Wissen


10

Globaler Wasserverbrauch Wir importieren Dürren nach Deutschland

Was das Wasser angeht, haben wir in Deutschland wenig zu klagen. Bäche, Flüsse und Grundwasserspeicher sind meistens gut gefüllt. Doch die globale Wasserkrise trifft uns auch hierzulande, sagt nun der WWF, und zwar über Importe.

Stand: 28.08.2014

Dürre in China | Bild: picture-alliance/dpa

Deutschland ist weltweit das drittgrößte Importland: Nahrungsmittel, Kleidung oder Rohstoffe - vieles davon lassen wir uns aus anderen Ländern einfliegen. Eine Studie des World Wildlife Found (WWF) sieht darin ein großes Problem.

Denn viele unserer Importgüter werden in Regionen der Welt hergestellt, die von aktuem Wassermangel bedroht sind. So könnte Wassermangel mittelfristig auch unserer Wirtschaft schaden - obwohl Deutschland selbst kein Wassermangelgebiet ist.

Weltwasserwoche in Stockholm

Was hat Wasser mit Energieträgern zu tun und warum sind beide wichtig für nachhaltiges Wirtschaften? Darüber und über andere Themen rund um Wasser diskutieren ab 31. August 2.500 Politiker, Wirtschaftsführer und Experten in Stockholm auf der 24. Weltwasserwoche.

Milliardenausfälle befürchtet

Viele Unternehmen beschäftigen sich laut WWF überhaupt nicht mit diesem Wasserrisiko. Erst wenn es wegen Missernten zu Engpässen in der Baumwoll- oder Kaffeeproduktion kommt, werde ihnen bewusst, wie verletzlich ihr Geschäftsmodell tatsächlich ist.

Stichwort Wasserrisiko

Der Erfolg eines Unternehmens hängt oft direkt oder indirekt mit dem lokalen Wasserangebot zusammen. Fällt ein Fluss trocken oder überfluten landwirtschaftliche Flächen, kann das sogar existenzbedrohend sein. Der WWF hat darum "Wasserrisiken" definiert. Das können zum Beispiel Verfügbarkeit oder Wasserqualität sein, Gesetze zur Regulierung von Wasserressourcen oder auch das Bild in der Öffentlichkeit, durch das ein Unternehmen einen Imageschaden erlangen kann, weil zum Beispiel eine Fabrik das Wasser verschmutzt.

"Wasser wird lokal immer knapper und dieses Problem betrifft nicht mehr nur Entwicklungsländer und Wüstenregionen. Für die Wasserkrise verantwortlich und zugleich von ihr betroffen sind wichtige deutsche Wirtschaftssektoren, vom Lebensmittelhandel, über die Automobilindustrie bis zur Modebranche."

Philipp Wagnitz, Mitautor der WWF-Studie

Für die Studie hat der WWF unterschiedliche Wirtschaftssektoren mit direktem oder indirektem Wasserrisiko analysiert und Länder mit hohem Wasserrisiko ausgemacht, die für den Warenimport mindestens eines Wirtschaftssektors bedeutend sind.

Länder mit hohem Wasserrisiko

  • China, Bangladesch, Indien: Textil- und Bekleidungsindustrie
  • Russland, Libyen, Südafrika: Rohstoffe und Metalle
  • Äthiopien, Indonesien, Argentinien: Landwirtschaft
  • China, Indien, Marokko: Chemikalien

Aus welchen Regionen wir "Wasser" importieren

Das Wasser wird zur Produktion von Waren verwendet, zum Beispiel in der Landwirtschaft beim Bewässern der Felder. Doch auch an anderen Stellen geht Wasser verloren. Textilien müssen gefärbt werden, Öl- und Gasförderung ist ein regelrechter Wasserfresser: In Raffinerien benötigt man zweieinhalb Liter Wasser, um einen Liter Öl herzustellen. Um ein Liter Öl aus Ölsand zu gewinnen, werden sogar vier bis fünf Liter Wasser verbraucht.

