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Wald wächst wie wild Bäume schießen in die Höhe

Seit rund fünfzig Jahren wachsen Bäume deutlich schneller als vorher. Das Wachstum hat sich zum Teil um mehr als siebzig Prozent beschleunigt, berichten Forscher der Technischen Universität München.

Stand: 18.09.2014

Fichten und kleine Buchen | Bild: picture-alliance/dpa

Man sieht es dem Wald nicht an, doch seit den 1960er-Jahren wachsen die Bäume immer schneller. Die typischen Entwicklungsphasen der einzelnen Bäume und der Bestände haben sich zwar kaum verändert, doch sie laufen beschleunigt ab. Das zeigt eine Studie von Wissenschaftlern der Technischen Universität München (TUM). Sie basiert auf Langzeit-Daten von Versuchsflächen, die seit 1870 kontinuierlich unter Beobachtung stehen.

77 Prozent Beschleunigung bei Buchen

Laser-Scans zeigen Änderungen in den Strukturen der Baumkronen.

In Mitteleuropa ist die Fichte die wichtigste Nadelbaumart. Die Buche spielt die gleiche Rolle bei den Laubbäumen. Bei den Fichten beschleunigte sich das Wachstum bei Einzelbäumen um 32 Prozent, bei den Buchen sogar um 77 Prozent. Betrachtet man ganze Waldbestände, so wuchsen die Buchen um 30 Prozent, die Fichten um 10 Prozent schneller. Bei den Beständen sind die Werte niedriger, weil größere Bäume mehr Platz brauchen. Deshalb sinkt die Gesamtzahl der Bäume.

Wachstumsmotor Klimawandel

Jahresring-Probe von einem Baum

Die Wissenschaftler führen das rapide Wachstum der Bäume auf das wärmere Klima und die längere Vegetationszeit zurück. Weitere Wachstumsmotoren sind Kohlenstoffdioxid und Stickstoff, deren Konzentration in der Luft seit hundert Jahren stetig ansteigt.

"Interessanterweise haben wir beobachtet, dass der saure Regen das Wachstum unserer Versuchsflächen nur vorübergehend beeinträchtigt hat. Der Eintrag von Schadstoffen wurde ja auch seit den 1970er-Jahren deutlich reduziert. Allerdings liegen nur wenige unserer Versuchsflächen in den Kammlagen der Mittelgebirge, wo die größten Schäden zu verzeichnen waren."

Professor Hans Pretzsch, Lehrstuhl für Wachstumskunde TU München

Wirtschaftlicher Nutzen möglich

Vom schnelleren Baumwachstum könnte die Forstwirtschaft profitieren: Die Zieldurchmesser und der bestmögliche Zeitpunkt der Bestandsernte werden früher erreicht. Zudem lässt sich mehr Holz ernten, ohne das Prinzip der Nachhaltigkeit zu verletzen.

Seit fast 150 Jahren unter Beobachtung

Die Wald-Untersuchung basiert auf Daten von Versuchsflächen, die seit 1870 systematisch beobachtet werden. Laut TU München zählen sie damit zu den ältesten waldwissenschaftlichen Anlagen weltweit. Zudem repräsentieren die Waldflächen typische Klima- und Vegetationszonen in Mitteleuropa.


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