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Navigationssystem Galileo Fast fertig - zehn Jahre später als geplant

2020 sollen die letzten vier Galileo-Satelliten ins All starten. Dann wäre das europäische Satellitennavigationssystem komplett - mit mehr als einem Jahrzehnt Verspätung und deutlich teurer als geplant.

Stand: 04.03.2019

Abdockmanöver eines Galileo Satelliten. | Bild: ESA/J. Huart/dpa

Ursprünglich sollte Galileo schon 2008 in den Vollbetrieb gehen. Voraussichtlich wird es aber mehr als ein Jahrzehnt länger dauern, bis das europäische Satellitennavigationssystem komplett ist. Teurer als ursprünglich geplant ist es auch geworden. 1999 plante die EU 2,2 bis 2,9 Milliarden Euro für den Aufbau des Systems ein. Der derzeitige Kostenrahmen im EU-Budget bis 2020 liegt bei 7,2 Milliarden Euro für den Aufbau plus weitere drei Milliarden für den Betrieb.

Vier Galileo-Satelliten fehlen noch

Samuel, Tara, Anna, Ellen

Die vier Satelliten, die am 25. Juli 2018 an Bord einer Ariane-5-Rakete ins All gestartet waren, heißen Samuel, Tara, Anna und Ellen. Alle Galileo-Satelliten sind nach Kindern benannt, die zu Beginn des Galileo-Projekts an einem internationalen Malwettbewerb teilgenommen hatten.

Das Navigationssystem basiert auf insgesamt 30 Satelliten. Die letzten vier sollen Ende 2020 mit einer Trägerrakete ins All fliegen. Alle Galileo-Satelliten umkreisen die Erde in einer Höhe von circa 23.200 Kilometern. Für eine Erdumrundung benötigen sie rund 14 Stunden. Jeder Satellit ist rund 715 Kilogramm schwer und mit hochgenauen Atomuhren ausgestattet, die eine Messgenauigkeit von einem Meter und darunter ermöglichen sollen - und damit genauere Daten liefern als das US-amerikanische Global Positioning System GPS. Gesteuert werden die Satelliten vom Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum DLR in Oberpfaffenhofen.

Neues Smartphone nötig

Für die Nutzung von Galileo-Daten benötigt man ein neueres Smartphone

Um eine genaue Positionierung zu erhalten, benötigt man die Daten von mindestens vier Satelliten. Besitzt man ein neueres Smartphone, kann es die Signale der Satelliten empfangen. Aus der Position der Satelliten und der Zeit, die die Signale bis zum Handy brauchen, kann dann die exakte Position ermittelt werden.

Kostenloser offener Dienst für jeden

Galileo bietet fünf unterschiedliche Dienste weltweit an. Für alle Nutzer ist der gebührenfreie offene Dienst "Open Service OS". Er basiert auf einem Signal, das auf zwei Frequenzen ausgestrahlt wird und eine Position auf ein bis zwei Meter genau bestimmen kann.

Hochpräziser Galileo-Dienst wird kostenlos

Der genauere Dienst "Commercial Service CS" ist zum Beispiel für die vernetzte Landwirtschaft, für das Vermessungswesen, das autonome Fahren oder Logistik-Unternehmen und Flottenmanagement gedacht. Er soll Positionsbestimmung bis auf 20 Zentimeter genau ermöglichen. Dieser hochpräzise Dienst war als kommerzieller Service geplant. Nun wird aber auch er kostenlos sein. Die Konkurrenz bei den globalen Satellitennavigationssystemen ist groß: Neben dem US-System GPS gibt es noch das russische Glonass und das chinesische Beidou, das seit Dezember 2018 einen globalen Dienst anbietet. Daneben baut Japan das QZSS-System für den asiatisch-pazifischen Raum auf.

Dienst für das Verkehrswesen

Galileo-Dienst auch für Containerschiffe

Der sogenannte "sicherheitskritische" Galileo-Dienst "Safety of Life Servce SoL" ist verschlüsselt und nur für die gedacht, die eine extrem genaue Positionsangabe benötigen, wie die Luft- und Schifffahrt oder der Schienenverkehr.

Schnelle Ortung für Rettungsdienste

Daneben gibt es noch den Galileo Such- und Rettungsdienst "Search and Rescue SAR". Er ist unter anderem für die Bergwacht und die Seenot-Rettung eingerichtet und ermöglicht, so die Europäische Raumfahrbehörde ESA, "den Empfang von Notrufen von beliebigen Standorten auf der ganzen Erde praktisch in Echtzeit" sowie eine "exakte Positionsbestimmung der Warnmeldungen auf wenige Meter anstelle der derzeitigen Genauigkeit von fünf Kilometern".

