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Rekordhitze Wenn es sogar Fischen zu warm wird

Der diesjährige Sommer scheint alle Hitze- und Dürrerekorde zu brechen. Viele Menschen kämpfen mit den Temperaturen, aber auch Tiere in der freien Natur haben es nicht leicht. Selbst wenn sie im Wasser wohnen.

Stand: 01.08.2018

Bachforelle in der Isen in Bayern mit leuchtenden roten und schwarzen Punkten. Wegen der Hitzewelle machen sich Ökologen und Fischer Sorgen um das Überleben der Forellen und anderer Wassertiere. | Bild: picture alliance / blickwinkel / A. Hartl

Wenn es so heiß ist, wie diesen Sommer, dann wollen viele nur noch ins Freibad oder den Badesee. Im Wasser lässt sich die Hitze besser aushalten. Zumindest für uns Menschen. Viele Fische finden das mittlerweile gar nicht mehr so kühle Wasser nämlich eher unangenehm.

"Die Forellenartigen sind dabei am empfindlichsten, denn die wollen im Sommer kühles Wasser, das ist aber rar geworden."

Roland Paravicini, Fischerei-Beratung des Bezirks Schwaben

Bei hohen Temperaturen kann Wasser weniger Sauerstoff aufnehmen: Im Vergleich zu zehn Grad Wassertemperatur hat Wasser bei 28 Grad nur noch ein gutes Drittel seines Sauerstoffgehalts, erklärt der Gewässerökologe Christian Wolter vom Berliner Leibnitz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei.

Fischen fehlt der Sauerstoff

Dennoch können die meisten Fische Temperaturen bis um die 30 Grad im Wasser aushalten. Dazu fahren sie ihren Stoffwechsel herunter und werden inaktiver. Probleme bekämen sie meist erst nach einem starken Regenschauer, wenn zusätzlich Dreck in die Gewässer gespült werde und der Sauerstoffgehalt noch weiter senke, so Wolter. Dabei komme es auch auf die Fischart an. Wels, Karpfen und Rotfeder mögen wärmeres Wasser. Quappen dagegen hätten damit ein Problem.

Der Bund Naturschutz (BUND) sieht das kritischer. Spätestens ab 28 Grad Wassertemperatur sei mit Schädigungen in der Gewässerbiologie zu rechnen. Das ganze Ausmaß der Hitzewelle könnte sich sogar erst nächstes Jahr zeigen. Denn bei den hohen Temperaturen entwickele sich der Fischlaich nicht gut und so falle die nächste Generation möglicherweise gleich mit aus, so der BUND.

Sorgen macht den Umweltschützern auch, dass erwachsene Fische sich in kühleres Wasser flussaufwärts zurückziehen könnten. Das könnte ihr Paarungsverhalten und das Ablaichen an sich stören, weil die Fische dann zur Unzeit ihre Laichgründe erreichten, so der BUND.

Hilfe nur begrenzt möglich

Leider können Ökologen kaum etwas tun, um den Fischen und anderen Wasserbewohnern in der Hitzewelle beizustehen. In Bayern bräuchte es mindestens drei Tage Landregen, dann würde sich die Lage erst entspannen, so Gewässerökologe Wolter. Nur kleinräumig kann menschliche Hilfe sinnvoll sein: Im Landkreis Dillingen zum Beispel pumpt das Technische Hilfswerk nachts Trinkwasser in den Nebelbach bei Lutzingen. So wird der Bach vor dem Austrocknen gerettet, das ist überlebensnotwendig für die seltene Bachmuschel, die hier lebt.

"In Teichanlagen dagegen haben die Besitzer Möglichkeiten, durch Belüftung künstlich Sauerstoff über die Luft hineinzubringen, teilweise auch Flüssigsauerstoff zu verwenden. In der Forellenzucht geht das nur begrenzt, weil eben die Forellen ab 24 Grad ganz, ganz massive Probleme bekommen."

Roland Paravicini, Fischerei-Beratung des Bezirks Schwaben


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