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Nicht immer nur der Nase nach

Tierisch unterwegs Nicht immer nur der Nase nach

Stand: 12.04.2019

Straßenschild mit Fisch, Vogel und Fledermaus | Bild: BR

Viele Tiere wandern Tausende von Kilometern um die Erde, ohne sich auch nur einmal zu verlaufen, zu verschwimmen oder zu verfliegen. Manche reisen regelmäßig vom Nord- zum Südpol oder machen jedes Jahr Winterurlaub in Mexiko. Ob auf sechs Beinen, pelzigen Füßen, mit Flossen oder leichten Schwingen, ob allein oder im Schwarm: Tiere sind viel unterwegs. Ein paar Kuriositäten der tierischen Kinetik:

Winterurlaub in Mexiko - das Rimini der Monarchen

Starke Leitlinien: das Erdmagnetfeld

Erdmagnetfeld - die unsichtbare Landkarte

Seit den 60er-Jahren weiß man, dass viele Tiere sich am Magnetfeld der Erde orientieren. Während wir Menschen diese unsichtbare Kraft nur mit einem Kompass in der Hand nutzen können, scheinen Tiere oft einen eigenen magnetischen Sinn zu haben: Sogar Kühe, Rehe und Hirsche richten ihre Körperachse in Nord-Süd-Richtung aus. Wenn keine Hochspannungsleitungen sie verwirren.

Tauben unterwegs

Taube modern

Navigation mit Sonnenstand, Erdmagnetfeld oder nach Geruch? Pillepalle! Das ist im Tierreich ja nichts Neues. Das hat jede Taube aus dem Effeff drauf. Doch die moderne Stadttaube nutzt zur Orientierung auch moderne Mittel.

Stadtplan im Kopf

Forscher der Universität Oxford verfolgten rund fünfzig mit Peilsendern ausgerüstete Tauben auf ihrem Nachhauseweg. Offenbar sind die Tiere mit dem Straßen- und Eisenbahnnetz so gut vertraut, dass sie auf Reisen gerne darauf zurückgreifen - selbst wenn sie dadurch einen deutlichen Umweg fliegen müssen. Eine Taube flog entlang der Straße zum ersten Kreisverkehr, nahm die dritte Abzweigung, flog weiter entlang einer zweispurigen Straße bis zum nächsten Kreisverkehr und verließ dort die Straße, um weiter querfeldein zu fliegen, berichteten die Forscher. Sie vermuten, dass es den Tieren wahrscheinlich einfach geistig zu anstrengend sei, ständig ihre eingebauten Navigationsinstrumente zu betätigen.

Der siebte Sinn?

Doch wo sitzt der Kompass im jeweiligen Tierkörper? Seit vielen Jahren suchen Wissenschaftler fieberhaft nach den magnetischen Sinneszellen. Und finden diese an immer wieder überraschenden Stellen. Bei Regenbogenforellen etwa sind es Zellen der Riechschleimhaut, bei Monarchfaltern sitzen die Zellen dagegen in den Antennen, bei Brieftauben angeblich im Schnabel.

Zugvögel: Meister der Langstrecken-Orientierung

Routenplaner

Das Zugverhalten ist von Art zu Art unterschiedlich. Während Breitfrontzieher, wie zum Beispiel Baumfalken, ohne erkennbare Routenbildung in die Überwinterungsquartiere fliegen, haben andere Arten klar abgegrenzte Zugrouten. Ihr Flug folgt geografischen Landmarken, Fluss- oder Bergtälern und Meerengen. Hier treten die Tiere in Schwärmen mit sehr vielen Vögeln auf.

Langstrecken-Flieger

Einige in Deutschland heimische Kleinvogelarten legen auf ihrem Weg nach Afrika 3.000 Kilometer und mehr zurück. Mauersegler bringen es auf bis zu 1.000 Kilometer am Tag, ohne eine Trink- oder Fresspause einzulegen. Den Langstreckenrekord halten allerdings die Küstenseeschwalben, die zwischen ihren arktischen Brutgebieten und den Winterfutterplätzen in der Antarktis bis zu 20.000 Kilometer unterwegs sind. Und diese Strecke legen die Vögel zweimal im Jahr zurück.

Zugvogelarten

Typische Vertreter der Zugvögel in unseren Breiten sind Weißstorch und Schwarzstorch, Kranich, Wespenbussard, Kuckuck, Mauersegler, Rauchschwalbe, Brachvogel, Kiebitz, Singdrossel, Sumpfrohrsänger, Feldlerche, Fitis, Nachtigall und Hausrotschwanz.
Zu den Zugvögeln zählen zudem seltene Arten wie Schreiadler oder Rotmilane. Die Adler überwintern zum Beispiel in Afrika, die Rotmilane zieht es nach Spanien.

