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Extremwetter Hitzewellen, Höchsttemperaturen und Hochwasser

Extreme Wetterphänomene sind schon Realität - und treten weltweit immer häufiger auf: Das Jahr 2014 war das wärmste Jahr in Deutschland seit Beginn der Messungen. Auch weltweit wurden 2014 Wärmerekorde gebrochen.

Stand: 02.02.2015

2014 war in Deutschland ein Rekordjahr: Das Jahr war erheblich zu warm. Die Jahres-Durchschnittstemperatur lag mit 10,3 Grad Celsius deutlich über den Temperaturen der bisherigen Rekordjahre 2000 und 2007. Seit 1881 die regelmäßige Temperaturmessung eingeführt wurde, war es in Deutschland niemals so warm. Über das Jahr gesehen, lagen die Sonnenscheinstunden über den normalen Durchschnittswerten und es war ein wenig trockener als im Mittel, so der Deutsche Wetterdienst (DWD).

Hohe Abweichungen im Schnitt

Auch weltweit war das Jahr 2014 nach Angaben der US-Meteorologen der Nationalen Ozean- und Atmosphärenverwaltung (NOAA) das wärmste Jahr seit den ersten Wetteraufzeichnungen 1880. So war der September mit einer Durchschnittstemperatur von 15,7 Grad Celsius der wärmste seit 135 Jahren. Die durchschnittliche, über das Jahr und über den Globus gemittelte, Temperatur lag bei 14,59 Grad. Das ist 0,69 Grad Celsius wärmer als die globale Mitteltemperatur des 20. Jahrhunderts. Auch wenn die Abweichung dieses Zahlenwertes so klein erscheint, so ist dies eine ganz signifikante Erwärmung.

Steigende Temperaturen machen Wetterextreme wahrscheinlicher

Schon 2013 verdeutlichte der Bericht der Weltorganisation für Meteorologie (WMO), dass das Wetter immer extremer wird, die Temperaturen im Durchschnitt steigen. 2013 wurde ein Plus von 0,7 Grad Celsius im Durchschnitt festgestellt. Dieses Plus macht extreme Überflutungen, Dürren oder Stürme noch wahrscheinlicher, aber nicht überall in gleichem Maß.

2013: Extreme nehmen weltweit zu

WMO-Klimabericht

Das Jahr 2013 war das sechstwärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Das geht aus dem am 23. März 2014 veröffentlichten Bericht "WMO-Statement on the Status of the Global Climate in 2013" der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) hervor. Die Auswirkungen des Klimawandels seien überall auf der Welt spürbar gewesen - unter anderem auch durch die Starkregenfälle in Mitteleuropa, die zu Überschwemmungen führten wie in Deutschland:

- So waren die Überflutungen an Donau und Elbe die schlimmsten seit mindestens 1950, so die WMO.
- In Passau sei der höchste Pegelstand seit dem Jahr 1501 gemessen worden.
- Deutschland habe 2013 zudem den viertwärmsten Winter seit Beginn der Aufzeichnungen erlebt - mit Temperaturen, die gut drei Grad über dem langjährigen Mittel lagen.

Beispiele weltweit

Der Bericht nennt viele Beispiele für weitere Wetterextreme:
- Der Nordosten Brasiliens hat die schlimmste Dürre der vergangenen 50 Jahre erlebt.
- Im US-Bundesstaat Oklahoma wurde der breiteste bisher beobachtete Tornado registriert.
- Im November wurden die Philippinen von Taifun "Jaiyan" verwüstet, mehr als 6.000 Menschen starben. Die Auswirkungen seien auch deshalb so extrem gewesen, weil der Meeresspiegel in der betroffenen Region in Folge der Erderwärmung gestiegen sei.
- Für Australien sei 2013 das wärmste, für Argentinien das zweitwärmste und für Neuseeland das drittwärmste Jahr seit Aufzeichnungsbeginn gewesen. In Vioolsdrift in Südafrika wurden am 4. März 2013 47,4 Grad gemessen - der WMO zufolge der höchste bisher gemessene März-Wert in Afrika. Auch in vielen asiatischen Städten gab es Hitzerekorde.

Tendenz steigend

Laut WMO ...

