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Übertrittszeugnis Stress für Bayerns Viertklässler

Am 4. Mai entschied sich, welche Schulform Viertklässler ab dem nächsten Schuljahr besuchen können. Nur mit einen Schnitt von 2,33 oder besser geht's aufs Gymnasium. Das löse massiven Druck aus, sagen Forscher der Uni Würzburg.

Stand: 04.05.2015

Grundschüler halten Zeugnisse in die Höhe vor einer tafel mit der Aufschrift "Deutsch, Mathe, HSK" | Bild: picture-alliance/dpa, Montage: BR

Heinz Reinders ist Professor für Empirische Bildungsforschung an der Universität Würzburg. Er hat mit seinem Team 1.620 Eltern befragt, welche Auswirkungen der Übertritt auf ihr Familienleben hat. Um zwei Arten des Übertritts - die unverbindliche Empfehlung in Hessen und das verbindliche Zeugnis in Bayern - miteinander vergleichen zu können, wurden Eltern in beiden Bundesländern ausgesucht. Das Ergebnis der Studie ist eindeutig: Die Stressbelastung der Schüler in Bayern ist deutlich höher als die der hessischen Altersgenossen.

Stressbelastung bei Schülern und Eltern

  • 49,7 Prozent der bayerischen Dritt- und Viertklässler zeigen erhöhte Stresswerte, in Hessen sind es nur 25,8 Prozent
  • 54,6 Prozent der bayerischen Eltern von Viertklässlern empfinden das Übertrittsverfahren als belastend, in Hessen sind es nur 33,1 Prozent

"Bei rund 16 Prozent der bayerischen Viertklässler ist die Stressbelastung so hoch, dass im Grunde eine Gefährdung des Kindeswohl nicht mehr weit entfernt ist."

Heinz Reinders, Bildungsforscher an der Universität Würzburg

Überforderte Schüler und überehrgeizige Eltern

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Gestresster Schulljunge | Bild: colourbox.com zum Artikel Übertrittszeugnisse Tag der Auslese? Nein!

In Bayern bekommen die Viertklässler am 4. Mai ihr Übertrittszeugnis. Die Noten in den drei Hauptfächern entscheiden, auf welcher Schule es weitergeht. Auch wer es nicht auf das Gymnasium schafft, hat noch manche Möglichkeiten. [mehr]

Besonders gefährdet sind nach der Studie Kinder, die mit einem Notenschnitt von 2,66 zwischen Real- und Mittelschule stehen. Denn es besteht von Elternseite die Befürchtung, dass der Quali für eine Lehrstelle nicht reicht. Ein weiteres Risiko sind Eltern, die einen besseren Abschluss von ihren Kindern erwarten, als diese tatsächlich leisten können. Bei beiden Gruppen erhöht sich der Leistungsdruck.

Was für Möglichkeiten gibt es, um verbindliche Notenschnitte zu ersetzen? Bildungsforscher Reinders fordert frühzeitige Beratungen und Empfehlungen vonseiten der Schule, um den Druck von den Familien zu nehmen. Eltern sollten mindestens ein Jahr vor dem Schulübertritt mögliche Alternativen im Bildungsweg des Kindes aufgezeigt bekommen.

Verbindliche Noten - Vorteil oder Nachteil?

Bildungsforscher Heinz Reinders

Da sich Gesamtschulen in Deutschland nicht durchgesetzt haben, muss irgendwann entschieden werden, wer auf welche Schule gehen darf - sei es bereits in der vierten oder wie in Berlin und Mecklenburg- Vorpommern in der sechsten Klasse. Den Eltern die Entscheidung alleine zu überlassen lehnt Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle ab. Seiner Meinung nach drängten ansonsten nur noch mehr Akademikerkinder auf die Gymnasien, zulasten derjenigen aus bildungsfernen Familien.

Für Reinders ist es dagegen sozial ungerecht, die Aufteilung der Schüler alleine nach Noten vorzunehmen. Denn Noten messen Leistungen seiner Meinung nach nicht zuverlässig. Akademikerkinder könnten von ihren Eltern zu Hause einfach besser unterstützt werden als Kinder aus dem Arbeitermilieu oder mit Migrationshintergrund.

Ihre Meinung ist uns wichtig

Welche Erfahrungen haben Sie mit dem Übertritt Ihres Sohnes oder Ihrer Tochter gemacht? Empfanden Sie und Ihr Kind die vergangenen Monate als belastend oder haben Sie sich von dem Druck nicht unterkriegen lassen? Schreiben Sie uns Ihre Erlebnisse! Wir veröffenlichen Sie hier auf dieser Seite.


