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Wasserschutzgebiete Kühl und rein soll es sein

Rein soll es durch unsere Kehlen rinnen, Bayerns Trinkwasser. Doch von ganz alleine bleibt es nicht so sauber, wie es ist: Wo der Mensch ist, ist auch sein Schmutz. Und wo das Trinkwasser ist, ist daher oft ein Wasserschutzgebiet.

Stand: 21.03.2017

Straßenschild für ein Wasserschutzgebiet | Bild: picture-alliance/dpa

Der größte Teil unseres Trinkwassers wird in Bayern dem Grundwasser entnommen. Der allgemeine Grundwasserschutz soll dafür sorgen, dass insgesamt möglichst wenig Giftstoffe oder Düngemittel in unser Wasser gelangen. Überall dort, wo über Brunnen und Quellen Wasser entnommen wird, gilt ein verstärkter Schutz, um jegliche Verunreinigung zu verhindern: 4,5 Prozent der Fläche Bayerns sind Trinkwasserschutzgebiete.

Wasserschutzgebiete in Bayern

Wovor das Grundwasser geschützt werden muss, ist buchstäblich der menschliche Einfluss: Was auch immer wir an Stoffen in den Umlauf bringen - ob Dünger, Abgase, Altöl - kann über Regen und Abwasser ins Grundwasser sickern. Bayerns Boden wird mit vielem fertig, die Natur selbst reinigt das Sickerwasser von organischem Material. Doch dafür braucht sie Zeit. Drei verschiedene Zonen in einem Wasserschutzgebiet sollen ihr genau die verschaffen. Und dem Menschen, um auch bei einem Unfall noch rechtzeitig eine Verschmutzung des Trinkwassers verhindern zu können.

Drei Schutzzonen um die Quelle

Die Schutzzonen eines Wasserschutzgebiets

Direkt um die Quelle liegt die Schutzzone I, mit einem Radius von etwa zehn Metern. Jegliche Nutzung dieses Areals ist untersagt, meist sperrt ein Zaun die Schutzzone ab. Darum herum erstreckt sich die Schutzzone II mit strengen Nutzungsauflagen. Hier ist beispielsweise das Beweiden der Wiesen genauso verboten wie Gülledüngung. Es dürfen keine Leitungen verlaufen oder Straßen asphaltiert werden, keine Tanks stehen und es darf nicht gebaut werden. Denn das Regenwasser, das durch diese Zone sickert, landet unmittelbar in der Quelle - mit allem, was es mit sich schwemmt.

Fünfzig Tage zum Reinigen

Die Größe der Schutzzone II ergibt sich aus dem Untergrund: Das Grundwasser muss vom Rand der Schutzzone bis zur Quelle fünfzig Tage unterwegs sein. In dieser Frist kann der Boden organische Verunreinigungen bewältigen. Das bedeutet, dass in Gegenden mit sehr lockerem, durchlässigem Boden die Schutzzone deutlich größer sein muss als etwa bei dichtem Lehmboden.

Die große Schutzzone vor Chemikalien

Ein Unfall betrifft auch das Grundwasser

Die Schutzzone III umfasst das gesamte Einzugsgebiet für die Quelle und kann je nach Bodenbeschaffenheit sehr groß sein. Reinigt der Boden sehr gut, reicht manchmal schon ein Schutzgebiet von einem Hektar (0,01 Quadratkilometer). Bei sehr ungünstigen Böden kann diese Schutzzone aber auch hundert Quadratkilometer umfassen. Sie soll das Trinkwasser vor allem vor Chemikalien schützen. Hier ist der Transport wassergefährdender Stoffe generell verboten, ihre Lagerung unterliegt strengen Auflagen. Straßen müssen spezielle Leitplanken und Regenwasserentsorgung haben, damit Verunreinigungen nicht in den Boden gelangen. Düngung und Pflanzenschutz sind streng geregelt, Beweidung nur möglich, wenn die Grasnarbe nicht verletzt wird. Beim Bau muss genügend Abstand zum Grundwasser gehalten werden, Kanäle und Tanks werden häufiger geprüft. Kläranlagen, Mülldeponien oder Rohstoffabbau sind in der Zone III gar nicht erlaubt.

