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Tiere im Winter Dem Winter trotzen

Tiere, die sich im Winter nicht zurückziehen, sondern aktiv bleiben, haben zwei Hauptprobleme: die Kälte und das knappe Nahrungsangebot. Doch die Tiere haben sich angepasst, Strategien entwickelt und Tricks gefunden ...

Stand: 18.01.2019

Gefieder der Kanadagans hält bei Kälte im Winter warm. | Bild: picture-alliance/dpa

Das A und O beim Überleben in der Kälte ist gute Isolierung. Ein dicker Pelz mit dichter Unterwolle schützt vor Auskühlung. Vögeln hilft ihr Federkleid: Sie plustern sich auf, die Luftschicht zwischen den Federn wärmt sie wie eine Daunenjacke. Außerdem fetten sie ihre Federn gründlich ein - so kann kein Wasser durchdringen. Und die meisten Tiere, die dem Winter trotzen, vermeiden unnötige Anstrengungen. Das spart Energie und damit auch Futter.

Schrumpf-Kur im Winter

Waldspitzmaus

Eine besondere Strategie haben Waldspitzmäuse entwickelt. Sie schrumpfen im Winter. Das haben 2017 Forscher des Max-Planck-Instituts für Ornithologie herausgefunden. Die Schädelhöhe der nur zehn Gramm schweren Tiere nahm im Winter zwischen 15 und 20 Prozent ab, im Frühjahr wieder um 9 Prozent zu. Dazu verloren die Tiere rund ein Fünftel ihres Gewichts - um es dann im Frühjahr wieder zu verdoppeln. Die Waldspitzmäuse sind den ganzen Winter aktiv, haben einen hohen Stoffwechsel und leben nur knapp 13 Monate. Sie schrumpfen also nur einmal in ihrem Leben. Bisher war diese Strategie, geschrumpft durch den Winter zu kommen, unbekannt.

Vögel brauchen Abendessen

Blaumeise frisst im Winter lieber abends.

Der frühe Vogel findet den Wurm, frisst ihn aber erst am Abend. So lässt sich in Abwandlung des Sprichwortes das Fressverhalten von Vögeln im Winter beschreiben. Forscher der Universität Oxford haben mehr als 2.000 Singvögel mit Funktranspondern ausgestattet. Sie legten an mehreren Stellen morgens und nachmittags Futter aus und beobachteten das Verhalten der Vögel. Die meisten Futterstellen wurden von Meisen und Kleibern morgens entdeckt, blieben aber bis zum Abend unberührt. Ein Speckgürtel würde die Tiere langsamer und unbeweglicher machen und damit leichter zum Opfer von Räubern. Fressen sie dagegen rund zwei Stunden vor der Dämmerung, entgehen sie der Gefahr, in einer besonders kalten Winternacht zu viel an Gewicht zu verlieren und zu verhungern.

Warum bekommen Enten keine kalten Füße?

Enten stehen den ganzen Winter "barfuß" auf Eis oder paddeln durch eiskaltes Wasser. Unsereiner würde sich im Nu die Zehen abfrieren. Wie machen Enten das? Das Geheimnis lautet: kalte Füße! Die Füße sind nur sieben bis zehn Grad warm. So ist die Differenz zur Bodentemperatur und der Wärmeaustausch gering und die Enten empfinden die Kälte nicht als Kälte.

Flauschiges Fell und Abhärtung

Dichtes Fell und kalte Haxen

Ein dickes, flauschiges Fell - nur auf den Hufen nicht. Da wird's kalt. Aber steigt die Kälte von den Beinen nicht auch in den Körper hinauf? Nein, denn im Winter zirkuliert in den Beinen von Ziegen und Co nur wenig Blut. Das kühlt zwar schnell ab, der übrige Körper bleibt aber mollig warm.

Kuscheln gegen die Kälte

Irgendwann wird es den Huftieren aber doch zu kalt, um allein dem Winter zu trotzen. Damwild kuschelt sich dann ganz eng aneinander. Die Tiere halten sich gegenseitig warm. Außerdem schalten sie ihre "Standheizung" ein: Die Muskeln beginnen zu zittern und der Stoffwechsel läuft auf Hochtouren.

Frischluft schnuppern

An die Winterkälte muss man aber auch gewöhnt sein. Stalltiere wie Hasen können im Winter nicht Tag und Nacht draußen sein. Doch auch ihnen schaden ein paar Stunden Frischluft mit ein bisschen Bewegung am Tag nicht - Hunden und Pferden übrigens auch nicht. Die haben sogar besonders viel Spaß im Schnee.

Rotwild in schneereichen Wintern

Eigentlich sind Rehe, Hirsche und Gämsen gut an den Winter angepasst. Auch an schneereiche Winter: Die Wildtiere haben ein schützendes Fell und fressen sich Fettreserven für frostige Tage an. Diese zapfen sie nur an, wenn sie sich bewegen müssen. Die Körpertemperatur erhalten sie mit Verdauungsvorgängen im Pansen, dem Vormagen, aufrecht. Dazu brauchen sie im Winterruhemodus nur kleinste Mengen an Nahrung. Wenn viel Schnee fällt, kommen Wildtiere aber nicht mehr so leicht an das Futter heran, das Jäger vor Ort auslegen.

