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Der Wald Wald vor Wild oder: Förster gegen Jäger

Hirsche und Rehe halten sich gern im Wald auf, weil der erstens Schutz bietet und zweitens Nahrung, unter anderem junge Baumtriebe. Ein hoher Wildbestand erleichtert den Jägern ihr Handwerk, schadet aber den Bäumen. Förster fordern wegen Wildverbiss mehr Abschüsse.

Stand: 22.03.2018

Röhrender Hirsch | Bild: picture-alliance/dpa

"Bei niedrigen Wildbeständen ist es richtige Arbeit, bei hohen ist der Abschuss relativ einfach. Das unterscheidet die guten von den schlechten Jägern." Die provokante Aussage stammt von Johann Jordan, dem Vorsitzenden der Forstbetriebsgemeinschaft Oberallgäu, einer Vereinigung privater Waldbesitzer. Sie umreißt den alten Konflikt zwischen Förstern und Jägern.

Zu viel Wildverbiss schadet Baumwachstum

Jordan meint: Tummelt sich besonders viel Rot-, Reh- und Gämswild in den Wäldern, müssen sich die Waidmänner auf ihren Hochsitzen für Jagderfolge nicht gar so anstrengen. Doch was soll so schlimm daran sein, wenn viele Bambis grazil durchs Unterholz hüpfen? Ganz einfach: der Wildverbiss. Zu viel davon schadet dem Wald.

Triebe sind ein Leckerbissen für diese Tiere. Junge Tannen schmecken Rehen besonders gut. Doch das kann das Wachstum eines Waldes ungemein bremsen. Vor allem die Gipfeltriebe sind begehrt. Doch wenn die abgenagt sind, ist der Baum entwertet. Er wächst nicht mehr optimal. In ökonomischer Hinsicht kann er nur noch Brenn- und kein Qualitätsholz liefern.

Förster wollen höhere Abschusszahlen

Kontraproduktiv ist der Wildverbiss vor allem, wenn Monokulturen großflächig durch neue Mischwälder ersetzt werden sollen, was in Bayern Staatsziel ist. Dann gilt laut Bayerischem Jagdgesetz "Wald vor Wild". Das heißt: Die Jäger müssen so viel Wild schießen, dass sich der Wald naturnah verjüngen kann. Bei zu viel Wild müssen Areale mit jungen Bäumen zum Schutz umzäunt werden, denn eigentlich produziert ein gesunder Mischwald genug Samen für Nachwuchs. Waldbesitzer und Förster fordern daher höhere Abschusszahlen.

Suche nach Verbiss-Spuren

Jagdpächter sind davon weniger begeistert. Sie halten dagegen, dass sich auch ihre Investitionen rentieren müssten. "Sonst kann ich gleich als Tourist den Wald genießen", meinte ein Allgäuer Jäger. Wie hoch der Wildbestand sein sollte, hängt letztlich immer vom Zustand des Waldes ab. Um den zu dokumentieren, untersuchen alle drei Jahre Bayerns Förster die Reviere auf Verbiss-Spuren. Diese Daten sind dann die Grundlage für die künftige Abschussplanung.


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