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Berühmte Weltkarten Waldseemüllerkarte der Stabi München ist eine Fälschung

Die Waldseemüllerkarte gilt als Schatz der Menschheitsgeschichte: Die Weltkarte aus dem 16. Jahrhundert zeigt erstmals den Kontinent Amerika. Nur ein paar wenige Exemplare sind noch erhalten, zwei davon liegen in München. Eine ist eine Fälschung.

Stand: 15.02.2018

Die Waldseemüllerkarte gilt als Geburtsurkunde Amerikas, weil sie erstmals den Kontinent und die Bezeichnung "Amerika" zeigt. Benannt ist die Karte nach ihrem Ersteller, einem Kartographen aus Freiburg namens Martin Waldseemüller (1470-1522). Er taufte den neuen Kontinent im 16. Jahrhundert "Amerika", weil er den Seefahrer Amerigo Vespucci aus Florenz für den Entdecker hielt. Fälschlicherweise, denn Christoph Kolumbus hatte Amerika zuerst entdeckt, dachte aber, er habe "Las Indias" vor sich - und meinte damit den gesamten ostasiatischen Raum.

Was sind Globus-Segmentkarten?

Waldseemüllerkarte (16. Jahrhundert) zeigt erstmals den amerikanischen Kontinent.

Von der weltberühmten Weltkarte gibt es nur noch eine große Variante von drei Quadratmetern Größe und sechs sogenannte Globus-Segmentkarten. Die kleineren Segmentkarten sind eigentlich ein Bastelset. Man kann die abgebildeten zwölf Streifen, die oben und unten spitz zulaufen, ausschneiden. Faltet man sie um eine Kugel herum, hält man einen Globus von etwa elf Zentimetern Durchmesser in der Hand.

Zwei Waldseemüllerkarten gefälscht

Drei der Globus-Segmentkarten werden in Deutschland als Schatz gehütet: eine in Offenburg und zwei in München. Doch das Exemplar in der Bayerischen Staatsbibliothek wurde als Fälschung entlarvt. Stein des Anstoßes lieferte eine Karte, die in London aufgetaucht war: Das Auktionshaus Christie's hatte sie 2017 im Angebot und stellte bei der Überprüfung fest, dass die Karte gefälscht war. Christie's zog das Angebot zurück. Da die Karte Ähnlichkeiten mit dem Exemplar der Bayerische Staatsbibliothek in München (Stabi) aufweist, wurde auch deren Echtheit angezweifelt und eine Echtheitsprüfung durchgeführt. Die Stabi hatte die Karte 1990 für umgerechnet eine Million Euro gekauft.

Was Experten an den Exemplaren misstrauisch machte

  • Die Druckfarbe der Globus-Segmentkarte von Christie's war offensichtlich über dem Kleber platziert.
  • Es fehlten die unsauberen Stellen, die beim Drucken mit Holzblöcken im 16. Jahrhundert normalerweise zu sehen sind.
  • Die Christie's-Karte hat eine unklare Herkunft. Bekannt ist nur, dass sie einem britischen Restaurator gehört haben soll.
  • Die Christie's Segmentkarte hat einen verdächtigen weißen Strich. Erklären könnte das eine andere Segmentkarte, die in der James Ford Bell Bibliothek an der Universität von Minnesota liegt. Dort, wo die erste Karte einen weißen Strich zeigt, sieht man bei der zweiten Karte aus den USA, dass wahrscheinlich nachträglich ein Papier hinzugefügt worden ist, um eine defekte Stelle zu reparieren. Die Christie's-Karte ist sehr wahrscheinlich eine Kopie der Karte aus der James Ford Bell Bibliothek.
  • Auch die Globus-Segmentkarte aus der Bayerischen Staatsbibliothek in München hat den verdächtigen weißen Strich. Die Stabi hat daraufhin ihr Exemplar mit einer Ramanspektrografie und einer Röntgenfluoreszenzanalyse überprüft und als Fälschung entlarvt. Das war erst möglich mit hochauflösenden Digitalisaten. Die Fälschung wurde wahrscheinlich vor 1950 angefertigt und ist sehr geschickt gemacht: Die Karte gelangte 1960 in Umlauf, als sie bei Sotheby's in London versteigert und an den US-amerikanischen Antiquar H. P. Kraus verkauft wurde. Die Globus-Segmentkarte ist in ein antikes Buch (Inkunabel; Claudius Ptolemaeus "Cosmographia") eingebunden, das 1486 erschienen ist.

Ergebnis der Echtheitsprüfung der Stabi-Karte

Im Gespräch mit radioWelt-Moderator Uwe Pagels erzählte der Generaldirektor der Staatsbibliothek, Dr. Klaus Ceynowa, wie die Echtheitsprüfung der Münchner Globus-Segmentkarte ablief und warum es 1990 nicht möglich war, die Fälschung zu erkennen. Ceynowas Fazit:

"Es ist leider so, dass die Waldseemüllerkarte der Bayerischen Staatsbibliothek unzweifelhaft eine Fälschung ist. Das ist ein sehr trauriges Resultat für uns, aber es ist so."

Klaus Ceynowa, Generaldirektor der Bayerischen Staatsbibliothek


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