Rotwild verliert zunehmend Rückzugsmöglichkeiten

Schneereiche Winter können auch winterfestem Rotwild gefährlich werden.

Ein weiteres Problem ist der Verlust an Lebensraum. Normalerweise lebt Rotwild im Sommer in den Bergen und steigt im Winter in niedrigere Lagen ab. Da liegt meist kein Schnee und es sind kleine Futtermengen zu finden. Doch die Ausweichmöglichkeiten für die Tiere werden zunehmend verbaut und ihre Ruhe durch Wanderer, Biker, Skitourengeher und Schneeschuhwanderer gestört, die auch immer wieder abseits von Pisten und Wegen unterwegs sind. Werden die Tiere aufgescheucht und müssen durch hohen Schnee fliehen, verlieren sie extrem viel Energie.

Insekten mit eingebautem Frostschutz

Einige Insektenarten wenden einen ganz besonderen Trick gegen das Erfrieren an: Sie haben ein Frostschutzmittel in ihrer Körperflüssigkeit. Unter Baumrinden und Laubhaufen überwinternde Marienkäfer beispielsweise, kühlen bei Kälte aus und fallen in Winterstarre. Ihre Körpertemperatur kann dann unter null Grad Celsius sinken, ohne dass sie erfrieren. Ihr Trick: Sie produzieren körpereigenes Glycerin, das den Gefrierpunkt ihrer Körperflüssigkeit senkt. So kann der Marienkäfer auch bei strengem Frost überleben. Ähnliches gilt auch für den Borkenkäfer. "Der Borkenkäfer bereitet sich auf den Winter vor und besitzt ein körpereigenes Frostschutzmittel", erklärte eine Sprecherin der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft im Januar 2019 in Freising.

Tierische Ernährungstricks

Um im Winter genügend Nahrung zu haben, gibt es im Wesentlichen zwei Tricks: Vorräte anlegen oder Ernährung umstellen. Einige Tiere werden im Herbst hyperaktiv und legen emsig Vorräte für den Winter an: Eichelhäher, Feldmaus, Feldhamster, Eichhörnchen - sie alle sorgen vor. Insektenfresser, wie die Meisen, stellen ihre Ernährung um. Wenn sie keine Insekten mehr finden, fressen sie eben das, was die Natur noch hergibt: vegetarische Kost, Samen und Früchte – oft den ganzen Winter lang. Auch Bussarde stellen ihr Fressverhalten um. Im Winter sind sie oft am Straßenrand zu sehen. Sie warten dort auf eine "Fertigmahlzeit": ein überfahrenes Tier!

Insekten und Zecken im Winter

Blattläuse mögen's warm

Kälte macht Blattläusen den Garaus. Darum legen sie im Herbst noch schnell viele Eier ab, bevor sie erfrieren. Die Eier halten Nässe, Frost und tiefe Temperaturen problemlos aus. Im Frühling, wenn's warm wird, schlüpfen die kleinen Blattläuse. In warmen Wohnungen überleben Blattläuse übrigens einfach so auf unseren Topfpflanzen.

Einsamer Winter der Jungkönigin

Im Herbst stirbt die alte Wespenkönigin und damit löst sich auch der ganze Wespenstaat auf. In der Kälte sterben alle Arbeitswespen, nur die Jungkönigin überlebt den Winter, sie versteckt sich unter morschem Holz oder in Hohlräumen und verfällt in Winterstarre. So können ihr auch Minusgrade nichts anhaben.

Zecken lieben die Kälte

Erstaunlich, aber wahr: Je kälter ein Winter, desto mehr Zecken im Frühjahr. Denn nur bei Minusgraden fallen sie in die Starre und überdauern unbeschadet die tiefen Temperaturen. Ist der Winter warm und nass, bleiben Zecken aktiv und verhungern manchmal sogar: Ihre letzte Mahlzeit im Herbst reicht meist nicht bis zum Frühling.

Tödliches Schmuddelwetter

Für die meisten Insekten ist ein milder und feuchter Frühling tödlich. Dann sind die Krabbeltiere anfällig für Pilzkrankheiten und Bakterien.

Bitte nicht stören!

Jedes Mal, wenn Wildtiere gestört werden, müssen sie ihren Stoffwechsel hochfahren und verbrauchen viel Energie, die ihnen im weiteren Verlauf der kalten Jahreszeit fehlt. Deshalb gilt besonders im Winter: "Psst! Bitte nicht stören!"

  • Schrumpfende Mäuse im Winter: am 1. Dezember 2018 um 19.00 Uhr in "Gut zu wissen", BR Fernsehen
  • "Überleben im Eis und Schnee - Wie kommen Tiere durch den Winter?": am 16. Januar 2013 um 18.15 Uhr in "Xenius", ARD alpha
  • "In der Starre und im Schlaf - Wie Tiere überwintern": am 20. Dezember 2012 um 9.05 Uhr in "radioWissen", Bayern 2

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