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Polarforscher Umberto Nobile Überleben in der Arktis

Vor 90 Jahren erreicht der Polarforscher Umberto Nobile den Nordpol. Doch nach seinem Triumph folgt die Tragödie. Sein Luftschiff verunglückt, Nobile und ein Teil seiner Mannschaft kämpfen ums Überleben auf einer Eissscholle mitten in der Arktis.

Stand: 25.05.2018 | Archiv

An der Küste bei Spitzbergen startet das Luftschiff "Italia" zum Nordpol | Bild: picture-alliance/dpa

Die Nordpol-Expedition am 24. Mai 1928 ist nicht Umberto Nobiles erste "Überfahrung" des Nordpols in einem Luftschiff. Schon 1926 zwei Jahre zuvor, erreichte er zusammen mit Roald Amundsen den Nordpol in einem Luftschiff. Sie waren die ersten Menschen überhaupt, die den Nordpol erreichten. Doch die neue Expedition soll ganz unter dem Namen Nobiles stehen. Eine Woche lang wollen die Männer am Nordpol bleiben und Messungen vornehmen. Bei herrlichem Wetter starten sie am 23. Mai 1928 ihre Fahrt mit dem Luftschiff „Italia“ auf der Insel Spitzbergen vor Norwegen mit 16 Mann und einem Hund. Umberto Nobile, General der italienischen Luftwaffe, ist der Erbauer des Luftschiffs, Expeditionsleiter und Kommandant der Expedition.

Triumph und Tragödie der Nordpol-Expedition

Das Vorhaben scheint zunächst zu gelingen: Am 24. Mai kreist die Italia über dem Nordpol. Die geplante Landung muss jedoch aufgrund heftiger Winde abgeblasen werden. Stattdessen kehrt die Italia um und nimmt wieder Kurs zurück auf Spitzbergen. Doch am nächsten Tag gerät sie in heftige Stürme und wird nach unten gedrückt.

Umberto Nobile stürzt mit einen Teil der Mannschaft ab

Die Führerkabine streift das Packeis und zerbirst. Zehn der Besatzungsmitglieder werden aufs Eis geschleudert, darunter Nobile selbst. Die sechs übrigen können sich im Luftschiff halten, doch gerade das wird zu ihrem Verhängnis. Denn die nicht mehr steuerbare Italia steigt wieder auf und treibt ab, kurz darauf ist sie für immer verschollen.

Überleben nach dem Absturz

Mit dem roten Zelt konnten die Schiffbrüchigen vom Flugzeug aus erkannt werden.

Nobile und seine Männer auf der Eisscholle haben dagegen unglaubliches Glück. Zwar sind einige von ihnen teilweise schwer verletzt; einer stirbt sogar beim Sturz aus dem Luftschiff. Doch mit ihnen ist ein wesentlicher Teil der Ladung aus der Italia auf dem Eis gelandet: Neben dem Zelt und Proviant hat die havarierte Expedition auch einen Revolver zur Verfügung, dem bald ein Eisbär zum Opfer fällt.

Zersplitterte Stücke der Kabine liefern Feuerholz und sogar Streichhölzer sind ihnen geblieben. Das Zelt bemalen die Überlebenden rot, damit es von Flugzeugen aus besser gesichtet wird. "Das rote Zelt" wird später Namensgeber eines Buchs von Nobile, das unter dem gleichen Titel in den 60er-Jahren verfilmt wird.

Als wichtigstes Utensil bleibt Nobile ein funktionierender Radiosender, der schließlich die Rettung bringt. Es ist ein russischer Amateurfunker, der am 2. Juni 1928 die ersten Signale von Nobile auffängt und damit eine internationale Suchaktion auslöst.

Rettungsaktion von Umberto Nobile

Spektakuläre Rettungsaktionen der Expeditonsüberlebenden im Jahr 1928.

Private Expeditionsschiffe und Flieger machen sich auf die Suche. Unter anderem auch Amundsen, der zwei Jahre zuvor mit Nobile beim Nordpol war. Tragischerweise verunglückt sein Flugzeug bei der Suche am 18. Juni 1928 auf dem Nordpolarmeer. Die Leiche von Amundsen wird nie gefunden.

Nobile dagegen wird gerettet - und ein Teil seiner Mannschaft ebenfalls. Doch die Rettung hält für den Luftfahrt- und Nordpolpionier einen bitteren Nachgeschmack bereit: Nach 31 Tagen auf dem Eis landet ein schwedischer Pilot und nimmt als einzigen Passagier Nobile an Bord. Angeblich hatte er strikte Anweisungen, zunächst den schwer verletzten General zu bergen. Die übrigen Gestrandeten sollten in den nächsten Tagen ausgeflogen werden.

Retter stürzt selbst ab

Der sowjetischen Eisbrecher "Krassin" im Eismeer mit den restlichen Überlebenden

Doch beim zweiten Landeanflug auf das Packeis schießt die Maschine übers Ziel hinaus, havariert selbst auf dem Eis. Der unverletzte Pilot muss später selbst gerettet werden. Erst am 12. Juli, weitere 18 Tage später, erreicht der russische Eisbrecher Krassin das Packeis und birgt die Überlebenden - nach insgesamt 49 Tagen auf dem Eis.

Nobile, bei den italienischen Faschisten unbeliebt, wird zum Vorwurf gemacht, dass er als Kapitän die "sinkende" Eisscholle als Erster verlassen hat. Ihm wird die Schuld am Scheitern der Expedition gegeben, bei der insgesamt 17 Personen umgekommen sind. Im März 1929 tritt Nobile vom Generalsposten zurück und verlässt bald darauf Italien. Erst 1945 wird er gerichtlich rehabilitiert und auch wieder in den Generalstand erhoben.

Offizier, Luftschiffkonstrukteur und Polarforscher

Umberto Nobile kurz nach seiner Rettung 1928.

Umberto Nobile, geboren am 21.1.1885 bei Neapel, studierte Elektrik und Ingenieurswesen. Ab 1911 war Nobile in der Luftfahrttechnologie an der Konstruktion mehrerer Luftschiffe beteiligt. Seine erste Überfahrung des Nordpols am 12.5.1926 fand im Luftschiff "Norge" mit Roald Amundsen und Lincoln Ellsworth statt. Im Mai 1928 havarierte Nordpolexpedition und Rücktritt vom Generalsposten in der italienischen Armee im März 1929. Danach war Nobile von 1931 bis 1936 Mitarbeiter im sowjetischen Luftschiffbau und von 1939 bis 1943 Dozent für Aeronautik in den USA. Er starb am 30.7.1978 in Rom.

  • Kalenderblatt zum 25.05.1928: Luftschiff Italia stürzt auf Nordpolfahrt ab. 25.05.2012, 09:50 Uhr, Bayern 2

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