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Trinkwasser in Bayern Aus der Tiefe in den Schlund

Hahn auf, Wasser marsch - direkt in unsre Kehle! Wir Bayern leben in paradiesischen Zuständen, was unser wichtigstes Lebensmittel angeht: Trinkwasser in Hülle, Fülle und Güte. Umsonst ist es trotzdem nicht - und könnte jetzt teurer werden.

Stand: 21.03.2017

Symbolbild: Bassin mit Trinkwasser | Bild: colourbox.com

Kaum jemand auf der Welt kennt den Luxus, dass aus dem Hahn Trinkwasser fließt. Wir werden hierzulande von der Natur verwöhnt: In Bayern strömt das kostbare Nass reichlich - und zum großen Teil von vornherein von hoher Güte. 92 Prozent unseres Wasser stammen aus dem Grundwasser, das der Boden für uns filtert und rein hält. Zu einem großen Teil so rein, dass es bereits Trinkwasserqualität hat. Bis das Wasser dann aus unserem Hahn fließt, legt es einen weiten Weg zurück. Und benötigt dafür eine aufwändige Infrastruktur:

Der Weg des Trinkwassers

Steigende Trinkwasserpreise in Bayern zu erwarten

Jeder Liter Wasser kostet ...

Bayerns Wasserleitungssystem ist in die Jahre gekommen: Das 115.000 Kilometer lange Leitungsnetz ist mancherorts bis zu hundert Jahre alt. Und muss dringend saniert werden, meint Markus Rauh vom Verband der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft bei einer Expertentagung im März 2014 in Coburg. Etwa ein Zehntel der Leitungen müsste in absehbarer Zeit saniert werden, mit 330 Millionen Euro pro Jahr an Kosten rechnet das Bayerische Umweltministerium.

Wasserpreise im Durchschnitt

Bayern: 1,55 € pro 1.000 Liter
Deutschland: 1,91 € pro 1.000 Liter
Stand: Juni 2016

Bislang sind wir Bayern beim Wasserpreis begünstigt: In vielen Gemeinden entspricht der Preis fürs frische Nass nicht den Kosten, die seine Bereitstellung verursacht, sondern wird durch anderweitige Querfinanzierung niedrig gehalten. Dadurch schwemmt das Wasser aber nicht genügend Geld in die Kassen der Kommunen, um Rohre, Pumpen und Hochbehälter ebenso frisch zu halten, wie wir das Wasser wollen. Auch der Freistaat Bayern werde zur notwendigen Sanierung des Wasserleitungssystems keine weiteren Zuschüsse mehr zahlen. Daher sollten wir Verbraucher uns auf steigende Wasserpreise einstellen, so die Meinung der Experten in Coburg.

Bayerns großer Durst

Bald aufgebraucht?

Eine Billion Liter (1 Milliarde Kubikmeter) Grundwasser fördert Bayern jedes Jahr allein für die Trinkwasserversorgung. Die goldene Regel bei der Grundwassernutzung ist: Nie mehr fördern, als sich neu bildet. Und keine Sorge: Jährlich entstehen in Bayern rund 15 Billionen Liter (15 Milliarden Kubikmeter) neues Grundwasser.

Rund 133 Liter Wasser nutzt jeder in Bayern pro Tag, um es zu trinken, sich selbst oder das Auto damit zu waschen, Spül- und Waschmaschine zu betreiben oder den Garten zu gießen. Für ganz Bayern ergibt das eine Gesamtmenge von knapp einer Billion Liter (eine Milliarde Kubikmeter) im Jahr, die die Wasserversorger zur Verfügung stellen - etwa der halbe Chiemsee.

In hoher Qualität aus der Tiefe

Wassertürme

Mehr als 10.000 Brunnen und Quellen holen für uns das Wasser aus der Tiefe, aus den Schichten, die Grundwasser führen. Manchmal wird das Wasser über mehr als hundert Meter hochgepumpt. Nicht nur das geförderte Wasser selbst wird nach den Trinkwasserrichtlinien kontrolliert, auch im Umfeld der Grundwasserbohrungen wird die Qualität des Grundwassers ständig überprüft. Wasserschutzgebiete um die Brunnen sollen die Güte des Grundwassers langfristig sichern.

Wasserschutzgebiete in Bayern

Zwei Drittel des geförderten Wassers sind tatsächlich so sauber, dass sie direkt in die Trinkwasserversorgung eingespeist werden können, ohne ein Wasserwerk zu passieren. In Hochbehältern und Wassertürmen wird das Wasser gespeichert, um den Wasserbedarf durchgehend und mit konstantem Wasserdruck bedienen zu können.

Weitere Wasserquellen

Nicht all unser Wasser kommt aus so großen Tiefen, dass wir es gleich trinken könnten. Ein Fünftel des Wassers wird in Bayern aus gefassten Quellen gewonnen. Hier stammt das Wasser aus Schichten, die sich näher an der Oberfläche befinden und nicht so gut gefiltert sind. Etwa vier Prozent werden über sogenannte Uferfiltrate gewonnen.