Wasserfußabdruck für landwirtschaftliche Produkte:

  • Tomaten: 200 Liter je kg
  • Orangen: 560 Liter je kg
  • Reis: 2.500 Liter je kg
  • Rind: 15.400 Liter je kg
  • Kaffee: 15.900 Liter je kg

Der WWF fordert, vor Ort nachhaltige Lösungen für das Wasserproblem zu finden, es sei für Unternehmen nicht ausreichend, auf Gebiete auszuweichen, die ein niedrigeres Wasserrisiko hätten.

Fallbeispiele für importiertes Wasserrisiko

Tomaten aus Spanien

Hintergrund

Mit rund 30.000 Hektar Anbaufläche ist Spanien quasi der Gemüsegarten Europas. 70 Prozent des Gemüses und der Früchte werden in Europa verkauft, Tomaten sind das wichtigste Exportgut. Deutschland importierte im Jahr 2013 etwa 180.000 Tonnen Tomaten aus Spanien. Grundsätzlich eignet sich Spanien für den Anbau von Südfrüchten, das Land hat die meisten Sonnenstunden Europas und relativ günstige Arbeitskräfte.

Wasserrisiko

Das Problem der Landwirtschaft in Spanien liegt in der Bewässerung. Fast ganz Süd-Ost-Spanien ist von ihr abhängig, dazu werden meist Grundwasservorkommen angezapft. Das ist zwar grundsätzlich reguliert, doch immer wieder kommt es zu illegaler Nutzung des Wassers. Es werden tiefere Brunnen gebohrt, die weniger Wasser führen oder versalzen und in Küstennähe wird das Meerwasser entsalzt, doch das ist teuer und muss subventioniert werden.

Rechtliche Lage

Der WWF sagt, die Rechtslage in Spanien sei intransparent, Wasserrechte begrenzt oder schon vergeben. Dazu kämen zeitlich gebundene Nutzungsrechte, was zu Übernutzung des Wassers führe. Darüber hinaus werde unzureichend geprüft, wer wann wie viel Grundwasser entnimmt.

Reaktion der Öffentlichkeit

Die Probleme der Region sind vielen Verbrauchern mittlerweile bekannt, Tomaten aus Almeria sind regelrecht verpönt. Auch Medien und Politik beschäftigen sich mit dem Thema.

Das fordert der WWF

Die Wassernutzung auf Betriebsebene soll effektiver gestaltet werden und die andalusische Regierung wird aufgefordert, einen Wasserentnahmeplan zu schaffen. EU-Agrarsubventionen für Betriebe sollten an nachweislich legale Wassernutzung gekoppelt werden.

Schnittblumen aus Kenia

Hintergrund

Kenia ist der wichtigste Blumenlieferant für Europa, zwei Drittel aller verkauften Rosen in Deutschland wurden beispielsweise in Kenia angebaut. Im Jahr 2013 wurden 6.600 Tonnen Blumen und Blüten eingeführt, im Wert von 31 Millionen Euro.

Grundsätzlich eignet sich Kenia für den Anbau von Schnittblumen, es ist gleichmäßig warm mit vielen Sonnenstunden und Niederschlägen das ganze Jahr. Eine Rose, die in Kenia gezüchtet wird, verbraucht weniger Energie als eine Rose aus europäischen Gewächshäusern. Doch der Wasserverbrauch ist dennoch enorm.

Wasserrisiko

Die Produktion von Schnittblumen in Kenia ist nämlich sehr wasserintensiv. Pro Rosenfarm errechnet der WWF einen täglichen Wasserverbrauch von 20.000 Kubikmetern. Für eine einzige Rose werden vier Liter Frischwasser benötigt, der Bedarf wird zum Großteil aus dem Naivashasee gedeckt. Doch der ist auch wichtig für die Bevölkerung in der Umgebung.

Darüber hinaus wird Abwasser aus der Blumenproduktion und der benachbarten Städte ungefiltert in den See eingeleitet.

Rechtliche Lage

Lange Zeit wurde das Wasser des Naivashasees nicht gemanaged, die Blumen-Produzenten und der Staat sprechen sich nicht ab. Gerade in Trockenzeiten kann das zu Problemen führen, weil dann der Wasserstand zurückgeht.

Reaktion der Öffentlichkeit

Nur wenige Menschen in Deutschland wissen, dass die meisten Schnittblumen aus Kenia kommen. Viele vermuten die Niederlande als Hauptlieferant. Die sind aber nur Zwischenhändler.