Orientierung

Wie die Zugvögel sich genau orientieren, ist noch nicht vollkommen erforscht. Bekannt ist, dass sich die Tiere im Flug anhand des Erdmagnetfeldes orientieren. Veränderungen am Magnetfeld können die Vögel in ihrem Auge wahrnehmen. Zudem haben sie eine Art erlernter Landkarte im Kopf, die ihnen als grobe Orientierung dient. Ob und wie sie sich an der Sternenkonstellation orientieren, ist noch nicht eindeutig geklärt.

Elektrosmog

Elektrosmog kann die Tiere durcheinanderbringen. Das haben Wissenschaftler der Universität Oldenburg in einer Studie vom Mai 2014 festgestellt. Selbst schwache elektromagnetische Felder, die von einfachen Elektrogeräten herrühren und nicht von Hochspannungsmasten oder Mobilfunknetzen, störten kurzfristig die Orientierung der untersuchten Rotkehlchen während der Zeit des Vogelzugs.

Wer nicht sehen kann, muss hören

Nur scheinbar lautlos flitzen Fledermäuse durch die Nacht. In Wirklichkeit brüllen sie in einem fort, manche sogar so laut wie ein startender Düsenjet. Doch da ihre Rufe im Ultraschallbereich ertönen, sind sie für uns nicht hörbar.

Auch Wale und Delfine nehmen hochfrequente Töne wahr und nutzen sie zur Orientierung und zum Auffinden ihrer Beute.

Orientierung ist die eine Sache: Routenplanung machen, Navi einschalten. Aber dann braucht es auch noch einen funktionierenden Verkehrsfunk, um nicht im Stau steckenzubleiben:

Staumanagement bei Ameisen

Stau auf der Ameisenautobahn

Wissenschaftler spalten Atome, fliegen zum Mond, erforschen die Meerestiefen - aber nach Feierabend zockeln alle zusammen regelmäßig im Stau nach Hause. Dieses Problem haben Ameisen eindeutig besser im Griff. Hohes Verkehrsaufkommen auf der A1? Bitte Gegenverkehr abdrängen!

Bitte dringend drängeln!

Was Autofahrer hoffentlich niemals tun, zeigt auf der dicht bekrabbelten A1 zwischen Futterplatz und Ameisenbau eine erstaunliche Wirkung. Ganz ohne Verkehrsmeldungen haben Ameisen ein Gespür dafür, wann eine Transportroute überlaufen ist und völliger Stillstand droht. In diesem Fall beginnen die Insekten automatisch, entgegenkommende Artgenossen auf eine Ausweichstrecke zu schubsen und damit den Hauptweg zu entlasten. Der naheliegende Sinn dieses Verhaltens: Nur ein reibungsloser Transport garantiert, dass der Ameisenhaufen immer ausreichend mit Nahrung versorgt ist.

Tintenfische: Wenn der Arm zum Bein wird

Flugs zum Zweibeiner

Wenn's gefährlich wird, nehmen Tintenfische die Beine in die Hand: Sie schlingen flugs sechs ihrer Arme um den Leib und flüchten als flotte Zweibeiner. Haben sie den Angreifer abgeschüttelt, geht's wieder langsamer und schwimmend voran.

Mit den elastischen Beinen

Amerikanische Forscher erwischten zwei Tintenfisch-Arten beim zweiarmigen Gehen auf dem Meeresgrund - Exemplare des indonesischen Kokosnuss- sowie des australischen Algen-Tintenfischs. Das überraschte die Forscherwelt, denn bisher glaubten Biologen, dass Gehen nur auf Gliedmaßen mit Knochen und Muskeln "geht". Die Fangarme der Tintenfische dagegen bestehen nur aus elastischen, mit Flüssigkeit gefüllten Muskeln.

  • Europas Vogelzug im Wandel? 12.04.2019 um 10:25 Uhr, BR Fernsehen
  • Von der Fledermaus zum Navi - Orientierungssysteme in Natur und Technik. 26.11.2018 um 09:30 Uhr, ARD-alpha
  • Was Tiere bewegt. W wie Wissen, 30.05.2018 um 16:30 Uhr, ARD-alpha
  • Begabte Flieger - Wann taugt ein Storch zum Anführer beim Vogelzug? IQ - Wissenschaft und Forschung, 28.05.2018 um 18:05 Uhr, Bayern 2
  • Highway der Schmetterlinge - Die Reise der Monarchfalter: am 30. Oktober 2017 um 10.25 Uhr in "Welt der Tiere", BR Fernsehen
  • Tauben: am 9. März 2017 um 13.45 Uhr in "Mit Tieren arbeiten, mit Tieren leben", ARD-alpha
  • Die fantastische Reise der Vögel. natur exclusiv, 18.02.2017 um 18:45 Uhr, BR Fernsehen