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Hurrikan, Taifun und Zyklon Tropische Wirbelstürme wandern langsamer und werden gefährlicher

Tropische Wirbelstürme wie Hurrikane, Taifune und Zyklone ziehen langsamer weiter als früher, so eine aktuelle Studie. Und je länger sie über einer Region bleiben, desto katastrophalere Schäden können sie dort anrichten. Ein Beispiel: Hurrikan "Harvey" 2017.

Stand: 06.06.2018

Ein Mann und eine Frau waten am 27.08.2017 in Houston, Texas (USA), durch das die Straßen überflutende Wasser. Hurrikan «Harvey» hat im US-Staat Texas schwere Verwüstungen angerichtet und Überschwemmungen verursacht. (zu dpa «Tropensturm «Harvey» bringt Fluten und Verwüstung nach Texas» vom 27.08.2017) Foto: David J. Phillip/AP/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Bild: dpa-Bildfunk/David J. Phillip

Fünf Tage lang tobte Hurrikan "Harvey" 2017 über Texas, überflutete Houston und weite Landflächen mit Wassermassen. Dass "Harvey" so lange dort wütete, war kein Zufall, sondern eine mögliche Folge des Klimawandels. Das geht aus einer aktuellen Studie von James Kossin von der US-Behörde für Wetter und Ozeanografie (NOAA) hervor. Demnach ziehen tropische Wirbelstürme langsamer als früher weiter, wirken dadurch länger über einer Region und können so heftigere Regen- und Sturmschäden zur Folge haben.

Wirbelstürme ziehen weltweit langsamer weiter

Kossin schreibt in der im Fachjournal "Nature" im Juni 2018 veröffentlichten Studie, dass sich die Zuggeschwindigkeit der kräftigen Wirbelstürme zwischen 1949 und 2016 weltweit im Durchschnitt um zehn Prozent verringert hat. Wirbelstürme über dem westlichen Nordpazifik wanderten sogar um 20 Prozent langsamer, über den Ozeanen um Australien zögen sie um 15 Prozent langsamer weiter. Noch zögerlicher verlagerten sich Wirbelstürme über dem Festland in bestimmten Regionen: Um 30 Prozent im Bereich des westlichen Nordpazifiks, und um rund 20 Prozent über der nordamerikansichen Ostküste und Australien.

"Diese Trends erhöhen mit großer Wahrscheinlichkeit die örtlichen Niederschlagsmengen und Süßwasser-Überschwemmungen, was mit sehr hohem Sterberisiko einhergeht."

James Kossin, US-Klima- Ozeanbehörde NOAA

Klimaerwärmung schwächt Luftströme

Der Experte vermutet, dass die globale Erwärmung für dieses Phänomen verantwortlich ist. "Die beobachtete Verlangsamung um zehn Prozent geschah über einen Zeitraum, in dem der Planet sich um 0,5 Grad Celsius erwärmt hat", erläutert Kossin. Die Klimaerwärmung schwäche die gesamte tropische Luftzirkulation ab – und damit auch die Luftströme, die Wirbelstürme weitertransportieren. Außerdem steige durch die Erwärmung des Wassers, Wasserdampf auf, der wieder niederregnen kann. Davon seien alle Weltmeere mit Ausnahme des nördlichen Indischen Ozeans betroffen, so Kossin weiter.

Tropische Zyklone als verheerende Naturkatastrophen

In der zweiten Hälfte des Beobachtungszeitraums erhöhte sich die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein solcher Zyklon mit weniger als 20 Kilometern pro Stunde fortbewegt. Der Taifun Morakot über Taiwan wanderte 2009 sogar mit nur fünf Kilometern pro Stunde weiter. "Tropische Zyklone gehören zu den tödlichsten und teuersten Naturkatastrophen, weil sie nicht nur durch starke Winde zerstören, sondern auch durch Überflutungen und Schlammlawinen, die durch Sturmfluten und Starkregen entstehen", schreibt die Klimaforscherin Christina Patricola vom Lawrence Berkeley National Laboratory in einem Begleitartikel.

Prognose 2018: Etwas weniger stürmisch als vergangenes Jahr

Für die diesjährige Hurrikan-Saison über dem Atlantik, die im Juni 2018 beginnt, erwartet die NOAA bis zu vier schwere Wirbelstürme im Karibik-Raum und den USA. Zudem rechnen die Wetterexperten mit fünf bis neun etwas schwächeren Hurrikanen. Damit wird die Hurrikan-Saison in diesem Jahr vermutlich weniger zerstörerisch als 2017, das derzeit als verheerendste Hurrikan-Jahr seit 2005 gilt.

Wie Wirbelstürme und andere Wetterphänomene entstehen

  • IQ - Wissenschaft und Forschung: Wie sich der Klimawandel auf Hurrikane auswirkt. 28.09. um 18:05 Uhr, Bayern 2

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