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Erdbeben Deutsches Tsunami-Warnsystem für Indonesien

Der Tsunami, der sich 2004 im Indischen Ozean ereignete, kostete 230.000 Menschen das Leben. Mittlerweile gibt es ein Frühwarnsystem in der Region. Deutsche Forscher haben es mitaufgebaut.

Stand: 11.09.2018

Ein Schild mit Sicherheitshinweisen für den Fall einer Tsunami-Katastrophe in Thailand | Bild: picture-alliance/dpa

Im Dezember 2004 tötete eine gigantische Flutwelle Hunderttausende Menschen an den Küsten rund um den Indischen Ozean. Eine funktionierende Frühwarnung vor Tsunamis fehlte. "Bis dahin hatte die indonesische Regierung die Katastrophenvorsorge völlig vernachlässigt", sagte damals Erhard Bauer vom Deutschen Roten Kreuz, der die Geschehnisse von der indonesischen Hauptstadt Jakarta aus verfolgte.

Messstationen an gefährdeten Küsten

Ein vom Tsunami zerstörtes Haus in Indonesien 2004.

Knapp vier Wochen nach der Naturkatastrophe kündigte das Bundesforschungsministerium an, Deutschland werde ein System für den Indischen Ozean entwickeln und einrichten. Wissenschaftler am GeoForschungsZentrum (GFZ) in Potsdam entwickelten zusammen mit internationalen Experten das Hightech-Frühwarnsystem GITEWS (German-Indonesian Tsunami Early Warning System). Die Bundesregierung stellte für das Projekt mehr als 53 Millionen Euro bereit. Das Warnsystem stützt sich auf rund 300 Messstationen an den gefährdeten Küsten, die ihre Daten in Echtzeit an die Warnzentralen übermitteln. Bereits am 11. November 2008 wurde das Tsunami-Warnsystem samt seiner Zentrale in Jakarta offiziell in Betrieb genommen. Im März 2011 wurde es vollständig an Indonesien übergeben. Der Verantwortliche Betreiber des Systems ist seither der Meteorologische, Klimatologische und Geophysikalische Dienst in Jakarta. GITEWS bildet mittlerweile die Kernstruktur des jetzigen indonesischen Tsunami-Frühwarnsystems InaTEWS (Indonesian Tsunami Early Warning System).

Warnsystem GITEWS erkennt Erdbeben und Tsunamis

Seit der Inbetriebnahme von GITEWS konnten bereits tausende Erdbeben und mehr als zehn Tsunamis erfolgreich registriert werden. Die speziell entwickelte Software kann innerhalb weniger Minuten Lage und Stärke eines Erdbebens ermitteln. Doch nicht jedes Erdbeben löst einen Tsunami aus. "Wenn man sich nur auf die Erdbebeninformation konzentriert, ist es schwierig, vorherzusagen, ob sich daraus ein Tsunami generiert", sagt Geologin Ute Münch vom GFZ. GITEWS arbeitet deshalb mit verschiedenen Sensorsystemen.

So funktioniert das System GITEWS

Tsunami-Warnsystem GITEWS

300 vollautomatische, landgestützte Messstationen überwachen die Region rund um die Uhr. Über GPS (Global Positioning System) werden etwaige Erdverschiebungen ermittelt, sie könnten bereits die Vorboten eines Tsunamis sein. Registrieren lässt sich dieser mit Messungen im Ozean: Dazu wurden entlang der Küste Pegelstationen eingerichtet. Acht Schwimmbojen überwachen den Wellengang mit GPS-Antennen. Sie geben Alarm, wenn der Meeresspiegel plötzlich steigt oder fällt. Zusätzlich registrieren Druckmessgeräte am Ozeangrund jede Veränderung des Meeresspiegels. So lassen sich die Riesenwellen bereits kurz nach ihrer Entstehung orten. Per Satellit werden die Daten dann ins Warnzentrum in Jakarta weitergeleitet. Von dort gelangt die Warnung über fest geschaltete Telefonleitungen, SMS oder Satellitentelefon an festgelegte Ansprechpartner vor Ort, die dann mit Lautsprechern, Sirenen oder Trommeln Alarm schlagen. Weil die Vorwarnzeit vom Beben bis zur Welle kurz ist, musste die Bevölkerung auch in den entlegensten Regionen lernen, wie man bei einer Tsunami-Warnung reagiert. Auch hier halfen die Deutschen mit Katastrophenplänen.

