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Die Challenger-Expedition Zum tiefsten Punkt der Ozeane

Wie tief ist die Tiefsee? Gibt es dort Leben? Das sind im 19. Jahrhundert noch große Mysterien. Im Jahr 1872 bricht das britische Segelschiff Challenger zu einer Forschungsreise auf: Sie gilt als Beginn der modernen Meereskunde.

Stand: 20.08.2018

Die H.M.S. Challenger, ein britisches Segelschiff, ist von 1872 bis 1876 auf Forschungsreise über alle Weltmeere. Diese Expedition gilt als Beginn der modernen Meereskunde. | Bild: picture-alliance / United Archives/TopFoto

Im 19. Jahrhundert ranken sich Mythen um die Tiefsee. Niemand weiß, was sich dort unten verbirgt. Das zum Labor umgebaute Kriegsschiff H.M.S. Challenger begibt sich am 21. Dezember 1872 auf eine Expedition, deren einziges Ziel die Forschung ist: Physikalische Messungen von Wassertemperatur und Tiefe, Erkenntnisse zu Strömungen und Lichtverhältnissen, zur Beschaffenheit des Bodens der Tiefsee und zum vorhandenen Leben dort. Außerdem soll die Flora und Fauna der angefahrenen Küsten erfasst werden.

Die Bodenbeschaffenheit ist vor allem für die Telegrafie-Industrie interessant, die über Tiefseekabel die Kontinente verbinden möchte.

Die Reiseroute der Challenger-Expedition

Die Challenger macht auch Halt auf den Fidschi-Inseln.

Die Challenger befährt auf ihrer dreieinhalb Jahre dauernden Reise alle Weltmeere und legt dabei rund 130.000 Kilometer zurück.

Die Reise geht zunächst von England aus Richtung Süden, entlang der spanischen Küste, Richtung Madeira und Teneriffa und über den Atlantik in die Karibik. Nach einem kurzen Abstecher nach Halifax in Kanada geht es über den Äquator nach Bahia, heute ein Landesteil von Brasilien. Dort bleibt die Challenger fast einen Monat.

Weiter geht die Reise zum Kap der Guten Hoffnung, von dort aus weiter bis ins Polarmeer. Von Kapstadt bis nach Melbourne, Australien, brauchen sie viele Wochen. Die nächsten Stationen sind Neuseeland, die Fidschi-Inseln, Hongkong, Japan und Hawaii. Über Chile und die Magellanstraße geht es wieder Richtung Norden und schließlich zurück nach Portsmouth.

Wissenschaftliche Forschung an Bord

Wissenschaftler an Bord der Challenger.

Mit Schleppnetzen holen die Forscher Meerestiere an Bord, mit langen Seilen wird die Meerestiefe gemessen. Es gibt Mikroskope an Bord, die Wissenschaftler zeichnen, benennen und kartografieren. Ein entscheidendes Ergebnis ihrer Forschungen ist beispielsweise, dass es überhaupt Leben in der Tiefsee gibt, und zwar nicht zu knapp. Die Lote sind so konstruiert, dass sie Proben vom Meeresboden nach oben bringen können. In diesem Kalkschlamm kann man erkennen, dass auch dort Organismen leben.

Und es ist nicht nur die reine Arbeit an Bord, die so bedeutsam ist für die Wissenschaft. Zwanzig Jahre lang werden anschließend die gesammelten Daten ausgewertet und in fünfzig Bänden herausgebracht. Die Wissenschaftler entdecken Tausende neuer Arten von Meeresorganismen. Zeichnungen, die dabei entstehen, werden heute noch in Vorlesungen benutzt.

Der tiefste Punkt der Weltmeere

Im Jahr 1875, zwischen Guam und Palau, lotet die Challenger den bis dahin tiefsten Punkt der Ozeane, in 8.184 Metern Tiefe. Heute weiß man, dass diese Stelle im Marianengraben liegt. Inzwischen sind dort Stellen mit über 11.000 Metern Tiefe bekannt.

Die schwierigen Bedingungen, denen die Instrumente in dieser Meerestiefe ausgesetzt sind, beschreibt der Schiffsingenieur W.J.J. Spry folgendermaßen:

Forscher der Challenger beim Ablesen von Thermometern.

"In Folge des ungeheueren Druckes, welcher in dieser bedeutenden Tiefe auf den Thermometern lastete ... waren fast alle Instrumente zerbrochen; nur eines hatte den colossalen Druck überstanden ... wir machten dann noch drei weitere Versuche, um die Temperatur in dieser großen Tiefe zu bestimmen, doch holten wir die Instrumente jedes Mal in beschädigtem Zustande wieder an Bord."

Schiffsingenieur W.J.J. Spry

Am Ende werden rund zwei Grad am Meeresboden und knapp 28 Grad an der Wasseroberfläche gemessen.

Bedeutung für die heutige Forschung

Die Challenger befährt und vermisst damals alle Weltmeere und begründet damit die wissenschaftliche Meereskunde. Ausstellungsstücke dieser Expedition kann man bis heute in Museen in ganz Europa bewundern.

Die in dieser Zeit gesammelten Daten, zum Beispiel zu den damaligen Wassertemperaturen an der Oberfläche und in den Tiefen der Tiefsee, sind heute sehr aufschlussreich für Forscher, die sich dem Klimawandel widmen.

  • Die Challenger-Expedition - Zum tiefsten Punkt der Ozeane: am 20. August 2018 um 15.05 in radioWissen, Bayern 2.
  • Die Challenger-Expedition - Zum tiefsten Punkt der Ozeane: am 30. Juli 2018 um 9.05 Uhr in radioWissen, Bayern 2.

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