Forderungen des WWF

Es existieren bereits einige Maßnahmen, um den Blumenanbau in Kenia nachhaltiger zu gestalten. Gerade der Einsatz von Gewächshäusern hilft beim Wassersparen. Doch das reicht noch nicht, der WWF wünscht sich ein effektives Wassermanagement und effiziente Wassernutzung durch Tröpfchenbewässerung, Regenwassernutzung und Wasseraufbereitungsanlangen.

Bergbau in Südafrika

Hintergrund

Südafrika ist mit das wichtigste Bergbauland der Welt. Hier findet man Platin, Gold, Chrom, Steinkohle und andere Industriematerialien. Die Rohstoffbergwerke befinden sich im trockenen Nordosten, hier sind die Wasservorkommen knapp, wie im restlichen Land auch.

Deutschland importiert zahlreiche mineralische Rohstoffe aus Südafrika: Stein- und Braunkohle (2 Millionen Tonnen im Wert von rund 160 Millionen Euro), Metalle (400.000 Tonnen im Wert von 965 Millionen Euro), Gold, Silber und Platinerze (2,7 Millionen Tonnen im Wert von über 700 Millionen Euro).

Wasserrisiko

Um Rohstoffe zu fördern und zu verarbeiten werden große Mengen an Wasser eingesetzt, hauptsächlich zur Kühlung und zur Reduzierung von Staub. Ein Goldbergwerk benötigt zum Beispiel 100.000 bis 140.000 Wasser pro Stunde.

In Südafrika werden täglich für den Bergbau rund 70 Millionen Liter Grundwasser an die Oberfläche gepumpt. Problematisch ist auch das Abwasser aus dem Bergbau.

Rund 6.000 Bergwerke Südafrikas sind nicht mehr in Betrieb. Wenn sie nicht professionell entwässert wurden, kann mit Aluminium, Zink, Uranium oder Radium verschmutztes Wasser zurück in den natürlichen Kreislauf gelangen.

Rechtliche Lage

Schon länger hat die südafrikanische Regierung Reformen verabschiedet, die aber bisher an bürokratischen Hürden scheitern.

Reaktion der Öffentlichkeit

Durch den Konkurrenzkampf der Bergwerksunternehmen um Wasserrechte ist es mittlerweile schon vorgekommen, dass Anteilseigener von Unternehmen zurückziehen, weil ihnen das Risiko zu hoch wird.

Forderungen des WWF

Der WWF fordert Wassermanagement und eine Verbesserung der sozialen Bedingungen der Bergleute und lokalen Gemeinden.

Baumwolle aus Pakistan

Hintergrund

Pakistan produziert jährlich mehr als fünf Millionen Tonnen an Baumwollfasern, die Erntefläche beträgt 2.900 Hektar. Durch den Import von Rohbaumwolle und Baumwollprodukten hinterlässt Deutschland in Pakistan jährlich einen Wasser-Fußabdruck in Höhe von 5,46 Kubikkilometern, das entspricht dem doppelten Fassungsvermögen des Starnberger Sees.

Jeder Deutsche verbraucht im Jahr elf Kilogramm an Bekleidungstextilien.

Wasserrisiko

Der Anbau von Baumwolle ist sehr wasserintensiv. Um ein Kilogramm Baumwolle in Pakistan anzubauen, werden 8.700 Liter Wasser benötigt, häufig aus örtlichen Flüssen. Meist wird dabei das ganze Feld geflutet, eine sehr ineffektive Methode der Bewässerung. Oft wird auch Grundwasser verwendet. Auf dem Weg zum Feld geht auch viel Wasser verloren, es verdunstet oder versickert.

Darüber hinaus werden beim Anbau von Baumwolle viele Pestizide eingesetzt, die später wieder ins Grundwasser gelangen.

Rechtliche Lage

Die staatlichen Behörden sind sich der Probleme bewusst, reagieren aber zu selten mit Gesetzen. Häufig müssen Baumwollbauern ihr Geschäft aufgeben, weil das Wasser nicht ausreicht.

