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Wildbienen werden immer weniger So können Sie den wilden Sammlerinnen helfen

Sie stehen im Schatten der Honigbiene und erfüllen doch die gleiche, wichtige Aufgabe in der Natur: Wildbienen. Immer mehr von ihnen sind gefährdet. Mit einer schicken Mietwohnung können Gartenbesitzer ihnen die Arbeit versüßen.

Stand: 17.04.2018

Biene mit Harz im Mund fliegt in einen künstlichen Bienenstock, eine Nisthilfe ein. | Bild: picture-alliance/dpa/blickwinkel

Rund 560 Wildbienenarten gibt es in Deutschland. Die meisten ihrer Vertreter suchen und bauen sich Bruträume in Pflanzenstängeln, Holzritzen, Lehmböden oder sogar in leeren Schneckenhäusern. Wie die Honigbienen sammeln Wildbienen Nektar und Blütenstaub. Deshalb spielen sie eine wesentliche Rolle bei der Bestäubung von Blütenpflanzen.

Gemeinsam erfolgreicher

Den Insekten in Deutschland geht es nicht gut, und auch viele der über 560 Wildbienenarten, die in Deutschland vorkommen, sind massiv gefährdet. Sie liefern zwar keinen Honig, die Bestäubungsleistung einiger Arten ist aber weit höher als bei der Honigbiene. Für die Bestäubung eines Hektars mit Obstbäumen sind ein bis zweieinhalb Bienenvölker notwendig – oder 530 nistende Weibchen der Gehörnten Mauerbiene. Die Gehörnte Mauerbiene ist eine Art, die sich mit einfachen Nisthilfen auch schnell im Garten oder auf dem Balkon einfindet.

"Das Interessante ist, dass jede dieser einzelnen Wildbienenarten unterschiedliche Sammeltechniken haben, und die kann man auch beobachten. Also es gibt die Beinsammler und die Bauchsammler. Und alle haben beim Sammeln bestimmte Techniken entwickelt, zum Beispiel, dass man auf der Blüte landet und dann mit dem Bauch draufklopft und sozusagen den Pollen dadurch löst und am Bauch sammelt. Oder dass man ihn nach hinten schiebt in die Beinsäcke."

Holger Wiedemann, Münchner Journalist, Balkonbesitzer und Wildbienenfreund

Wie wichtig Wildbienen sind, belegt ebenfalls eine Studie unter Federführung der Universitäten Würzburg, Lüneburg und Rio Negro in Argentinien. In 19 verschiedenen Ländern wurde untersucht, wie viele und wie viel verschiedene Wildbienenarten es auf den jeweiligen Anbauflächen gab. Außerdem wurde protokolliert, wie viele Blüten der Nutzpflanzen sich bis zur Ernte zu Früchten entwickelten. Überall zeigte sich: Honig- und Wildbienen bestäuben Felder gemeinsam viel effektiver, als Honigbienen dies alleine können - selbst wenn die Gesamtzahl der bestäubenden Insekten gleich ist.

Zu wenig Nistmöglichkeiten

Doch die Wildbienen werden immer weniger, Nistmöglichkeiten werden rarer. Flächen werden zunehmend versiegelt, tote Bäume entfernt, Altholz imprägniert und altes Gestrüpp beseitigt. Auf der Suche nach Niströhren nehmen die Wildbienen deshalb künstliche Hilfen gerne an. Selbst in der Großstadt auf einem Balkon im achten Stock werden Nisthilfen von Wildbienen besiedelt.

"Da gibt es Holzblöcke mit Löchern unterschiedlicher Größe, außerdem einzeln und senkrecht stehende Brombeerstängel, waagrecht gebündelte Strohhalme, Bambus- und Schilfröhrchen in Holzrahmen, Terracottasteine. Alles beste Qualität und überwiegend selbst gemacht – denn käufliche Nisthilfen sind oft ungeeignet. Zu weich das Holz, zu viele Splitter, die die zarten Flügel verletzen könnten."

Katharina Heuberger und Holger Wiedemann, Münchner Journalisten, Balkonbesitzer und Wildbienenfreunde, bieten ihren geliebten Wildbienen viele unterschiedliche Nisthilfen an.

Nisthilfe vom Menschen

Die Niströhre als Schutz

Wilde Biene: Die Mauerbiene

Bienen brauchen zum Aufwachsen Niströhrchen. Fünf oder sechs Mauerbienen teilen sich dabei den Wohnraum. Hintereinander wachsen sie vom Ei über die Larve bis zur Puppe, die überwintert. Im nächsten Jahr schlüpft aus ihr die fertige Biene. Die Tiere, die ganz hinten schlüpfen, müssen zwar die Hüllen ihrer geschlüpften Vorderbienen mühsam aus dem Loch schieben. Dafür sind sie während der Puppenruhe im Winter am besten vor Vogelfraß geschützt.