... entfallen 13 der 14 wärmsten Jahre weltweit seit dem Beginn der Aufzeichnungen 1850 auf das 21. Jahrhundert.
... ist jedes der vergangenen drei Jahrzehnte wärmer als das vorherige gewesen.
... teilt sich 2013 den sechsten Rang in der Liste der heißesten Jahre mit dem Jahr 2007.
... wurden vielerorts Hitzerekorde gebrochen. Besonders im Jahresmittel wurden auf der südlichen Erdhalbkugel besonders hohe Temperaturen gemessen.

Meeresspiegelanstieg

Wie der Bericht auch erklärt, sind die Ozeane ein immenser Puffer für das freigesetzte Kohlendioxid und die Wärme, die durch den vom Menschen gemachten Treibhauseffekt entsteht. Bis zum Jahr 2000 sei die Wärme in einer Meeresschicht bis zu 700 Meter Tiefe aufgenommen worden. Seither werde der Großteil in 700 bis 2.000 Meter tiefem Wasser absorbiert. Die daraus resultierende Ausdehnung des Wassers und die abschmelzenden Gletscher und Eisschilde seien der Grund dafür, dass seit Beginn des 20. Jahrhunderts der Meeresspiegel global um 19 Zentimeter gestiegen ist.


Prognosen für Europa

So vielfältig die europäischen Länder sind, so verschieden können die extremen Wetterphänomene sein, die uns zukünftig drohen. Die Folgen dieser Katastrophen werden unser Leben, die Wirtschaft und Gesellschaft aber auf jeden Fall stärker beeinflussen, als wir bisher annehmen. Mit dieser Feststellung leitete auch der "European Academies Science Advisory Council" (EASAC) seinen Bericht zu "Extremwettertrends in Europa und die daraus resultierenden Empfehlungen für nationale und EU-weite Anpassungsstrategien 2014" ein.

Der EASAC-Report basiert auf den Weltklimaberichten von 2007 und 2013 und weiteren Studien und Klimamodellen. Wie diese geht auch der EASAC-Bericht von der globalen Erwärmung aus und davon, dass der vom Menschen provozierte Anstieg der Treibhausgase die hauptsächliche Ursache für die Erwärmung ist. Im Gegensatz zu den anderen Studien hat der EASAC-Report konkret Europa im Blick.

Versicherer: Bilanz 2013 in Deutschland

Gehäuft und heftig

"Die Häufung verschiedener Wetterextreme innerhalb weniger Monate machten das Jahr 2013 zu einem außergewöhnlichen Jahr", so Alexander Erdland, Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) bei der Vorstellung der Schadensbilanz für 2013. Selten entstünden in so kurzer Zeit – innerhalb eines Jahres – solche Schadensdimensionen. Bis Ende 2013 mussten die Versicherer sieben Milliarden Euro für die Folgen von Stürmen, Hochwasser, Orkan oder Hagel zahlen.

Verteilung

Die sieben Milliarden verteilen sich wie folgt:
Sachversicherung circa. 5,5 Milliarden Euro, davon:
- Juni-Hochwasser: circa 1,8 Milliarden Euro
- Hagelstürme von Sommer bis Frühherbst: circa 3,1 Milliarden Euro
- Orkan Christian (Ende Oktober): 300 bis 400 Millionen Euro
- Orkan Xaver (Anfang Dezember): 100 bis 200 Millionen Euro

Kraftversicherung für Juni-Hochwasser, Hagelstürme, Orkane: circa 1,5 Milliarden Euro

Keine Ausnahme

Doch das Jahr 2013 war mit seinen Naturkatastrophen für die Versicherer keine Ausnahmeerscheinung. Vergleichbare Jahren waren zuletzt 1990 und 2002. Im Winter 1990 sorgten Stürme wie Wiebke und Vivian für enorme Schäden. 2002 kamen zum Elbe-Hochwasser noch heftige Winterstürme dazu, die ebenfalls schwere Schäden hinterließen.

Zukunfts-Prognose

Eine gemeinsame Studie von Versicherern und führenden Klimaforschern zeigt, dass die Wetterextreme noch zunehmen werden. Überschwemmungsschäden könnten sich bis zum Ende dieses Jahrhunderts verdoppeln. Sturmschäden könnten bis zum Jahr 2100 um mehr als 50 Prozent und Hagelschäden schon bis 2050 um 60 Prozent zunehmen.

