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Der Wald Vom "sauren Regen" in die Ozontraufe

In den 1980er-Jahren schockten die Begriffe "saurer Regen" und "Waldsterben". Auch wenn jetzt davon keiner mehr spricht, geht es vielen Bäumen nach wie vor sehr schlecht. Krank sind sie heute aus anderen Gründen.

Stand: 16.03.2017

Waldsterben in Böhmen | Bild: picture-alliance/dpa

Waldsterben - eines der großen Menetekel der 1980er-Jahre. Dabei war dieses Phänomen gar nicht so neu: "Seit dem 19. Jahrhundert wusste man, dass Bäume durch Rauch geschädigt werden", schreibt Hansjörg Küster in seiner "Geschichte des Waldes". Warner gab es auch in den 1970er-Jahren, aber so richtig aufgerüttelt wurde die Industriegesellschaft erst einige Jahre später, als der erbärmliche Zustand zigtausender Bäume nicht mehr zu übersehen war. Die Politik reagierte: 1983 begann man in Deutschland mit der Veröffentlichung der "Waldschadensberichte".

Der "saure Regen"

Waldsterben durch "sauren Regen" (Aufnahme von 1983)

Damals wurde bekannt, wie stark Stickoxide, Schwefeldioxid und Ammoniak, die aus Industrieanlagen, Autoabgasen, Haushalt und Landwirtschaft in die Atmosphäre geblasen werden, Bäume schädigen. Diese giftigen Gase gelangen über Regenwasser an Blätter und Nadeln, wo sie sich in Schwefel- und Salpetersäure verwandeln. Dieser "saure Regen" beeinträchtigt die Fotosynthese, stört den Pflanzenstoffwechsel und beschädigt Wurzeln.

Zugleich werden diese Gase von den Bäumen aber auch als Nährstoffe genutzt. Diese einseitige "Düngung aus der Luft" sorgt jedoch für ein unausgewogenes Wachstum. Die Bäume werden anfälliger für Pilzbefall, Insektenfraß, Trockenheit oder Frost - manche verkraften das alles nicht und sterben ab. Vor allem Weißtannen, Kiefern, Fichten und Eichen reagieren sensibel auf diesen Giftcocktail.

Den "Waldschadensbericht" taufte man später - es klingt nicht so negativ - in "Waldzustandsbericht" um. Tatsächlich verbesserte sich die Gesundheit der Bäume in den 1990er-Jahren etwas. Das hing auch damit zusammen, dass so manche Fichtenmonokultur durch stabileren Mischwald ersetzt wurde und dass in Industrie-Anlagen Schwefelfilter eingebaut werden mussten. Wiesen 1991 noch 30 Prozent aller Bäume deutliche Schäden auf, waren es 1996 noch 22 Prozent.

Heute stressen Stickstoff und Ozon

Der Wald ist zwar nicht wirklich gestorben, aber das Thema schon. Dabei sind immer noch jede Menge Bäume krank. Heutzutage ist nicht mehr der "saure Regen" das Problem, sondern Stickstoff aus Verkehr und Landwirtschaft sowie Ozonbelastungen, die besonders bei Hitze auftreten.

Die in Weihenstephan bei Freising angesiedelte Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) stellte in einer 2010 veröffentlichten Studie fest, dass Bäume durch Ozon sowohl im eher feuchten Jahr 2002 als auch im extrem trockenen Jahr darauf beeinträchtigt wurden. Auch dauerhafte Schäden sind dem Institut zufolge nicht auszuschließen.

Ozon kann die Photosyntheseleisung vermindern und die Blattstruktur verändern.

Und die Aussichten sind nicht unbedingt rosig: "Unter dem Einfluss eines fortschreitenden Klimawandels wird die Ozonbelastung an zahlreichen Waldstandorten Bayerns erhöht bleiben und potenziell weiter ansteigen." Vor allem Buchen und Fichten seien einem hohen Risiko ausgesetzt, insbesondere wenn nach einer Hitzeperiode auch die Böden austrocknen.


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