Konfliktfeld Wasserschutzgebiet

Offenkundig, dass diese Regelungen nicht immer zur Freude derer sind, die im Wasserschutzgebiet leben. Für Bayerns Umweltamt ist die Sache klar:

"Die üblichen Auflagen einer Schutzgebietsverordnung führen nicht zu einer Enteignung. Das Grundgesetzt bestimmt, dass Eigentum auch verpflichtet: 'Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohl der Allgemeinheit dienen'. Die öffentliche Trinkwasserversorgung dient dem Wohl der Allgemeinheit."

Bayerisches Landesamt für Wasserwirtschaft (heute Bayerisches Landesamt für Umwelt)

Doch der Landwirt, der seine Weide nur noch als Mahdwiese nutzen kann, während seine Kühe im Stall bleiben, sieht das meist anders. Ein ökonomischer Schaden soll ihm zwar nicht entstehen, den müssen die Wasserversorger finanziell ausgleichen. Dazu muss jeder Landwirt im Wasserschutzgebiet mit dem jeweiligen Wasserversorger einen Vertrag schließen. Dient das Wasser aus dem Schutzgebiet der eigenen Trinkwasserversorgung, ist wohl das Verständnis noch groß. Doch manchmal löscht das geschützte Wasser den großen Durst ganz anderer:

Alpenwasser in Münchner Kehlen

Münchens Trinkwasser

Münchens Frauenkirche

Frisch, rein und wohlschmeckend - so fließt das Münchner Wasser täglich aus den Leitungen. Trinkwasser von herausragender Qualität, werben die Stadtwerke zu Recht. Doch wissen Sie eigentlich, was der Münchner da so täglich in sich hinein- und die Abwasserleitungen hinunterkippt?

Alpines Labsal

Die Stadtväter beschlossen früh in weiser Voraussicht, das Wasser für München von weither zu holen: 1883 wurde die erste Wasserleitung aus dem Mangfalltal fertiggestellt. Seither laben sich die Münchner an frischem Quellwasser aus den Alpen, das Tropfen für Tropfen 40 Kilometer bis in die Stadt zurücklegt.

Vom Berg in die Badewanne

Achtzig Prozent des Münchner Leitungswassers kommen aus dem Mangfalltal. Seit den 1950er-Jahren speist dazu noch Grundwasser aus dem Loisachtal die Münchner Leitungen. Besonderes Schmankerl für München ist, dass das Wasser durch das Gefälle der Berge mit solch hohem Druck in die Stadt fließt, dass es völlig ohne Pumpen auch noch zu jeder Badewanne in den dritten Stock gelangt.

Literweise Luxus

Wenn es im Sommer besonders heiß und trocken wird, löscht zusätzlich Grundwasser aus der großen Schotterebene nordöstlich von München den Durst der Städter. Und München ist durstig: Hundert Milliarden Liter Wasser rauschen jedes Jahr durch ein Netz von Leitungen, das über 3.000 Kilometer lang ist. Und jeder Tropfen davon ist von hoher Qualität - ein schier unglaublicher Luxus.

Des einen Freud' ...

Wer Wasser braucht, verbraucht es auch. Nicht umsonst holt sich München das Wasser anderswo: Die Qualität des "eigenen" Grundwassers unter der Stadt ist längst nicht so gut. Doch während der Münchner das leckere Alpenwasser genießt, sorgt der Durst der Städter in der Ferne nicht nur für Freude: Dort nämlich, wo strenge Auflagen zum Schutz des Wassers wirken - in den Wasserschutzgebieten.

... ist des anderen Leid

So klagt etwa die Gemeinde Valley an der Mangfall darüber, dass ihre Bauern die Kühe nicht mehr auf die Weiden treiben dürfen. Neubauten sind verboten und selbst der Friedhof darf nicht mehr erweitert werden. Die Gemeinde fürchtet, dass es ihr einst ergehen könnte wie dem Nachbarn Thalham: Wo einst Bauernhöfe standen, ist jetzt nur mehr eine grüne Wiese zu sehen: eine Wasserschutzzone.

"Scho recht"

... denkt sich der Münchner morgens beim Zähneputzen, "Wasser ist ein kostbares Gut und muss geschützt werden!" Und dreht zwischendurch hoffentlich den Wasserhahn zu. Denn wer weiß, wie lange die paradiesischen Zustände in Bayern anhalten. Der Klimawandel hat die Alpen längst erreicht. Die Gletscher schwinden. Und wer weiß, wie viel Wasser die Mangfall noch hinunterplätschert.


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