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Wald in Gefahr Klimastress und andere Killer

Der Klimawandel lässt nicht nur Eis schmelzen, er wirkt auch massiv auf die Wälder ein. Wärmere Sommer und mehr Trockenheit vertragen viele Bäume nicht. Zudem leiden viele unter Borkenkäferplagen oder Pilzbefall.

Stand: 16.03.2017

Der Klimawandel lässt nicht nur Eis schmelzen, er wirkt auch massiv auf die Wälder ein. Wärmere Sommer und längere Dürreperioden vertragen viele Bäume nicht, sie trocknen aus. In hiesigen Breiten leiden vor allem Fichte und Buche darunter, während das etwa der Tanne offenbar weniger ausmacht. 

Warme Winter lassen Bäume länger schlafen

Einheimische Bäume wie zum Beispiel Buchen oder Eichen bleiben länger kahl, wenn der Winter zu warm war. Ökoklimatologen der Technischen Universität München hatten mit Zweigen 36 verschiedener Bäume in Klimakammern experimentiert. Das Ergebnis: War es nicht kalt genug, kamen die neuen Blätter später. Die Forscher schließen daraus, dass Bäume ihr Wachstum mehr an den Temperaturen orientieren als am Licht. Demzufolge muss es vorher richtig kalt gewesen sein, damit sich die Pflanzen auf Frühling einstellen. Bisher herrschte die Meinung vor, dass im Frühling die Triebe sprießen, weil die Tage länger werden.

Möglicherweise nutzt das den Pflanzen, die aus wärmeren Klimazonen in Deutschland eingewandert sind wie die Robinie oder die Walnuss. Diese Bäume riskieren im Frühjahr einen früheren Start, weil sie weniger stark auf die Kälteperiode angewiesen sind. Zudem treiben sie bei steigenden Temperaturen ihre Blätter schneller aus - und nehmen am Ende Eiche und Buche das Licht zum Wachsen. (Studie vom Oktober 2013)

Stress durch Schädlinge sorgt für Eichensterben

Viele Bäume spüren den Klimastress: Die Eiche stirbt, ihr setzen Schmetterlingsraupen vermehrt zu. Eine dieser Arten ist der Eichenprozessionsspinner, der sich, begünstigt durch die Klimaerwärmung, immer weiter in Deutschland ausbreitet. Diese Schmetterlingsraupen fressen ihre Wirtsbäume kahl, wenn sie in Massen auftreten. Aber auch dem Menschen bereitet der Eichenprozessionsspinner Probleme, weil die Raupen Haare haben, die bei Berührung Allergien auslösen können. Es gibt Mittel, die mit Hubschraubern aus der Luft versprüht werden, um gegen diese Schädlinge vorzugehen. Nur läuft die Zulassung für diese Insektizide bald aus, beispielsweise für das zugelassene Pflanzenschutzmittel Dimilin 80 WG, einem Häutungshemmer, das aus der Luft verbreitet wird. Für eine Verlängerung der Zulassung ist bislang noch kein Antrag gestellt worden, weil die Risiken des Wirkstoffs nicht ausreichend untersucht wurden.

Schicksal von Berg- und Feldulme

Blatt der Feldulme

Berg- und Feldulme sind heute weitgehend aus unserer Waldlandschaft verschwunden, dahingerafft von einem Pilz, der vor Jahrzehnten aus Asien eingeschleppt wurde. Komplizen dabei waren zwei heimische Borkenkäfer-Arten: der Große und der Kleine Ulmensplintkäfer. Beim Anlegen ihrer Larvengänge übertrugen sie den tödlichen Pilz auf die Bäume. Nur die Flatterulme erwies sich als ziemlich resistent und wird noch angebaut. Allerdings ist sie eher kleinwüchsig und liefert nicht so viel Holz.

Ein Pilz macht den Eschen zu schaffen

Abgestorbene Esche: Pilzerreger aus Asien führen zum Triebsterben

Sind Pflanzen neben der Hitze noch von Schadstoffeinträgen durch Stickoxide oder Nitrate geschwächt, werden sie auch anfälliger für Attacken weiterer Feinde. So müssen sich Eschen in Südostbayern einem Pilz namens Chalara fraxinea erwehren: das Falsche Weiße Stengelbecherchen. Er stammt ebenfalls aus Asien. Der Schlauchpilz lässt Triebe absterben und Baumkronen welken, wenn er über die Blätter in das Mark der Triebe vordringt.

Einzelne Eschen widerstehen dem Pilz und zeigen keine Krankheitssymptome. Eine neue Bedrohung für deutsche Eschen könnte den Weg zu uns finden: der Japanische Eschenprachtkäfer. Er wurde in die USA eingeschleppt und tötet dort auch jene Eschen, denen der Pilz nichts anhaben konnte. In Nordamerika fällt man deshalb rigoros alle Eschen im Umkreis von mehreren Kilometern, sobald ein von Käfern befallener Baum entdeckt wird.

Borkenkäfer nimmt Bäume im Sturm

Der bei uns berüchtigte Borkenkäfer profitiert nicht nur vom wärmeren Klima, er schlägt auch bevorzugt im Zuge von Sturmschäden zu, etwa nach "Kyrill" 2007 oder "Emma" 2008. Besonders der Bayerische Wald musste immer wieder unter der Invasion des kleinen Schädlings leiden. Zunächst macht er sich über Totholz, also umgeknickte Bäume, her, dann befällt er auch benachbarte gesunde Bäume.

Um dieses Überspringen zu vermeiden, griff man immer wieder zu drastischen Maßnahmen, gerade auch im Nationalpark Bayerischer Wald: Man entfernte nicht nur das Totholz, das aber eine wichtige Funktion bei die Walderneuerung hätte, man scheute auch nicht vor dem vorsorglichen Kahlschlag zurück.

Laubholzbockkäfer im Anflug

Eine ähnlich rabiate Vorgehensweise droht auch, wenn Bäume vom Asiatischen Laubholzbockkäfer - nicht zu verwechseln mit dem Citrusbockkäfer - befallen sind. So tauchten im Oktober 2014 in der Gemeinde Schönebach im Landkreis Günzburg erstmals in Schwaben Schädlinge dieser Art auf. Daraufhin wurden die betroffenen Waldflächen unter Quarantäne gestellt. Innerhalb dieser Zone müssen im Umkreis von 100 Metern um jeden befallenen Baum die Laubbäume, die als Wirtspflanzen für den Käfer in Frage kommen, gefällt und verbrannt werden. Befallene Bäume sind nicht mehr zu retten und sterben binnen weniger Jahre ab.

Welchen Gehölzen gehört die Zukunft im deutschen Forst?

In unseren Wäldern wachsen heute schon fremde Gehölze. In größerem Umfang seien das aber nur Roteiche und Douglasie, sagt Ralf Petercord von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft in Freising. In Zukunft könnten exotische Bäume aber vermehrt an die Stelle der bedrohten einheimischen Arten treten. Hier und da könnten die Exoten auch Kiefer und Fichte ersetzen. Denn diese haben ebenfalls ihre Probleme mit zunehmendem Schädlingsbefall durch die Klimaerwärmung.


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