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Nachfolger von Weltraumteleskop Kepler TESS geht auf die Jagd nach Exoplaneten

Das Weltraumteleskop TESS ist erfolgreich ins All gestartet. Von seinem Vorgänger Kepler übernimmt es die Aufgabe, nach Exoplaneten zu suchen. TESS soll aber in einem wesentlich größeren Gebiet als Kepler Planeten aufspüren.

Stand: 19.04.2018

Exoplaneten-Jäger: das NASA-Weltraumteleskop TESS | Bild: NASA

Am 19. April um 00:51 Uhr MESZ hob das Weltraumteleskop TESS (Transiting Exoplanet Survey Satellite) vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida an Bord einer Falcon-9-Rakete ab. Ein Novum, denn zum ersten Mal nahm die NASA die Dienste der privaten Raumfahrtfirma SpaceX auch für eine wissenschaftliche Mission in Anspruch. Bislang hatte die Firma mit ihrem Dragon-Frachter für die NASA Nachschub zur Internationalen Raumstation ISS geschickt.

TESS ersetzt Kepler

TESS soll seinen Vorgänger Kepler ersetzen und auf die Jagd nach Exoplaneten gehen. Kepler hat in rund neun Jahren im All Hinweise auf tausende mögliche Planeten außerhalb unseres Sonnensystems gefunden. Mehr als 3.500 haben sich tatsächlich als Exoplaneten herausgestellt. Doch in nur wenigen Monaten ist der Tank des altbewährten Teleskops leer und TESS soll die Planetensuche übernehmen.

TESS ist ungefähr so groß wie ein Kühlschrank und hat vier Zehn-Zentimeter-Teleskope. "In der Falcon-9-Rakete sieht es aus wie ein Spielzeug", sagte George Ricker, Chef der Mission, die rund 200 Millionen Dollar kostet und zunächst auf zwei Jahre angelegt ist.

"TESS wird uns viel Spaß bringen. Es gibt 20 Millionen Sterne, die wir uns anschauen können."

 George Ricker, NASA-Missionschef TESS

Transit-Methode beobachtet Lichtschwankungen

Nach dem Start soll es noch rund zwei Monate dauern, bis TESS in der geplanten Umlaufbahn ist und mit dem Sammeln von Daten beginnen kann. Das neue Weltraumteleskop arbeitet wie Kepler mit der sogenannten Transit-Methode. Dabei werden minimale Helligkeitsschwankungen gemessen. Denn ein Planet, der aus Sicht der Erde an einem Stern – auch wenn dieser weit entfernt ist – vorbeizieht, dunkelt ihn, wenn auch nur schwach, ab. Diese minimale Lichtschwankung registriert TESS und sie gibt den Fachleuten Hinweise auf die Existenz und Größe der Planeten.

Kleinere Teleskope – größeres Sichtfeld

Soll Exoplaneten ausfindig machen: Weltraumteleskop TESS

TESS könne sowohl kleine steinige Planeten als auch riesige Himmelskörper finden – und soll insgesamt ein 16-mal größeres Gebiet beobachten als sein Vorgänger, so die NASA. Mit seinen vier Einzelteleskopen wird TESS ein Sichtfeld von 24 mal 96 Grad abdecken. Jedes ist ein Zehn-Zentimeter-Teleskop und entspricht damit nur einem Zehntel von Keplers Spiegeldurchmesser. Doch das kleinere Teleskop ermöglicht ein breiteres Sichtfeld: Jede Kamera von TESS beobachtet fast sechsmal so viel Raumfläche wie Kepler. Um insgesamt etwa 90 Prozent der Himmelssphäre zu durchforsten, wird während der geplanten Dauer der Mission jeden Monat eines von insgesamt 26 sich teilweise überlappenden Segmenten beobachtet.

TESS soll erdnahe Sterne beobachten

Während Kepler viele sehr weit entfernte Planeten entdeckt hat, soll TESS vor allem helle, erdnahe Sterne aufspüren, so die NASA. Die Sterne, die TESS ins Visier nimmt, werden 30- bis 100-mal heller sein als die, die Kepler untersuchte. Deshalb, so die NASA, sollten sich auch weitergehende Erkundungen einfacher gestalten. Mit den Daten sollen die Masse, Dichte, Größe und Umlaufbahn vieler kleiner Sterne berechnet werden können. So erhofft sich die Weltraumbehörde Informationen über rund 500 erdgroße Planeten von Sternen innerhalb einer Entfernung von 300 Lichtjahren. "Ich freue mich darauf, endlich Daten zu sehen", so Missionschef Ricker. Zudem könnte TESS möglicherweise Aufschlüsse über das Explodieren von Sternen in sogenannten Supernovae liefern.

Weltraumteleskope auf der Jagd nach Exoplaneten

Auf Planetenjagd geht inzwischen eine ganze Flotte von Teleskopen und Satelliten: So sind die bereits vor Jahrzehnten gestarteten NASA-Teleskope Spitzer und Hubble noch im Weltall unterwegs, auch wenn ihre Daten nur eingeschränkt brauchbar sind. Die Europäische Raumfahrtagentur ESA will ihren Satelliten Cheops, der ebenfalls nach Exoplaneten suchen soll, noch 2018 starten. Dagegen startet das James Webb-Teleskop der NASA, wie vor Kurzem angekündigt, frühestens im Mai 2020. Damit wurde der Start zum wiederholten Male verschoben, weil weitere Tests notwendig geworden seien, so die NASA. James Webb soll unter anderem dazu genutzt werden, die von TESS gefundenen Planeten und Systeme noch genauer und detaillierter zu untersuchen.


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Kommentare

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Loewe52, Montag, 16.April, 17:08 Uhr

1. Exoplaneten

Wieso geben wir Milliarden dafür aus Lichtjahre zu erkunden, wenn wir noch nicht mal in der Lage sind, Lichtmonate mit gesunder Rückkehr zu überwinden? Ob die Antriebe sich selbst in ferner Zukunft so rasant entwickeln werden, ( siehe Stand heute: Raketen!)
ist mehr als zweifelhaft. Oder gibt es bereits eine Neuauflage von George Orwell´s 1986?