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Ingrid Schäffel, Dienstag, 05.Mai 2015, 05:04 Uhr

13. Übertritt (2)

Als Hauptschullehrerin - überwiegend im M-Zug - hatte ich 100 Absolventen, von den - meines Wissens - 10 ihr Studium abgeschlossen haben. Alle 100 haben eine Ausbildung durchlaufen, über die Berufsoberschule ihr Abitur erlangt und arbeiten heute als z.B. Wirtschaftsingenieure, Bankbetriebswirte, Sozialpädagogen, Lehrer...zum Teil auch im Ausland
Ich bin außerordentlich stolz auf meine Kinder und meine Schüler und appelliere an alle Eltern:
Es gibt mehr als einen Weg zum Erfolg; und das Kind, der Mensch, seine Persönlichkeit, seine Talente bestimmen die Wahl des Weges.

Mein erstes pädagogisches Fachbuch hieß:"Dummheit ist lernbar" von Urs Jäggi. Dies sollte Pflichtlektüre für alle Eltern und Lehrer sein.

Ingrid Schäffel, Dienstag, 05.Mai 2015, 04:55 Uhr

12. Übertritt

Hallo, guten Morgen,

die Thematik hat mich gestern schon den ganzen Tag beschäftigt und ich kenne die Problematik aus verschiedenen Blickwinkeln:
einerseits bin ich selbst Mutter von zwei, inzwischen erwachsenen Söhnen, und andererseits war ich 20 Jahre überzeugte Hauptschullehrerin
im ländlichen Raum.
Meine beiden Jungs waren Gymnasiasten, nachdem sie beide aus eigenem!!! Ehrgeiz den Übertritt geschafft hatten. (Ihre Freunde sollten alle dorthin)
Der ältere studiert und muss dafür "nebenbei"hart arbeiten, weil wir ihn das Studium nicht finanzieren; der jüngere hat nach gescheiterter
Gymnasialkarriere (G8) mit einem guten Mittleren Bildungsabschluss an der Hauptschule eine Ausbildung als "Fachinformatiker für Systemintegration" absolviert, saß mit vielen Studienabbrechern (Informatik) als einer der Jüngsten Schüler in der Berufsschule, verdient gutes Geld und kann sein Talent, seine Persönlichkeit...optimal "vermarkten"....(Fortsetzung folgt)

Tina Kräker, Montag, 04.Mai 2015, 20:04 Uhr

11.

ich finde schon, dass 22 Proben von Oktober bis April schon stressig sind und es somit definitiv ein Druck seitens der Schule ausgeübt wird. Komischerweise wurde bei uns immer Proben direkt nach den Ferien geschrieben, sodass die Kids sich nicht ausreichend in den Ferien erholen konnten.

bei unserem Sohn kommt noch hinzu, dass er Autist ist und ich über die Beurteilung im Zeugnis maßlos enttäuscht bin, wobei nirgendwo erwähnt wird, dass er Autist ist.

ich möchte nicht, dass mein Sohn etwas "Besonderes" ist und es ist mir auch wurscht, ob im Dorf über uns geredet wird oder nicht. ich will für meinen Sohn die beste Möglichkeit der Bildung, wie die meisten Eltern auch.

Und für mich heißt das kämpfen, kämpfen, kämpfen.

Anne, Montag, 04.Mai 2015, 19:25 Uhr

10. Kinder von Lehrer eindeutig bevorzugt

Lehrer(-innen) können sich darüber hinaus mit Password auf mehrere Websites einloggen: z.B. Vera- Vergleichsarbeiten und andere Websites welche Übungsblätter, Schulaufgaben usw.....veröffentlichen. Laien kommen gar nicht rein auf diese Websites.

Eine reine Ungerechtigkeit und das in ein sog. demokratisches Land!

Gruß,

Elke Schnitzenbaumer , Montag, 04.Mai 2015, 17:53 Uhr

9. Übertritt Bayern

Auch ich kann nur diese Studie bestätigen. Ab der 3.Klasse Grundschule war es vorbei mit der Kindheit. Eine überehrgeizige Lehrkraft. Kinder die schon in der dritten Klasse nur noch vom Gymnasium gesprochen haben. Wobei sich unsere Tochter davon nicht beirren ließ. Zudem Hausaufgaben ohne Ende. Proben und nochmals Proben. Wir haben zehn Kreuze gemacht als dies vorbei war. Und wir sind dem Wunsch unserer Tochter nachgegangen die trotz Gymnasiumschnitt auf die Realschule wechselte. Jetzt ist sie in der 9.Klasse. Dank dieses katastrophalen G8 ist nun auch Stress pur auf der Realschule. Kindheit und Jugend ade. Unsere Generation Jahrgang 1964 muss eigentlich demnach blöde sein.Wir hatten nämlich noch Kindheit und Jugend.