Prävention

Ein Resümee ist für die Versicherer, dass Information und Prävention immer wichtiger werden. Hierfür muss das Risikobewusstsein für Naturgewalten in der Bevölkerung gestärkt werden. Denn nur wer um die Gefahr weiß, schützt sich entsprechend. Daher fordert der Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Alexander Erdland, ein bundesweites Naturgefahrenportal und eine Informationskampagne.

Steigende Schadensmeldungen bei Versicherern

Versicherungsdaten als Grundlage

Die Versicherungsindustrie hat seit 1980 Daten zu extremen Wetterereignissen zusammengetragen. Die Studie wertet diese Daten aus, denn auch wenn sie keine meteorologische Auskunft über die Wetterereignisse an sich geben, so dokumentieren die Zahlen den zukünftigen Wettertrend.

Wetterbedingte Katastrophen lagen nach Angaben von Versicherungen in der Spanne von 1980 bis 1989 bei 335 extremen Wetterereignissen. In den 1990-er Jahren stiegen sie auf 545 und von 2002 bis 2011 auf 716 an. Am stärksten zugenommen haben laut Statistik Flutkatastrophen, Hitzewellen, Dürren und Feuer, gefolgt von Stürmen.

Dabei machen die Versicherungen eine klare Unterscheidung zwischen wetterbedingten Risiken und geophysikalischen Gefahren wie Erdbeben, Vulkanausbrüchen und Tsunamis, die ihren Daten zufolge nur leicht – und statistisch gesehen unbedeutend – zugenommen haben.

Im Rückblick: Hitze, Kälte und Flut

Beispiele für extreme Wetterlagen sind die Hitzewellen in Zentral- und Westeuropa im Sommer 2003 und in Teilen Russlands 2010, als Zehntausende Menschen an der Hitze und ihren Folgen starben. Oder die extremen Kälteeinbrüche in den Wintern von 2005/06 und 2009/10, auch sie forderten viele Menschenleben. Während durch extreme Temperaturen überdurchschnittlich viele Menschen sterben, verursachen die Folgen von Stürmen und Flutkatastrophen extrem hohe Kosten. Die Versicherer schätzen den finanziellen Schaden durch extreme Wetterereignisse von 1980 bis 2011 auf 405 Milliarden Euro. Allein die Schäden verursacht durch das Hochwasser im Mai und Juni 2013, das ganz Mitteleuropa traf, sollen bei 13 Milliarden Euro liegen.

Vorsichtige Prognosen für Europa

Extreme Temperaturen

Für Hitzewellen lassen sich die zuverlässigsten Aussagen treffen.

Die Forscher haben häufigere, längere und intensivere Hitzewellen beobachtet.
Die Temperaturen während der heißesten Tage werden wohl erheblich höher ausfallen, als die saisonalen Durchschnittstemperaturen.
Extrem kalte Tage werden wahrscheinlich seltener, wird es aber vereinzelt noch geben.

Niederschläge

Prognosen für die Niederschlagsextreme sind schwieriger.

Die Forscher erwarten insgesamt häufigere und intensivere Starkniederschläge. Außer im Mittelmeergebiet werden Winter voraussichtlich nasser und Sommer trockener werden. Im Süden wird es genereller trockener, im Norden Europas nasser.

Stürme

Zwar haben die Wissenschaftler aufgrund der Daten in den letzten 60 Jahren eine Zunahme an Stürmen und ihrer Intensität festgestellt, insgesamt können sie aber nur eine vage Aussage über die Entwicklung treffen.

Die Forscher gehen von stärkeren Winden in einem Gebiet von Großbritannien bis Polen aus. Heftige Gewitter und Stürme werden an der Nordseeküste und der baltischen Küstenzone erwartet, aber auch an der iberischen Westküste oder am Golf von Lyon sowie an den Nordstränden der Adria.

Trockenheit

Noch schwieriger ist es, eine Aussage über Dürren zu treffen.

Für Südeuropa gibt es aber Hinweise, dass die Trockenheit zunimmt und das Dürrerisiko steigt.