Das sind Brunnen, die in der Nähe von Flüssen angelegt werden. Die Fließstrecke zwischen Fluss und Brunnen reinigt das Wasser etwas. Doch die Qualität des Flusswassers ist ungeschützt. Weitere vier Prozent unseres Wassers werden Oberflächengewässern entnommen: Flüssen, Seen oder den beiden großen Talsperren Mauthausen und Frauenau. Auch dieses Wasser ist ungeschützt.

Bayerns Wasserversorgung

Rund 2.500 verschiedene Wasserversorgungsunternehmen versorgen Bayern mit Trinkwasser. Für die Sicherung der Qualität sind die Landratsämter zuständig: Ihre Gesundheitsabteilungen kontrollieren das Trinkwasser.

Ein Drittel des gesamten geförderten Wassers wird daher zunächst in den Wasserwerken aufbereitet, bis es die Qualität von Trinkwasser hat. Erst dann wird es in die öffentliche Wasserversorgung eingespeist.

Weite Wasserwege

Nicht immer wird das Wasser dort getrunken, wo es aus dem Boden geholt wird. In ganz Franken gibt es beispielsweise lange Fernwasserleitungen, um auch in Mangelzeiten ausreichend Trinkwasser zu haben. Auch München ist an eine Fernwasserleitung angeschlossen - allerdings aus völlig anderem Grund, denn Grundwasser gäbe es im Schotter um die Landeshauptstadt reichlich:

Alpenwasser in Münchner Kehlen

Münchens Trinkwasser

Münchens Frauenkirche

Frisch, rein und wohlschmeckend - so fließt das Münchner Wasser täglich aus den Leitungen. Trinkwasser von herausragender Qualität, werben die Stadtwerke zu Recht. Doch wissen Sie eigentlich, was der Münchner da so täglich in sich hinein- und die Abwasserleitungen hinunterkippt?

Alpines Labsal

Die Stadtväter beschlossen früh in weiser Voraussicht, das Wasser für München von weither zu holen: 1883 wurde die erste Wasserleitung aus dem Mangfalltal fertiggestellt. Seither laben sich die Münchner an frischem Quellwasser aus den Alpen, das Tropfen für Tropfen 40 Kilometer bis in die Stadt zurücklegt.

Vom Berg in die Badewanne

Achtzig Prozent des Münchner Leitungswassers kommen aus dem Mangfalltal. Seit den 1950er-Jahren speist dazu noch Grundwasser aus dem Loisachtal die Münchner Leitungen. Besonderes Schmankerl für München ist, dass das Wasser durch das Gefälle der Berge mit solch hohem Druck in die Stadt fließt, dass es völlig ohne Pumpen auch noch zu jeder Badewanne in den dritten Stock gelangt.

Literweise Luxus

Wenn es im Sommer besonders heiß und trocken wird, löscht zusätzlich Grundwasser aus der großen Schotterebene nordöstlich von München den Durst der Städter. Und München ist durstig: Hundert Milliarden Liter Wasser rauschen jedes Jahr durch ein Netz von Leitungen, das über 3.000 Kilometer lang ist. Und jeder Tropfen davon ist von hoher Qualität - ein schier unglaublicher Luxus.

Des einen Freud' ...

Wer Wasser braucht, verbraucht es auch. Nicht umsonst holt sich München das Wasser anderswo: Die Qualität des "eigenen" Grundwassers unter der Stadt ist längst nicht so gut. Doch während der Münchner das leckere Alpenwasser genießt, sorgt der Durst der Städter in der Ferne nicht nur für Freude: Dort nämlich, wo strenge Auflagen zum Schutz des Wassers wirken - in den Wasserschutzgebieten.

... ist des anderen Leid

So klagt etwa die Gemeinde Valley an der Mangfall darüber, dass ihre Bauern die Kühe nicht mehr auf die Weiden treiben dürfen. Neubauten sind verboten und selbst der Friedhof darf nicht mehr erweitert werden. Die Gemeinde fürchtet, dass es ihr einst ergehen könnte wie dem Nachbarn Thalham: Wo einst Bauernhöfe standen, ist jetzt nur mehr eine grüne Wiese zu sehen: eine Wasserschutzzone.

"Scho recht"

... denkt sich der Münchner morgens beim Zähneputzen, "Wasser ist ein kostbares Gut und muss geschützt werden!" Und dreht zwischendurch hoffentlich den Wasserhahn zu. Denn wer weiß, wie lange die paradiesischen Zustände in Bayern anhalten. Der Klimawandel hat die Alpen längst erreicht. Die Gletscher schwinden. Und wer weiß, wie viel Wasser die Mangfall noch hinunterplätschert.


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