umherziehende Einzelgänger. Weil Wildkatzen reine Waldbewohner sind, werden sie oft auch Waldkatzen genannt.

Achtung, Wildkätzchen!

Falls Sie im Frühling oder Frühsommer beim Waldspaziergang ein kleines grau-getigertes Kätzchen sehen: Bitte nicht anfassen und nicht mitnehmen! Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) warnt davor, weil es sich dabei nicht um eine Hauskatze, sondern um eine Wildkatze handeln könnte. "Insbesondere junge Wildkatzen sehen Hauskatzen zum Verwechseln ähnlich. Wenn sie älter werden, verblasst die Fellzeichnung und sie sind durch den kräftigen Körperbau und den buschigen Schwanz mit stumpfer, schwarzer Spitze als Wildkatze besser zu erkennen", erklärt Friederike Scholz, Wildtierexpertin des BUND.
Immer wieder würden besorgte Tierfreunde in dieser Jahreszeit junge Wildkätzchen aufsammeln und sie zu Tierärzten oder Schutzstationen bringen - oder einfach zu Hause behalten. "Davon raten wir dringend ab. Das Muttertier ist in der Regel nicht weit weg, gerade kurz auf Mäusejagd oder versteckt sich in unmittelbarer Nähe", sagt Scholz. Das Immunsystem der Wildkatze sei auch nicht gegen Infektionen mit Hauskatzen-Krankheiten gewappnet. Das Halten von Wildkatzen ist in Privathaushalten ohnehin verboten. Sollten Sie ein Wildkätzchen sehen, kontaktieren Sie vorsichtshalber den BUND und geben Sie den entsprechenden Ort der Sichtung an. "Unsere Kolleginnen und Kollegen kümmern sich dann darum", sagt Scholz.

Auch Wildkatzen lieben Mäuse

Wildkatzen fressen Mäuse, Vögel und Amphibien.

Ursprünglich waren Wildkatzen in Deutschland weit verbreitet. Doch zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden sie bis auf wenige kleine Vorkommen ausgerottet. Eine wilde Bestie, ein gnadenloser Räuber sei sie – über Jahrhunderte dichtete man der Wildkatze furchteinflößende Eigenschaften an: Rehe und Hirschkälber könne sie erlegen und sogar Menschen angreifen. Für die Jäger war das ein Freibrief zur gnadenlosen Jagd. Tatsächlich muss sich niemand um den heimischen Rehbestand sorgen: Auf dem Speiseplan von Wildkatzen stehen Mäuse ganz oben – notfalls auch Vögel oder Amphibien. Laut Hubert Weiger, Vorsitzender des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), spielen Wildkatzen gerade in Zeiten des Klimawandels eine wichtige Rolle: "Durch fehlende harte Winter könnten die Mäusepopulationen wachsen und Schäden an Pflanzen verursachen."

Die Wildkatze kehrt zurück nach Deutschland

Mittlerweile streifen in Deutschland wieder Tausende von Wildkatzen durch die Wälder.

In ganz Deutschland steht die Wildkatze auf der Roten Liste, bei uns in Bayern gilt sie immer noch als vom Aussterben bedroht. Doch aufgrund zahlreicher Schutzmaßnahmen breitet sich die Wildkatze in einigen Teilen Deutschlands wieder aus. Im August 2018 teilte der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) mit, dass in Deutschland geschätzt 7.000 bis 10.000 Wildkatzen leben – hauptsächlich in den ausgedehnten Wäldern von Eifel, Hunsrück, Westerwald, Taunus, Pfälzer Wald und Hainich (Thüringen).

Wildkatzen in Bayern

In Bayern hat der Bund Naturschutz (BN) im Jahr 2017 rund 700 Wildkatzen nachgewiesen (Stand: Dezember 2017). "Die Population ist aber noch zu gering, um von einer dauerhaften Sicherung der Wildkatze auszugehen", sagt Hubert Weiger, Bund Naturschutz-Vorsitzender. Dies werde sicher noch Jahrzehnte dauern. Vor allem in den naturnahen Laubwäldern Nordbayerns fühlt sich die Europäische Wildkatze wohl: Hauptverbreitungsgebiete sind Spessart, Rhön und die Haßberge. Aber auch in der Oberpfalz und Schwaben haben sich Wildkatzen angesiedelt. Im Südosten Bayerns sind sie noch selten zu finden. Aufgespürt werden Wildkatzen mit der sogenannten Lockstockmethode.

Die Lockstockmethode

Da Wildkatzen sehr scheue Tiere sind, können sie fast nur durch eine DNA-Analyse der Haare nachgewiesen werden. Um an DNA-Material zu kommen, werden mit Baldrian besprühte Lockstöcke in den Waldboden gerammt. Baldrian wirkt auf die Wildkatzen wie ein Aphrodisiakum. Sie reiben sich an den duftenden Stellen und lassen Haare am Holz zurück. Diese Haarproben werden von ehrenamtlichen Helfern eingesammelt und ins Labor geschickt: Im Senckenberg-Institut in Gelnhausen in Osthessen werden die Proben untersucht. Die Ergebnisse werden in eine Gendatenbank aufgenommen.

Wildkatzenvorkommen in Bayern

Gesucht: Wildkatzen-Wanderwege

Geeignete Wälder gibt es für die Wildkatze - sie müssen nur besser vernetzt werden.

Bereits 2004 startete der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) das "Rettungsnetz Wildkatze" und versucht seither, die Lebensräume der Wildkatze zu vernetzen. Für Wildkatzen geeignete Wälder gibt es genügend in Deutschland. Allerdings liegen die einzelnen Populationen in den verschiedenen Gebieten noch weit auseinander. Der Bestand kann sich schwer ausbreiten, viele Wildkatzen sterben beim Überqueren einer Straße, ähnlich wie auch Fischotter und Luchse. Ziel ist ein bundesweiter Verbund von Wäldern, ermöglicht durch grüne Korridore. So werden zum Beispiel Bäume und Büsche gepflanzt, wo Verbindungswege durch intensivere Landwirtschaft und Baumaßnahmen verloren gegangen sind.

"Die größte Bedrohung für die Wildkatze ist und bleibt die Zerschneidung und Verarmung ihres Lebensraums durch Ackerflächen, Straßen und Siedlungen."

Friederike Scholz, Wildtierexpertin, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)

Wissenswertes über die Wildkatze und Schutzprojekte:

  • "Wildkatzen - Versteckt in Deutschlands Wäldern": am 24. Oktober 2018 um 10.25 Uhr, BR Fernsehen
  • "Die Wildkatze - Rückkehr der Unbezähmbaren": am 2. August 2018 um 15.05 Uhr, Bayern 2
  • "Die Wildkatze - Rückkehr der Unbezähmbaren": am 13. Juli 2018 um 9.05 Uhr, Bayern 2
  • "Kleine Tiger in bayerischen Wäldern": am 13. Januar 2018 um 10 Uhr, BR Fernsehen
  • "Häh? - Was ist der Unterschied zwischen Hauskatzen und Wildkatzen": am 24. Februar 2017 um 18.30 Uhr im "radioMikro", Bayern 2
  • "Leben mit dem Tigerrr...": am 13. Dezember 2015 um 15.30 Uhr in "Welt der Tiere", BR Fernsehen
  • "Wildkatzen auf der Spur": am 16. Oktober 2015 um 17.30 Uhr in "Schwaben & Altbayern", BR Fernsehen

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