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Pro und Kontra Soll man am Wasser sparen?

Wasser sparen, das klingt umweltbewusst. Doch keine Meinung ohne Gegenmeinung - das gilt auch für den Wasserverbrauch. Soll man hierzulande überhaupt am Wasser sparen? Und wenn ja, an welchem?

Stand: 21.03.2017

Wasser rinnt aus einem Wasserhahn | Bild: colourbox.com

Laut Studien der zuständigen EU-Kommission bräuchten die öffentlichen Wasserversorgungsunternehmen fast ein Fünftel weniger Wasser bereitzustellen, wenn die Verbraucher Europas wassersparende Waschmaschinen, Geschirrspüler und ähnliche Geräte benutzen müssten. An einer Richtlinie, die die Europäer zum Wassersparen verpflichten soll, wird bereits gearbeitet - nicht jeder ist darüber glücklich:

Wasser sparen?

"Das ist vielleicht ein generelles Problem der Europäischen Union, dass wir verschiedene Regionen in der EU haben. Sicherlich gibt es viele Länder, in denen man aufs Wassersparen stärker achten muss als in Bayern ... Für uns ist es wichtig, dass die Ressource Wasser nicht verschmutzt wird. Das ist unser höchstes Anliegen ... Dass jeder Verbraucher dringend darauf achtet, wie viel Kubikmeter er im Jahr verbraucht, das ist eigentlich nicht notwendig. Wir haben keine Wasserarmut in Bayern."

Detlef Fischer, Geschäftsführer des Verbandes der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft (VBEW), München

Wasser sparen!

"Wir sind der Meinung, wir sollten weitersparen. Das Grundwasser ist ja auch gefährdet durch die Art und Weise, wie wir lange Jahre Landwirtschaft betrieben haben und noch betreiben, nämlich mit viel Düngemitteln und Pflanzenschutzmitteln. Und diese sammeln sich im Grundwasser an. Und wenn das saubere Wasser im Grundwasserleiter aufgebraucht ist, kommt irgendwann das verschmutzte und belastete Wasser an, und das muss sehr kostspielig aufbereitet werden."

Renate Schwäricke, Sprecherin des Arbeitskreises Wasser im Bund Naturschutz Bayern

Energie sparen!

"Es ist weiter ökologisch sinnvoll, sparsam und bewusst mit Wasser umzugehen. Insbesondere mit Warmwasser: Es ist sehr energieaufwändig, Wasser zu erwärmen. Etwa ein Drittel des Wasserverbrauchs wird erwärmt, bei der Körperpflege: Baden, Duschen - damit sollte man schon bewusst und sparsam umgehen, im Sinne des Klimaschutzes. Hinzu kommt, dass das Wasser, das durch die Netze fließt, mit Energie reingepumpt wird. Wenn weniger Wasser verbraucht wird, wird auch weniger Energie benötigt."

Matthias Zeuner-Hanning, Verbraucherzentrale Bayern

Kläranlagen oft auf Maximalbedarf ausgelegt

Ein anderes Problem betrifft Kläranlagen und Kanalisationssysteme: Sind die Kapazitäten der Anlagen zu groß, fließt zu wenig Abwasser. Das klingt erst einmal paradox, aber weil zu wenig Wasser bewegt wird, lässt das unter Umständen die Abwasserleitungen verschlammen. Dann muss "nachgespült" werden, erklärte Martin Geiger, Wasserexperte des WWF, dem Bayerischen Rundfunk.

Das sei aber nicht unbedingt in jedem Fall der Weisheit letzter Schluss, so Geiger. Vorstellbar ist auch, schmalere Rohre innerhalb der betroffenen, großen Rohrleitungen zu verlegen und so das System dem tatsächlichen Bedarf anzupassen. Betroffen von diesem Phänomen sind vor allem strukturschwache Regionen und Abwanderungsgebiete. Dazu gehören viele Gebiete in Ostdeutschland, aber auch einige Regionen Frankens.

Spar-Tipps für den Haushalt

Bad & WC

Die Toilettenspülung verbraucht das meiste Wasser im Haushalt. Nutzen Sie immer die Spartaste am Spülkasten. Haben Sie eine Spülung ohne Spartaste, lassen Sie einen Wasser-Stopp einbauen.

Beim Zähneputzen und Einseifen: Wasserhahn abstellen. Bei jedem Mal Zähneputzen fließen sonst zehn Liter Wasser davon - im Jahr mehr als 3.500 Liter.

Duschen statt baden. Zusätzlich kann man einen Sparduschkopf einbauen, der den Wasserverbrauch um ein Drittel bis zur Hälfte senkt - und die Energiekosten für das ersparte warme Wasser gleich mit.

Armaturen

Undichte Spülkästen und tropfende Wasserhähne unbedingt reparieren lassen. Durch einen lecken Wasserhahn kann man bis zu sechs Liter Wasser am Tag und etwa 200 Liter im Monat vergeuden.

Nutzen Sie Einhandmischer oder Elektronikarmaturen. Bei alten Wasserhähnen geht beim Mischen von kaltem und warmem Wasser viel Wasser verloren.

Küche & Haushalt

Wenn Sie Geschirr per Hand spülen, dann nicht unter fließendem Wasser, sondern in einer Schüssel. Bekommen Sie genug Geschirr für eine Geschirrspülladung zusammen, dann lohnt sich die Anschaffung einer Spülmaschine.


Wasch- und Geschirrspülmaschine nur mit voller Ladung laufen lassen.

Achten Sie beim Kauf neuer Haushaltsgeräte auf deren Wasserverbrauch.

Garten & Auto

Autos müssen nicht jede Woche in die Waschanlage. Tragen diese das Siegel des "Blauen Engel", wird in den Anlagen Waschwasser mehrfach benutzt. Putzen Sie selbst, dann am besten mit Eimer, Bürste und wenig Wasser.

Wer einen Garten besitzt, sollte den Rasen nicht jede Woche mähen. Sonst trocknet er schneller aus und muss öfter bewässert werden.

Für die Klospülung und die Gartenbewässerung kann man - soweit vorhanden - auch Regenwasser verwenden.

An der Wasserverschmutzung sparen!

Viel wichtiger als die Frage, wieviel Wasser Sie durch Abfluss und Spülung jagen, ist die Frage: Was spülen Sie mit dem Wasser davon? Denn "verbraucht" im eigentlichen Wortsinn wird unser Wasser nicht. Wir verschmutzen es - und müssen es anschließend wieder reinigen. Am Ende der langen Entsorgungskette landet es wieder im natürlichen Wasserkreislauf: In unseren Flüssen und letztlich auch im Grundwasser. Und dort landet auch alles, was Klärwerke nicht aus dem Wasser filtern können.

Hier können Sie sparen!

Fußabdruck im Sand an einem Strand | Bild: picture-alliance/dpa zum Video mit Informationen Unser großer Wasser-Fußabdruck Wo virtuelles Wasser fließt

Das Wasser aus dem Hahn ist in unserem Verbrauch buchstäblich nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Das meiste Wasser verbrauchen wir, ohne je sein Rauschen zu hören: als virtuelles Wasser in Waren, die wir importieren. [mehr]

Alles mit Maß

Unterm Strich braucht man kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn es hin und wieder ein paar Liter Wasser mehr sind, die bei uns durch die Leitung fließen. Ob die Dusche jedoch jedes Mal zehn Minuten laufen muss, steht wieder auf einem anderen Blatt. Fazit: Mit etwas gesundem Menschenverstand macht man bereits vieles richtig.


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