Reaktion der Öffentlichkeit

In der letzten Zeit wurde immer wieder über soziale und ökologische Missstände in der Textilproduktion berichtet.

Forderungen des WWF

Der WWF entwickelt gemeinsam mit großen Firmen wie Adidas, Ikea, Gap oder H&M sowie anderen Nicht-Regierungsorganisationen gemeinsame Standards für eine nachhaltige Baumwollproduktion.

Gerade der Einsatz von modernen Bewässerungssystemen könnte in Pakistan dazu führen, dass viel Wasser gespart wird. Darüber hinaus müssen Wasserrechte transparent vergeben werden.

Phosphor-Erz aus China

Hintergrund

Knapp 20 Prozent der Phosphor-Vorkommen befinden sich in China, da Deutschland kein einziges Phosphat-Erz besitzt, sind wir hierzulande vollständig auf den Import angewiesen.

Phosphor wird für Pflanzendünger und Tierfutter verwendet, Phosphorsäure und Phosphate werden auch als Lebensmittelzusatzstoff eingesetzt, zum Beispiel als Konservierungsstoffe. Cola und Limonaden, bunt gefärbte Lebensmittel und Süßigkeiten wie Gummibärchen werden mit Phosphat hergestellt.

Jährlich importiert Deutschland 500.000 Tonnen an mineralischen Rohstoffen aus China, im Wert von 150 Milliarden Euro.

Wasserrisiko

Die Frischwasservorkommen Chinas sind ungleich verteilt, rund 400 der über 650 chinesischen Großstädte hängen vom Grundwasser ab. Die wachsende Industrie benötigt immer mehr Wasser, so dass in manchen Provinzen mittlerweile Wasserknappheit herrscht. Im Bergbau wird mehr Wasser verbraucht als in der Landwirtschaft, Dürren könnten in Zukunft die Produktion massiv schädigen.

Rechtliche Lage

Seit einiger Zeit versucht die chinesische Regierung strengere Regelungen umzusetzen, doch in der Rohstoffindustrie sind sie nach Ansicht des WWF nicht ausreichend. Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigten aber, dass in China Gesetze im Ernstfall schnell umgesetzt werden.

Reaktion der Öffentlichkeit

Örtliche Gemeinden protestieren immer häufiger gegen Verunreinigungen ihres Trinkwassers. Bei der Produktion von Phosphor-Dünger zum Beispiel entsteht Phosphorgips, der Fluorid und andere Schwermetalle enthält. Die Zentralregierung reagiert mittlerweile auf die Proteste und droht auch Unternehmen mit Schließung.

In Europa wird das chinesische Wachstum auf Kosten der Umwelt immer wieder in den Medien thematisiert.

Forderungen des WWF

Der WWF fordert ein effizientes Wassermanagement und eine fachgerechte Entsorgung des Phosphorgipses, damit verhindert werden kann, dass Gewässer weiter verschmutzt werden.


10

Keine Kommentare mehr möglich. Hinweise zum Kommentieren finden Sie in den Kommentar-Spielregeln.)

Nadine Schöttl, Freitag, 05.September, 13:05 Uhr

2. Wasser

In dem Zusammenhang sollte man auch über die "Buck Challenge" nachdenken. Sicherlich mag Deutschland mehr als genug Wasser haben - doch diese Eiswürfel sind echt zuviel! Dort muss man erst Energie hineinstecken und die kommt auch nicht gratis daher!

Woanders verdursten die Leute und hier schütten sich Leute einen Eimer Wasser über den Körper. Ich finde das durchaus eine große Wasserverschwendung! Wenn die Leute schmutzig sind und sich einfach waschen möchten okay, aber einfach so - echt schlimm wie hier Wasser verplempert wird!

Horst Hilgers, Montag, 01.September, 14:41 Uhr

1.

So weit ,so schlecht.
Aber eines muß doch betont werden, man kann Wasser nicht "verbrauchen", man kann es nur ungeeignet für den Menschen machen.
Im Übrigen, so lange sich die EU, durch Einflußnahme der Deutschen, weigert, Strafzölle auf Waren zu erheben, die umweltschädlich hergestellt wurden, brauchen wir uns über die Konsequenzen nicht zu wundern.