Maßgeschneiderte Niströhrchen

Verschiedene Nisthilfen im Überblick

Mit Niströhren beispielsweise aus ausgebohrten Ästen von Holunder oder Brombeeren können wir ihnen die größte Freude machen. Die Äste werden aufgehängt, wo es sonnig, aber nicht zu sonnig ist. Auch Schilfröhrchen können als Niststätten dienen. Wer einen Garten hat, kann Löcher ins Totholz bohren oder gar eine Lehmwand mit eingebohrten Nistmöglichkeiten anlegen - immer mit Löchern zwischen drei und acht Millimetern für die verschiedenen Wildbienenarten. Sechs bis acht Millimeter Durchmesser sind zum Beispiel besonders geeignet für Mauerbienen.

Achtung vor dem Vogel bei "Bienenhotels"“

Künstliche Ansammlungen zahlreicher Niströhren zum Beispiel in einem Bündel Schilf sind richtige "Bienenhotels". Die Hotels sind allerdings auch für Vögel äußerst attraktiv. Im Winter sollten sie daher besser abgedeckt werden, um die Bienen vor hungrigen Räubern zu schützen. Das kann mit einer einfachen Plastikhaube geschehen, die mit Durchlüftungslöchern versehen ist, oder - bei größeren Wildbienenhotels - mit einem Vogelschutznest.

Hilfe bis ins späte Frühjahr

Weil manche Wildbienenarten wie beispielsweise die Scherenbienen erst im Sommer schlüpfen, lohnt es sich noch bis ins späte Frühjahr hinein Nisthilfen aufzustellen. Angst gestochen zu werden, braucht man nicht zu haben: Die Männchen haben keinen Stachel und die Weibchen sind äußerst friedfertig, weil sie keinen Honig zu verteidigen haben und die Brut erst im kommenden Jahr schlüpft.

Ausnahme Hummel

Nur Hummeln brauchen etwas anderes ...

Auch die dicken, pelzigen Hummeln, die in kleinen Völkern von bis zu 600 Tieren leben, gehören zu den Wildbienen. Doch anders als ihre kleinen Verwandten können gereizte Hummeln in Nestnähe den Menschen stechen. Deshalb sollten ihre künstlichen Wohnungen besser in einer ruhigen Gartenecke liegen. Und statt Niströhren eignen sich Kisten, die wie ein Mäusenest mit Kleintierstreu oder Polsterwolle ausgekleidet werden.

Bedrohte Spezies

Die pelzigen Pollenträger haben ähnlich wie die Honigbienen ein großes Problem: Fast jede vierte Hummelart in Europa ist vom Aussterben bedroht. Das berichtete die Weltnaturschutzunion IUCN Anfang April 2014 im Hinblick auf eine neue Studie, die alle 68 europäischen Hummelarten untersuchte. Demnach sind 24 Prozent von ihnen vom Aussterben bedroht. Bei 46 Prozent der Arten sinkt die Population.

Hummeln sorgen wie Bienen als Bestäuber dafür, dass sich Pflanzen vermehren und gedeihen können. Damit sind sie wichtig für die Nahrungsproduktion. Häufig sind Hummeln auf bestimmte Pflanzen spezialisiert, was sie sehr anfällig für Veränderungen ihrer Umwelt macht: Steigende Temperaturen, intensive Landwirtschaft und geschwächte Ökosysteme sind die Hauptgefahren für diese Insekten.

Hummeln sind wichtige Bestäuber

Hintergrund zu Wildbienen

Zahlreiche Fotos und ausführlicher Beschreibungen unterschiedlicher Wildbienenarten und ihrer Lebensweise sind auf dieser privaten Internetseite zu finden.

Spannungsfeld Honigbienen - Wildbienen

Viele Wildbienen-Experten sehen die zunehmende Imkerei kritisch, da die starken Honigbienenvölker Nahrungskonkurrenten für die Wildbienen sein können.

Netzwerk "Blühende Landschaft"

In Trägerschaft der Mellifera e.V., die sich dem Schutz von Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und Co. widmet, finden Gärtner oder Landwirte Tipps für eine blühende Landschaft - Nahrungsgrundlage der bedrohten Tiere.

  • Biene Majas wilde Schwestern: 04.06.2018, 10.25 Uhr, natur exclusiv, BR Fernsehen
  • Biene Majas wilde Schwestern: 03.06.2018, 14.20 Uhr, natur exclusiv, BR Fernsehen
  • Das leise Sterben der Bienen und Schmetterlinge: 17.07.2017, 14 Uhr, ARD-alpha
  • Biene Majas wilde Schwestern: 24.06.2017, 18.45 Uhr, natur exklusiv, BR Fernsehen
  • Alarmierendes Artensterben - Immer weniger Wildbienen: 08.05.2017, 17.03 Uhr, Abendschau, BR Fernsehen
  • Balkon für Wildbienen: 04.07.2016, 19 Uhr, Querbeet, BR Fernsehen
  • Naturgarten-Balkon für Wildbienen: 04.07.2016, 19 Uhr, Querbeet, BR Fernsehen
  • Bienenfreundlicher Garten: 26.06.2017, 19 Uhr, Querbeet, BR Fernsehen
  • Hotel für Wildbienen: 19.06.2017, 16.15 Uhr, Wir in Bayern, BR Fernsehen
  • Wildbienen - Die einsamen Königinnen: 06.04.2018, 9.05 Uhr, radioWissen, Bayern 2

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