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Die Weihrauchstraße Wichtigster antiker Handelsweg neben der Seidenstraße

Jahrtausendelang war es ein gut gehütetes Geheimnis, woher genau orientalische Händler Weihrauch und Myrrhe bezogen. Zwei Heilpflanzen, die in der Antike Gold wert waren. Inzwischen weiß man, dass Karawanen sie über die Weihrauchstraße ans Mittelmeer brachten.

Stand: 21.12.2017

Weihrauchbaum | Bild: picture alliance/Mary Evans Picture Library

Die Weihrauchstraße war neben der Seidenstraße einer der wichtigsten Handelswege der Antike. Auf der Arabischen Halbinsel kreuzten sich ihre Wege. Nicht in den Hauptrouten, aber in den vielen Nebenrouten, die die Halbinsel wie ein feines Netz in alle Himmelsrichtungen durchzogen. Es wurde sowohl importiert wie exportiert: Heilpflanzen, Lebensmittel, Stoffe, Pferde, Porzellan - auf manchen Routen auch Sklaven. Der rege Fernhandel machte viele (Hafen-)Städte reich. Drehkreuz im Westen war die Stadt Alexandria, im Osten waren es Seleukia und Babylon, später Bagdad.

Weihrauch auf Haupt- und Nebenstraßen

53 bis 72 Tage brauchten die schwer bepackten Zucht-Kamele, um Weihrauch, Myrrhe und andere Güter vom Oman und Jemen über Saudi-Arabien (Najran, Mekka) nach Jordanien (Petra) und weiter nach Ägypten (Alexandria) oder Syrien (Damaskus) zu transportieren. Eine der Hauptrouten der Weihrauchstraße. Eine andere Route führte über Najran durch die Wüste Rub al-Khali zum Persischen Golf nach Babylon. Oasen waren die antiken Tankstellen für Ross und Reiter.

Die Arabische Halbinsel - ein antikes Handelszentrum

Die Wikinger im Morgenland

Byzantinische und islamische Münzen - gefunden in einem Wikingergrab in Schweden

Durch archäologische Funde lässt sich nachweisen, dass seit Anfang des 9. Jahrhunderts auch die Wikinger die orientalischen Handelswege nutzten: Auf der schwedischen Insel Gotland werden immer wieder Schätze gefunden, die große Mengen orientalischer Münzen enthalten. In Gräbern in ganz Skandinavien wurden zudem feine Seidenstoffe aus Syrien, Byzanz und China entdeckt. Doch die Wilden aus dem Norden kauften nicht nur ein, sie verkauften auch, zum Beispiel Wachs, Bernstein, Honig und Schwerter, die im Orient für Aufsehen sorgten. Sie kamen über Finnland, Russland und entlang der Flüße Oder, Newa, Wolga und Dnjepr.

Schiff statt Kamel

Die Seewege gewannen zunehmend an Bedeutung. Mit Schiffen konnte man mehr Ware billiger transportieren und war sicher vor einer "Razzia":

"Man musste Stammesterritorien von anderen beduinischen Stämmen durchqueren und da war es durchaus üblich, dass man von Seiten der jeweils dort lebenden Beduinen seinen Lebensunterhalt durch Überfälle aufgebessert hat. Auf arabisch heißt das 'Razzu', 'Razzia' stammt auch von dieser Bezeichnung. Das war dann auch die Situation, bei denen die kleinen schnellen Araberpferde eingesetzt worden sind. Dementsprechend war es wichtig, dass man eine beduinische Streitmacht mit dabei hatte, die dann solchen Überfällen entgegentreten konnte."

Professor Günther Meyer, Kulturgeograph an der Johannes-Gutenberg Universität Mainz, erforschte den Verlauf der Weihrauchstraße

Der Weihrauch-Hafen Al Baleed

Hafenstädte, die an den Handelswegen lagen, florierten. Zum Beispiel Al Baleed. Bis ins 9. Jahrhundert war die antike Stadt in der südlichsten Provinz des Oman ein Fischerdorf und entwickelte sich dann zum wichtigsten Hafen am Arabischen Meer.

"Da wurde der gesamte Orienthandel, das heißt der Handel aus Indien, der Gewürzhandel aus Südostasien, auch der Seidenhandel mit über die Weihrauchstraße abgewickelt. Sodass hier zu bestimmten Zeiten, jahrhundertelang, die wichtigste Handelsstraße zwischen den Gebieten in Südostasien, wo die kostbarsten Güter herkamen - Seide, Gewürze einschließlich Weihrauch aus Südarabien - transportiert worden sind. Das heißt also, wir haben hier nicht nur den Transport von Weihrauch, sondern wir haben hier in der Tat die wichtigste Handelsverbindung zwischen Südostasien und dem östlichen Mittelmeerraum. Und von dort weitergehend über die Handelskontore in Genua, Venedig, bis nach Nordeuropa, bis nach Mitteleuropa hinein."

