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Chinas Weltraumlabor Tiangong 1 ist in den Südpazifik gestürzt

Am Ostermontag stürzte das chinesische Raumlabor "Tiangong 1" nahe den Inseln von Amerikanisch-Samoa in den Südpazifik. Bis zuletzt war unklar, wann und wo genau die verbleibenden Trümmerteile auf die Erde treffen würden.

Stand: 03.04.2018

Eine grafische, undatierte Darstellung der chinesischen Raumstation Tiangong 1. Teile des 2016 außer Kontrolle geratenen chinesischen Raumlabors Tiangong 1 werden nach Einschätzung von Raumfahrtexperten voraussichtlich im März 2018 auf der Erde einschlagen. | Bild: CMSE/Europa Press/dpa

Kurz vor dem Wiedereintritt in die Atmosphäre hatte die chinesische Raumfahrtbehörde noch mitgeteilt, dass die Raumstation über dem Südatlantik vor der Küste der brasilianischen Stadt São Paulo abstürzen werde. Unmittelbar danach ging "Tiangong-1" dann am 2. April gegen 02.15 Uhr (MESZ) mitten über dem Südpazifik in den Sturzflug. Das US-Militär bestätigte, dass die chinesische Raumstation über dem Pazifik in die Erdatmosphäre eingetreten sei. Der chinesische Außenamtssprecher Geng Shuang sagte, die meisten Trümmer seien "verbrannt und verschwunden". China halte die Vereinten Nationen über die Lage auf dem Laufenden. Seines Wissens sei auf der Erde kein Schaden entstanden.

"Hätte gar nicht besser laufen können"

Radaraufnahme des Raumlabors Tiangong 1

Der Absturz sei mitten über dem Südpazifik nahe den Inseln von Amerikanisch-Samoa erfolgt, erklärte Holger Krag von der Europäischen Raumfahrtagentur ESA in Darmstadt. "Das ist so ziemlich das beste Gebiet, das man sich aussuchen kann von den Sicherheitsaspekten her." Die Überreste des Raumlabors fielen damit zufällig in der Region ins Meer, in der auch bei kontrollierten Abstürzen Weltraummüll entsorgt wird. "Es hätte gar nicht besser laufen können." Spektakuläre Bilder vom Funkenregen verglühender Teile gab es damit allerdings, anders als von einigen Astrofans erhofft, nicht.

Keine Schäden auf der Erde

Experten hatten geschätzt, dass etwa 1,5 bis 3,5 Tonnen des Raumlabors die Hitze beim Eintritt in die unteren Atmosphärenschichten überstehen und als kleine Stücke auf die Erdoberfläche fallen könnten, vor allem Teile aus Titan oder Edelstahl. Diese Materialien werden in der Raumfahrt für besonders stark belastete Tanks und Teile des Antriebssystems verwendet. Das Areal, in dem die Trümmer theoretisch hätten niedergehen können, war riesig. Darin befanden sich teilweise dicht besiedelte Länder wie China und Indien, größtenteils aber kaum oder gar nicht bewohnte Gebiete.

"Die Wahrscheinlichkeit von einem Trümmerteil verletzt zu werden, ist so hoch wie die Möglichkeit von einem Blitz zweimal in einem Jahr getroffen zu werden."

Holger Krag, Europäische Raumfahrtagentur ESA in Darmstadt

Keine Gefahr für Deutschland

Das Gebiet, in dem Tiangong 1 hätte abstürzen können - mit Angabe des 43. Breitengrads nördlich und südlich des Äquators.

Laut Holger Krag wäre der Absturz von Tiangong 1 in "einem Gürtel von 43 Grad südlich bis 43 Grad nördlich des Äquators mit allen Längen" möglich gewesen. Damit hätten die Trümmer alle Kontinente - bis auf die Antarktis - und alle Ozeane treffen können. Süditalien und Spanien waren als Randgebiete etwas mehr gefährdet. Ausgeschlossen war jedoch, dass Teile des "Himmelspalasts" in Deutschland, Österreich oder der Schweiz niedergegangen wären.

Kontrollverlust im Weltraum

Im Idealfall wird eine Raumstation, deren Nutzungszeit vorüber ist, nach einem genauen Plan über unbewohntem Gebiet zum Absturz gebracht. Bei Tiangong 1 brach aber im März 2016 der Funkkontakt zwischen dem Weltraumlabor und der Bodenstation ab. Damit war es dem Kontrollteam nicht mehr möglich, die Umlaufbahn des zwölf Meter langen Moduls anzuheben oder es kontrolliert zum Absturz zu bringen.

Seit Herbst 2016 kreiste das Raumlabor unkontrolliert um die Erde. Der Luftwiderstand in den oberen Schichten der Erdatmosphäre bremste den Flug, wodurch Tiangong 1 stetig an Höhe verlor. Damit Satelliten und Raumfahrzeuge - beispielsweise auch die Internationale Raumstation ISS - in einer erdnahen Umlaufbahn nicht an Höhe verlieren, müssen sie regelmäßige "Wiederauflade-Manöver" durchführen. Bis Dezember 2015 wurden diese Wartungsmanöver bei Tiagong 1 durchgeführt, um eine Betriebshöhe von 330 bis 390 Kilometern über der Erdoberfläche beizubehalten.

Chinas Außenposten im All

China schickt seit 2003 Taikonauten, chinesische Astronauten, in die Erdumlaufbahn. Das Weltraumlabor Tiangong 1 startete am 30. September 2011 von der Wüste Gobi aus ins All. Die Gesamtmasse des Raumfahrzeugs betrug beim Start 8,5 Tonnen einschließlich Treibstoff. Gleichzeitig laufen die Vorbereitungen für die erste eigene große Raumstation. China verfügt über einen eigenen Raumfrachter, den Tianzhou 1. Zudem wurden bereits zwei kleine Raumlabore, Tiangong 1 (2011 - 2018) und Tiangong 2 (seit 2016), ins All geschickt. Baubeginn für die geplante modulare große Raumstation soll 2019 sein. Der "Himmelspalast" soll mit rund 60 Tonnen aber deutlich kleiner sein als die ISS mit ihren 240 Tonnen. Die Raumfahrer werden dort mehrere Monate leben und arbeiten können. Bis 2022 soll die komplette Station aufgebaut sein. Würde die ISS 2024 ihren Dienst einstellen, hätte China die einzige Raumstation im All. Im September 2017 hieß es, dass auch europäische Astronauten für den Aufenthalt auf der Station trainiert werden, u. a. der deutsche Raumfahrer Matthias Maurer.

  • Weltraumschrott - Chinesisches Raumlabor stürzt auf die Erde. IQ - Wissenschaft und Forschung, 09.02.2018, 18:05 Uhr, Bayern 2
  • Außer Kontrolle – Chinas Raumstation stürzt ab. Gut zu wissen, 10.02.2018, 19:00 Uhr, BR Fernsehen
  • Absturz Tiangong 1. nano, 03.04.2018, 17:00 Uhr, ARD-alpha

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