Wissen


9

Zunahme von Hitzewellen DWD baut Hitzewarnsystem aus

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) baut wegen der zu erwartenden Zunahme von Hitzewellen sein Warnsystem aus. Es soll örtlich genauer sein und speziell Menschen in betroffenen Städten sowie ältere und erkrankte Menschen warnen.

Stand: 15.03.2017

Ein Paar ruht sich beim Hitzerekord in Kitzingen, 2015, auf einer Bank aus. | Bild: picture-alliance/dpa

Ab Juni 2017 soll das neue Hitzewarnsystem des Deutschen Wetterdienstes (DWD) verfügbar sein. Das neue System soll genauer, spezifischer und individuell leichter zugänglich sein. Es ergänzt das bisherige Hitzewarnsystem auf Landkreis-Ebene. Der Grund für diese Maßnahme: Der DWD erwartet, dass die Hitzewellen in den nächsten Jahren aufgrund der Erderwärmung zunehmen. Gleichzeitig wird unsere Gesellschaft immer älter – und gerade ältere Menschen sind bei Hitze besonders gefährdet.

Temperaturen steigen - vor allem in der Stadt

Paul Becker, Vizepräsident des DWD, verwies bei der Vorstellung des neuen Warnsystems in Berlin (14.03.17) auf Prognosen von Klimaforschern, wonach sich bis zum Ende des Jahrhunderts die Zahl der heißen Tage in Deutschland mit Höchsttemperaturen von mindestens 30 Grad Celsius deutlich erhöhen wird.

Außerdem trage auch der Trend zur Verstädterung zu einem höheren Risiko bei, weil Menschen "bei Hitzewellen in Städten von noch extremeren klimatischen Bedingungen betroffen sind", erklärte Becker. In Städten staue sich die Hitze oft, deshalb könnten hier die Temperaturen bis zu zehn Grad höher liegen als im Umland. Deshalb sollen dem bisherigen Warnsystem 79 deutsche Städte mit jeweils mehr als 100.000 Einwohnern hinzugefügt werden.

Hitzewellen als lebensbedrohende Gefahr

Laut Studien des Rückversicherers Munich Re sind in Europa von 1980 bis 2013 rund 85.000 Menschen durch Wetterextreme ums Leben gekommen, 75.000 davon durch Hitzewellen. Allein bei der großen Hitzewelle im Sommer 2003 sind 8.000 Menschen in Deutschland gestorben. Darunter waren vor allem Senioren über 80. "Übermäßige Hitze ist eine der größte Gefahren für das menschliche Leben", so DWD-Vizepräsident Paul Becker.

Besonders gefährdet: Senioren

Als Hitzetag gilt ein Tag mit Temperaturen über 30 Grad Celsius. Die gefühlte Temperatur, in die auch Luftfeuchtigkeit, Strahlung und Wind einfließen, kann dabei aber noch höher liegen. Bisher hat der DWD die Belastungen und die gefühlte Temperatur für einen durchschnittlichen 35-Jährigen – den "Klima-Michel" – errechnet. Um die Warnungen gezielter für ältere Menschen aufzubereiten, stellt der DWD nun auch die Daten für einen "Klima-Michel-Senior" zusammen.

Dieser "Standard"-Senior ist 75 Jahre alt und seine körperliche Anpassung an die Hitze ist eingeschränkt. Er schwitzt zum Beispiel nicht mehr so viel. "Im Alter reagiert das Herz-Kreislauf-System nicht mehr so flexibel", erläuterte Becker und die Belastung im Alter steige. Deshalb wird der DWD Senioren nun ab 32 Grad Celsius gefühlter Temperatur vor "starker Wärmebelastung", bei 38 Grad Celsius über "extreme Wärmebelastung" warnen.

YouTube-Vorschau - es werden keine Daten von YouTube geladen.

Der Klima-Michel und das neue Hitzewarnsystem des Deutschen Wetterdienstes | Bild: DWDderWetterdienst (via YouTube)

Der Klima-Michel und das neue Hitzewarnsystem des Deutschen Wetterdienstes

Zudem sollen mit dem neuen Warnsystem Pflegeheime, Altenheime und Krankenhäuser möglichst frühzeitig und direkt über Hitzegefahren informiert werden. Dazu soll es Mitteilungen über die Medien und ganz persönlich abrufbare Informationen über Newsletter und Warn-Apps für Mobiltelefone geben. Auch Ärzte und Apotheker können mitmachen.


9