Prof. Günther Meyer

Al Baleed - heute eine Ausgrabungsstätte und Unesco Weltkulturerbe

Auch Marco Polo soll 1270 in Al Baleed beeindruckt vom geschäftigen Hafen gewesen sein. Allerdings ist es unter Historikern umstritten, ob Marco Polos Reiseberichte stimmen. Ende des 15. Jahrhunderts verlor Al Baleed an Bedeutung, weil Portugal und andere europäische Handelsnationen in den Weltmarkt eingriffen: 1497 entdeckte der portugiesische Seefahrer Vasco da Gama den Seeweg nach Indien - und Portugal kontrollierte Jahrhunderte lang die Seewege der Gewürzstraße. Sie zerstörten jedes Schiff, dass ihnen auf dem Weg nach China in die Quere kam.

Beweis aus dem All

Röntgenblick durch den Sand

Im Oman kann man noch Spuren von der Weihrauchstraße sehen - aus dem All! Auf Englisch:

Auf Nasa-Aufnahmen aus dem All entdeckte der US-amerikanische Archäologe Juris Zarins, dass die Spuren der alten Karawanenwege noch sichtbar sind. Nun will er herausfinden, wann die antiken Städte im Oman an Macht verloren und die arabisch-islamische Welt das Steuer übernahm.

"Wir wissen von den Satellitenfotos, dass es Routen durch die [Wüste] Rub al Khali, das leere Viertel gab. Sie verbanden Ost-Arabien mit dem Süd-Irak und Iran. Es gab einen lebhaften Handel mit Pferden. Sie wurden in Karawanen zu hunderten in den Dhofar [eine Region im Südoman] gebracht. Von den Häfen verschifften Händler sie nach Indien. Pferde waren ein Exportschlager."

Juris Zarins, US-amerikanischer Archäologe, Missouri State University

Weihrauch - Harz und Pflanze

Herkunft

Weihrauch ist ein Harz

Weihrauch ist das Harz des Weihrauchbaums (arabischer Weihrauch: Boswellia sacra). Es entsteht, wenn man die Baumrinde anritzt. Saft tritt aus und erstarrt zu Tropfen, die eingesammelt werden.

Der Weihrauchbaum wächst nur in drei Regionen der Erde: in Trockengebieten um das Horn von Afrika (Somalia, Äthiopien, Eritrea, Sudan), in Arabien (Region Dhofar im Süd-Oman und Region Hadramaut im Jemen) sowie in Indien.

Geheimnis

Ein gut gehütetes Geheimnis

Weihrauch gibt es in unterschiedlichen Qualitäten. Je heller die Farbe des Harzes, desto hochwertiger ist der Weihrauch. Der hochwertigste Weihrauch kommt aus dem Oman und dem Jemen, was bis ins Mittelalter erfolgreich verheimlicht wurde.

"Die Araber haben in der Antike großen Wert draufgelegt, dass die Produktionsgebiete des Weihrauchs nicht bekannt wurden. Die berühmteste Expedition, die wir in der Richtung haben, in der Zeit etwa 15. Jh vor Christi, ist die Expedition, die von der ägyptischen Pharaonin Hatschepsut ausgeschickt wurde. Eine riesige Flotte, die die Weihrauchgründe erkunden sollte."
Prof. Günther Meyer, Kulturgeograph, Johannes-Gutenberg Universität Mainz

Besitzer

Weihrauchbäume werden vererbt

In den arabischen Anbaugebieten sind Weihrauchbäume Privatbesitz. Sie gehören den Großfamilien und werden nur an männliche Nachkommen vererbt. Das zeigt wie kostbar die Bäume für die Besitzer sind. Würden sie auch an die weiblichen Nachkommen weitergegeben, ginge der kostbare Besitz durch eine Heirat in einen anderen Stamm verloren.

Verwendung

Kult, Heilmittel, Körperpflege

Mit Weihrauch wurde im alten Ägypten Pharaonen mumifiziert. In verschiedenen Religionen weltweit wurde und wird Weihrauch in Zeremonien eingesetzt. Im Orient dient Weihrauch als Heilmittel gegen Husten und Magen-Darm-Beschwerden. Im Westen wird erforscht, ob Weihrauch auch gegen chronisch entzündliche Erkrankungen wie Morbus Crohn, Colitis ulcerosa sowie Polyarthritis, Asthma und bestimmte Krebsarten wirkt. Bisher gibt es keine belastbaren Beweise dafür.

Auch zur Körperpflege wird Weihrauch eingesetzt. Im Oman beispielsweise parfümiert man Kleider, Haare und Bärte damit, indem man diese über Räucherbrenner aus Ton hält.

Mehr zum Thema

  • Weihrauch - Die Sprache der Götter: 11.01.2017, 15.05 Uhr, radioWissen, Bayern 2.
  • Weihrauch - Die Sprache der Götter: 22.12.2017, 9.05 Uhr, radioWissen, Bayern 2.

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