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Der Wald Kleine Waldgeschichte

Noch bis vor etwa 7.000 Jahren war Bayern, ebenso wie ganz Mitteleuropa, fast vollständig mit Wald bedeckt. Schon um 1500 war er auf seine heutige Fläche zurückgedrängt. Ab dem 19. Jahrhundert verwandelte man ihn in eine "Holzproduktionsmaschine" mit vielen Fichtenmonokulturen.

Stand: 16.03.2017

Noch bis vor etwa 7.000 Jahren war Bayern, ebenso wie ganz Mitteleuropa, fast vollständig mit Wald bedeckt. Die Menschen damals zogen umher und ernährten sich von Wurzeln, Pilzen, Früchten oder von Tieren, die sie auf der Jagd erbeuteten. Erst allmählich zähmten sie Schafe, Schweine und Rinder und gingen zum Ackerbau über. Die Sammler und Jäger verwandelten sich in Bauern und erstmals wurde Wald für Felder und Siedlungen gerodet. Schon in vorrömischer Zeit waren zudem zahllose Bäume der Erzschmelze zum Opfer gefallen. Um Christi Geburt war bereits ein Viertel der Waldfläche verschwunden.

Germanias "schaurige Wälder"

Die Germanen ließen den Wald hochleben, weil er ihnen half, die Römer zu vertreiben. Deren Geschichtsschreiber Tacitus kam in "De Germania" freilich zu einer anderen Ansicht, nämlich dass "es mit seinen Wäldern einen schaurigen, mit seinen Sümpfen einen widerwärtigen Eindruck" mache. Urwälder aus Bäumen, Kräutern, Sträuchern und Farnen, in dem sich Raubtiere tummelten, dominierten damals die Landschaft.

Natur aus "zweiter Hand"

Krachte ein Baum um, schaffte er Licht für Jungwuchs. Die Natur war sich selbst überlassen. Für Mitteleuropa kann jedoch davon schon seit vielen Jahrhunderten nicht mehr die Rede sein. "Nach dem Eingriff des Menschen bildete sich immer nur das heraus, was wir 'Natur aus zweiter Hand' nennen würden", schreibt der Pflanzenökologe Hansjörg Küster in seiner "Geschichte des Waldes".

Bäume weichen Viehweiden

Viehweiden dezimierten Waldflächen.

Ende des 13. Jahrhunderts drohte das Holz in Deutschland  erstmals knapp zu werden, schon um 1500 war der Wald auf seine heutige Fläche zurückgedrängt. Ab dem Mittelalter wurde in großem Stil für den Holzbedarf rasch wachsender Städte und Viehweiden gerodet. Auch die Industrialisierung im 19. Jahrhundert verschlang Unmengen an Bäumen, in Oberbayern zum Beispiel fürs Salzsieden in den Reichenhaller und Traunsteiner Salinen.

Vormarsch der Fichtenforste im 19. Jahrhundert

Die Eingriffe veränderten den Wald grundlegend, er wurde zum bewirtschafteten Forst. Im 19. Jahrhundert kam erschwerend hinzu, dass man Wälder in "Holzproduktionsmaschinen" en gros verwandelte. Propagiert wurde vor allem die anspruchslose Fichte. Sie wächst rasch und gerade, sorgt damit laufend für Nachschub an hochwertigem Bau- und Tischlerholz.

"Willst du den Wald bestimmt vernichten, so pflanze nichts als reine Fichten."

Warntafel eines Forstmeisters von 1929, aufgestellt in einem Fichtenwald

Im Stangenwald: Fichtenmonokultur

Auf Kosten der natürlichen Mischwälder entstanden aus ökonomischem Kalkül heraus hektarweise Monokulturen: Fichten, aber auch Kiefern oder Lärchen, die in Mitteleuropa eigentlich nur auf Bergen wachsen. Masse statt Klasse war die Devise. Die Laubbäume dezimierten sich dabei zusätzlich, weil sie im Wachstum weniger konkurrenzfähig als Nadelhölzer sind.

NS-Eichenmythos, danach wieder Fichte

In der Zeit des Nationalsozialismus holte man wieder die altgermanische Waldverehrung unter besonderer Betonung der Eiche aus der Mottenkiste, gleichzeitig wurden ganze Wälder für die Kriegswirtschaft vernichtet. Nach 1945 ging es nahtlos weiter mit der Rodung. Der Grund lag jedoch darin, dass Holz in rauen Mengen als Reparationsleistung für die Siegermächte geliefert werden musste.

Früher Geld, heute Schmuck: Eichenpflanzerin auf der 50-Pfennig-Münze

Das marode Deutschland brauchte jedoch selbst dringend Holz, daher wurde im großen Stil wiederaufgeforstet, und zwar: wieder mit Fichten. Dazu setzte man auch viele Waldarbeiterinnen ein. Die junge Bundesrepublik verewigte sie, für einige Jahrzehnte, auf der Rückseite der 50-Pfennig-Münze symbolisch durch eine Pflanzerin. Die darauf abgebildete Dame setzt aber keine Fichte, sondern: eine Eiche.

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