EASAC-Report - Mahnung an Europa

Differenzierter Blick auf Europa

Klimaforscher Erich Fischer vom Institut für Atmosphären- und Klimawissenschaft an der ETH Zürich hat an dem EASAC-Report mitgewirkt. Er betont, dass man nicht generell sagen könne, dass in Europa alles schlimmer werde. Der Kontinent müsse viel differenzierter betrachtet werden. Zum Teil sei es auch schwierig, konkrete Vorhersagen zu treffen, weil oft wichtige wissenschaftliche Grundlagen und Erkenntnisse fehlten. Sicher für ihn ist, dass große Temperaturunterschiede und intensiver Niederschlag in der Zukunft eine Rolle spielen werden.

Extremwetter in Deutschland

Für Deutschland und seine Nachbarländer verweist Erich Fischer auf die Vergangenheit, die gezeigt habe, dass besonders Starkniederschläge, Überschwemmungen und Winterstürme zunehmen. Besonders gefährdet seien die Küstengebiete. Und auch Kälte- und Hitzeextreme werden wohl auch Auswirkungen auf Deutschland haben.

Appell an Politiker: Es fehlen Strategien!

Von den 28 Ländern der europäischen Wirtschaftszone – die EU-Länder, Island, Liechtenstein und Norwegen – haben nur 13 Strategien entwickelt, auf die Wetter- und Klimaveränderungen angemessen zu reagieren. Doch gerade solche Strategien sind angesichts der Entwicklung vonnöten, so der EASAC-Bericht. Dabei muss länderübergreifend gedacht und geplant werden. Das wird deutlich, wenn es zum Beispiel um Hochwasser geht, das wahrscheinlich öfter und heftiger als bisher eintreffen werde. Betroffen seien davon Polen, Deutschland, Österreich, die Schweiz, Frankreich und Italien, die nur gemeinsam eine Strategie entwickeln könnten.

Küstenländer

Auch die Küstenregionen sind auf eine gemeinsame Strategie angewiesen, um die Risiken zukünftiger Überschwemmungen zu minimieren. Der stetige Anstieg des Meeresspiegels erfordert entsprechende Maßnahmen, aber nicht alle Städte hätten einen angepassten Zukunftsplan, so der Report. Die Prognosen für den Anstieg des Meeresspiegels variierten zwischen weniger als 30 Zentimeter, bis zu mehr als einem Meter zum Ende des 21. Jahrhunderts. Allerdings gäbe es große regionale Unterschiede, die variable Lösungsansätze erforderlich machten.

European Academies Science Advisory Council (EASAC)

Der "Beratende Rat Europäischer Wissenschaftsakademien" besteht seit 2001 und ist ein Zusammenschluss nationaler Wissenschaftsakademien der Länder der Europäischen Union. Der EASAC erarbeitet Stellungnahmen, Berichte und Empfehlungen zu Themen wie Energie, Umwelt, Klima, Technik und Biowissenschaften und richtet sie als Handreichungen an die Institutionen und Politiker der EU. Er hat keine kommerziellen oder wirtschaftlichen Geldgeber. Der "EASAC Rat" hat 28 Mitglieder, alle hochrangige Wissenschaftler, die von ihren nationalen Einrichtungen der EU-Staaten ausgewählt wurden. Der Bericht zum Extremwetter wurde unter der Leitung der Norwegischen Wissenschaftsakademie und dem Norwegischen Meteorologischen Institut erstellt.

Ursachen und nicht nur Symptome bekämpfen

Neben mittelfristigen Strategien und einer europäischen Zusammenarbeit fordert der Bericht auch den offenen Zugang zu Forschungsdaten und den verstärkten Austausch von Informationen sowie die Förderung von Wetter- und Klimaforschung und die stärkere Vernetzung durch länderübergreifende Projekte. Immer wieder macht der Bericht darauf aufmerksam, dass es wichtig ist, die Ursachen der Erderwärmung zu bekämpfen und konkret gegen die steigenden Treibhausgase vorzugehen. Denn es wäre wichtig und an der Zeit, endlich auch die Ursachen und nicht nur die Symptome der Klimaerwärmung anzugehen.

Wie Wetter entsteht


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