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Uhu in Bayern Bedrohter König der Nacht

Er war schon fast ausgestorben, dann kam er auf seinen lautlosen Schwingen nach Bayern zurück: der Uhu. Eine Weile gedieh der Jäger hier prächtig, der Bestand wuchs. Doch inzwischen gibt es immer weniger Uhus bei uns, immer seltener haben sie Nachwuchs. Bayern lässt seine Uhus hungern ...

Von: Anne-Kathrin Gebert

Stand: 30.08.2017

In der Antike jagten ihn die Menschen als "Totenvogel". Im Mittelalter wurden Uhus und andere Eulen zur Abwehr von Blitzschlag und Zauberei an Scheunentore genagelt. In den 1960er-Jahren war der große Greifvogel akut vom Aussterben bedroht.

Neben der ständigen Schrumpfung seines Lebensraums waren vor allem Hochspannungsleitungen die größte Bedrohung für den "König der Nacht". Als damals nur noch vierzig Uhupaare in der Bundesrepublik Deutschland lebten, wurde ein Schutzprogramm für den Vogel gestartet. Mit Erfolg: Der Uhu kam zurück.

Uhu-Paradies Bayern

Uhu und Eule - ein Unterschied?

Nein. Der Uhu ist die größte Eulenart. Bei den Eulen wird zwischen zwei Familien unterschieden:

  • den "Eigentlichen Eulen" (wissenschaftlicher Name: Strigidae), zu ihnen zählen unter anderem auch die Kreischeulen, die Haubenkäuze, die Ohreulen und eben auch der Uhu) und
  • den "Schleiereulen" (mit ihren zahlreichen Arten und Unterarten).

A propos: Die Unterscheidung zwischen "Eule" und "Uhu" gibt es nur in der deutschen Sprache. Sie geht auf die unterschiedlichen Rufe der Tiere zurück. Als Eulen werden hierzulande Eulenarten bezeichnet, die heulende Laute von sich geben, der Name Uhu gibt den markanten, kurzen Laut der entsprechenden Eulenarten wieder. In anderen Sprachen werden alle Eulenarten einfach "Eule" genannt.

Am Lech, zwischen Landsberg und Schongau, hat die große Eule, der Uhu, wieder einen Lebensraum gefunden. Alles, was er zum Leben braucht, findet er hier: Versteckmöglichkeiten in den steilen Lechhängen, Jagdgebiete in den lichten Kiefernwäldern und den Flussauen und Stauseen. Das Lechtal südlich von Landsberg ist eines der Gebiete in Europa, wo der Uhu am erfolgreichsten brütet. Verschiedene Lebensraumtypen sind hier eng verzahnt - das macht das Gebiet so wertvoll für den Uhu.

Verbreitung des Uhus - der größten Eulenart

Europa:
überall außer Irland, Island, den Mittelmeerinseln und Nordfrankreich, jedoch überall sehr selten
Deutschland:
Thüringen, Teile Baden-Württembergs, Bayern, jedoch überall sehr selten, etwa 800 bis 1.200 Paare
Bayern:
Unterfranken, Frankenjura und Werdenfelser Land, jedoch überall sehr selten; sinkende Bruterfolge und abnehmende Bestände

Mysteriöses Uhu-Sterben

Der Uhu steht laut Naturschutzbund Deutschland (NABU) für einen der ganz großen Erfolge des Artenschutzes in Deutschland. Nach Jahren auf der Roten Liste in Bayern und ganz Deutschland gilt er offiziell nicht mehr als akut gefährdet.
Doch nach der erfreulichen Entwicklung des Uhubestands schlagen Vogelschützer inzwischen erneut Alarm: Der Uhu verschwindet aus Süddeutschland. Immer weniger Vogelpaare sind in Bayern und Baden-Württemberg zu finden. Derzeit leben rund 350 brütende Paare in Bayern.

Besonders bedenklich ist, dass die einzelnen Uhupaare auch immer weniger Nachwuchs zeugen. Seit 1992 sind die Bruterfolge stark rückläufig. Häufig ziehen die Uhus nur noch ein Junges auf - statt wie gewöhnlich drei bis fünf.

Der Uhu findet zu wenig Nahrung

Der Uhu braucht freie Flächen zum Jagen

Ulrich Lanz, Uhu-Experte beim Landesbund für Vogelschutz (LBV), macht hauptsächlich einen altbekannten Grund dafür verantwortlich: Nahrungsmangel durch Revierverluste. Monokulturen wie Mais und Raps und Aufforstung sind tödlich für den Lebensraum des Uhus: Er braucht freie Flächen, über die er beim Jagen flach dahinstreicht. Lanz bezeichnet den Uhu deshalb als "Symbolvogel für eine Veränderung in unserer Agrarlandschaft".

Klettersport kontra Jungenaufzucht

Der Uhu braucht einsames, felsiges Gelände - er wird viel zu oft durch Menschen gestört.

Was den Vogelexperten auf der Suche nach den Ursachen des Uhusterbens noch auffiel: In Gebieten mit Klettersport geht es dem großen Vogel besonders schlecht. Als Felsbrüter kommt der Uhu ausschließlich in den Alpen und Mittelgebirgen vor. Er ist auf felsiges Gelände angewiesen, wo er ungestört seine Jungen aufziehen kann. Dabei wird er jedoch oft durch Menschen gestört.

So sterben in Bayern nach einer Studie der Europäischen Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen (EGE) jedes Jahr zehn bis vierzig Prozent der Uhuküken, weil ihre Eltern bei der Aufzucht durch Kletterer gestört werden. Oft werden Uhus auch Opfer von Autoverkehr oder Mäusegift. Möglicherweise werden junge Uhus auch aus den Nestern entwendet und auf dem Schwarzmarkt für teures Geld verkauft.

Hilfe für verletzte Uhus

Uhus in der Auffang- und Pflegestation Regenstauf

Der Landesbund für Vogelschutz (LBV) betreibt in Regenstauf bei Regensburg eine Auffang- und Pflegestation für verletzte Eulen und Greifvögel. Jährlich werden hier etwa zehn Uhus eingeliefert. Die Tiere werden gesund gepflegt und dann wieder an geeigneter Stelle freigelassen. Bleibt zu hoffen, dass sie sich dann wieder ansiedeln, denn die Wildtiere gehören einfach zu Bayern.

Artenhilfsprogramm

des LBV für den Uhu:

Naturschutzbund Deutschland

Informationen rund um bedrohte Vogelarten

Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen

Die Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e. V. (EGE) ist der Zusammenschluss engagierter Praktiker und Wissenschaftler im Naturschutz. Ihre Arbeit gilt dem Schutz der 13 europäischen Eulenarten.

  • "Dem Uhu auf der Spur": am 16. Februar 2017 um 17.30 Uhr in "Schwaben & Altbayern", BR Fernsehen
  • "Uhu, Falke & Co: Kletterer schützen Felsbrüter": am 25.10.2017 um 17:30 Uhr in "Abendschau der Süden", BR Fernsehen
  • "Eulen - die geheimnisvollen Jäger der Nacht": am 05.08.2016 um 9:05 Uhr in "radioWissen", Bayern 2

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