Dienst für Polizei, Zoll und Feuerwehr

Der fünfte Galileo-Dienst ist zugriffsgeschützt und verschlüsselt: "Galileo Public Regulated Service PRS" ist ausschließlich staatlichen Ordnungskräften, wie Polizei, Feuerwehr, Zoll oder Katastrophenschutz vorbehalten ist.

Galileo und GPS

Galileo ist das erste rein zivile Navigationssystem. Laut der Europäischen Union soll es dem US-amerikanischen GPS, mit dem derzeit noch fast alle navigieren, nicht nur Konkurrenz machen, sondern es auch ergänzen. Zudem will Galileo genauer sein als das amerikanische Navigationssystem. GPS ist ein ursprünglich vom US-amerikanischen Militär entwickeltes System. Sollte es zu größeren Spannungen zwischen den USA und Europa kommen, könnten die Amerikaner jederzeit die GPS-Nutzung einschränken oder abschalten. Um aus dieser Abhängigkeit herauszukommen, hatte Europa das Prestigeprojekt Galileo angestoßen. Zudem soll die metergenaue Navigation bei der Landvermessung und der Überwachung von Warenströmen den Europäern neue Märkte eröffnen.

Verzögerungen und Pannen bei Galileo

Ursprünglich war geplant, dass alle 30 Galileo-Satelliten schon 2008 im All kreisen. Dann sollte das EU-Navigationssystem bis 2018 voll einsatzfähig sein. Das Projekt verzögerte sich immer wieder. Zum einen, weil die hohe Komplexität des Projekts wohl zu Beginn unterschätzt worden war. So kam es immer wieder zu technischen Pannen. Schon 2016 sendete einer der ersten Satelliten nicht mehr. Zwei Satelliten wurden zum Beispiel auch in eine falsche Umlaufbahn geschossen und waren damit unbrauchbar. Zum anderen vereint das EU-Projekt viele Partner – sowohl Länder als auch Firmen, die beteiligt sind. Sie alle zahlen viel Geld für das Projekt und möchten bei Entscheidungen mitreden – auch das hat den Entwicklungsprozess immer wieder verzögert.

Erstes Projekt der EU mit der ESA

2011 hatte die Europäische Union rund sieben Milliarden Euro bis 2018 für den Aufbau und den Betrieb des Systems bereitgestellt. Der Sitz der Agentur für das Europäische Globale Navigations-Satellitensystems (GNSS) ist die tschechische Hauptstadt Prag. Durchgeführt wird das Projekt von der EU und der Europäischen Weltraumorganisation (ESA). Neben den EU-Ländern sind zum Beispiel auch China, Indien, Israel, Marokko, die Schweiz, Argentinien, Kanada und Mexiko beteiligt.


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Kommentare

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Rochlitz, Sonntag, 03.März, 10:19 Uhr

4.

Woran erkennt man, welches Systeme (GOS, GLONASS, BAIDU, GALILEO) das Telefon des Anwenders nutzt?

Anmerkung der Redaktion:
Sie müssten diese Information bei ihrem Hersteller erfragen können, auch in vielen Handy-Tests ist das angegeben. Dieser Kommentar wurde von der BR-Redaktion entsprechend unseren
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Marco Viale , Sonntag, 20.Januar, 19:41 Uhr

3. Einsatz

Mich würde interessieren ob es unabhängig von GPS funktioniert und ab wann man es mobil nutzen kann.

Reiner Schmidt, Mittwoch, 26.Dezember, 13:56 Uhr

2. Navigationsgerät mit Galileo

Nachdem mein Navigationsgerät nicht mehr mit neuer Karte geladen werden kann, da die Fa. Becker Konkurs angemeldet hat, steht die Frage welche Navigationsgeräte heute mit dem Galileo System ausgerüstete sind.

Renate E., Donnerstag, 26.Juli, 14:14 Uhr

1. Beitrag 1.

Schade, dass zu den Minenräumern kein Blog geschaltet ist. Wollte einfach mal meine Hochachtung für deren gefährliche Tätigkeit los werden. Also, wenn es hier auch nicht passt - Chapeau und herzlichen Dank an diese Mutigen!