Karten veranschaulichen Tsunami-Gefahr

"Wir müssen uns bemühen, eine Frühwarnung innerhalb der ersten fünf bis zehn Minuten zu produzieren, damit überhaupt noch eine Chance besteht, zu reagieren", erklärte der Projekt-Koordinator Jörn Lauterjung vom GFZ. Das System ist schlau: Es kann normalen Seegang von einer plötzlichen Tsunamiwelle unterscheiden. Und entsprechend der Ozeantopographie berechnet es, wann an welchem Küstenabschnitt mit welcher Gefährdung zu rechnen ist. Möglich ist dies, weil neben den aktuellen Messungen vorherige Tsunami-Verläufe in die Software einfließen. In Sekundenschnelle wird so deutlich, ob eine Welle lebensbedrohlich werden kann oder nicht. Allerdings kann das System nicht in allen Fällen verheerende Folgen verhindern. So gab es 2010 ein Erdbeben nahe den Mentawei-Inseln vor Sumatra mit einem Tsunami, bei dem rund 400 Menschen ums Leben kamen. "In diesem Fall ereignete sich das Erdbeben direkt vor der Küste, und die Vorwarnzeit war einfach zu kurz", erklärte Lauterjung.

Auch Europa von Tsunamis bedroht

Im Jahr 2008 erschütterte ein Seebeben die Insel Rhodos.

Die Inselrepublik Indonesien liegt mitten in einem berüchtigten Seebebengebiet: Hier schiebt sich die indoaustralische Platte unter die eurasische – sechs Zentimeter weit pro Jahr. Doch nicht nur im weit entfernten Indischen Ozean und in Japan, auch in Europa können Tsunamis auftreten. Italien und Griechenland sind besonders gefährdet. Hier brodeln nicht nur zahlreiche Vulkane, auch am Meeresgrund ist es alles andere als ruhig: Die afrikanische Platte schiebt sich dort unter die eurasische. Die Spannungen führen immer wieder zu starken Beben: 2003 war Algerien betroffen, 2008 die Ferieninsel Rhodos, 2009 Westgriechenland.

Tsunami-Frühwarnsystem für das Mittelmeer gefordert

Wissenschaftler haben die Errichtung eines Frühwarnsystems für Tsunamis im Mittelmeerraum gefordert. Es gebe die Erfahrung und auch die Instrumente, sagte Jörn Lauterjung, der Koordinator des deutsch-indonesischen Frühwarnsystems 2011 in Wien. Zwar habe das Mittelmeer in den vergangenen Jahren keinen Tsunami erlebt, jedoch dürfe die Gefahr einer Riesenwelle nicht unterschätzt werden. Ein Tsunami in der Region würde das Land sehr schnell - in vier oder fünf Minuten nach einem Erdbeben - erreichen, sagte Lauterjung. Was erschwerend hinzukommt: "Das Mittelmeer ist ein sehr kleines Meeresbecken. Egal, wo sich da ein Erdbeben ereignet oder ein Vulkan ausbricht, die Welle läuft sehr schnell an irgendwelchen Küstenzonen auf", erklärte Geologin Münch. In dieser Hinsicht ist die Mittelmeerregion durchaus mit Indonesien vergleichbar. Nur dass es im Mittelmeer noch kein so komplexes Frühwarnsystem wie im Indischen Ozean gibt. Aber immerhin: Seit 2005 können Tsunamis in Europa von der Zugpspitze aus mit dem Klimamessgerät GRIPS aufgespürt werden. Das System alleine ermöglicht es allerdings noch nicht, die betroffene Bevölkerung vor Ort im Falle eines Tsunamis zeitnah zu warnen.

  • "Tsunamis - Ursachen, Auswirkungen, Frühwarnung: 9. August 2017 um 19 Uhr, alpha-Campus AUDITORIUM, ARD alpha
  • Tsunamis: Können wir uns schützen? 9. Dezember 2015, 11.00 Uhr, Planet Wissen, ARD-alpha.
  • "Tsunami Frühwarnsystem": 11. März 2011 um 17.30 Uhr in "Schwaben & Altbayern aktuell - Abendschau", BR Fernsehen

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