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Kranker Wald Vom "sauren Regen" in die Ozontraufe

In den 1980er-Jahren schockte der Begriff "saurer Regen". Auch wenn davon jetzt keiner mehr spricht, geht es vielen Bäumen nach wie vor sehr schlecht. Krank ist der Wald in Bayern heute aus anderen Gründen.

Stand: 14.11.2019

Dem Wald in Bayern setzt zwar nicht mehr der "saure Regen" zu - dafür sind es jetzt verstärkt Stickstoff, Ozon und die zunehmende Hitze, die der Klimawandel mit sich bringt. | Bild: picture-alliance/dpa

Waldsterben - eines der großen Menetekel der 1980er-Jahre. Dabei war dieses Phänomen gar nicht so neu: "Seit dem 19. Jahrhundert wusste man, dass Bäume durch Rauch geschädigt werden", schreibt Hansjörg Küster in seiner "Geschichte des Waldes". Warnungen gab es auch in den 1970er-Jahren, aber so richtig aufgerüttelt wurde die Industriegesellschaft erst einige Jahre später, als der erbärmliche Zustand zigtausender Bäume nicht mehr zu übersehen war. Die Politik reagierte: 1983 begann man in Deutschland mit der Veröffentlichung der "Waldschadensberichte".

Der "saure Regen"

Waldsterben durch "sauren Regen" (Aufnahme von 1983)

Damals wurde bekannt, wie stark Stickoxide, Schwefeldioxid und Ammoniak, die aus Industrieanlagen, Autoabgasen, Haushalt und Landwirtschaft in die Atmosphäre geblasen werden, Bäume schädigen. Diese giftigen Gase gelangen über Regenwasser an Blätter und Nadeln, wo sie sich in Schwefel- und Salpetersäure verwandeln. Dieser "saure Regen" beeinträchtigt die Fotosynthese, stört den Pflanzenstoffwechsel und beschädigt Wurzeln.

Zugleich werden diese Gase von den Bäumen aber auch als Nährstoffe genutzt. Diese einseitige "Düngung aus der Luft" sorgt jedoch für ein unausgewogenes Wachstum. Die Bäume werden anfälliger für Pilzbefall, Insektenfraß, Trockenheit oder Frost - manche verkraften das alles nicht und sterben ab. Vor allem Weißtannen, Kiefern, Fichten und Eichen reagieren sensibel auf diesen Giftcocktail.

Mischwald ersetzt Monokultur

Den "Waldschadensbericht" taufte man später - es klingt nicht so negativ - in "Waldzustandsbericht" um. Tatsächlich verbesserte sich die Gesundheit der Bäume in den 1990er-Jahren etwas. Das hing auch damit zusammen, dass so manche Fichtenmonokultur durch stabileren Mischwald ersetzt wurde und dass in Industrie-Anlagen Schwefelfilter eingebaut werden mussten.

Heute stressen Stickstoff und Ozon

Ozon kann die Fotosyntheseleistung vermindern und die Blattstruktur verändern.

Doch noch immer sind jede Menge Bäume krank und verlieren ihre Nadeln und Blätter. Heutzutage ist nicht mehr der "saure Regen" das Problem, sondern Stickstoff aus Verkehr und Landwirtschaft sowie Ozonbelastungen, die besonders bei Hitze auftreten.

Klimawandel schwächt Bäume zusätzlich

Im Zuge des Klimawandels wird die Ozonbelastung an zahlreichen Waldstandorten Bayerns erhöht bleiben und wahrscheinlich noch weiter ansteigen. Besonders gefährlich wird es dann, wenn nach einer Hitzeperiode auch noch die Böden austrocknen und die Bäume dadurch zusätzlich geschwächt werden.

  • Waldzustandsbericht 2019 - Lage ist dramatisch: 13.11.2019, 13.19 Uhr, B5 aktuell.

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