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Teersand-Abbau Ölsand - ein schmutziges Geschäft

In Kanada lagern riesige Ölvorkommen in Form von Teersand. Das Öl wird in einem aufwändigen Verfahren aus dem lehmigen Sand gespült. Das kostet Unmengen an Energie, braucht viel Wasser und hinterlässt giftige Abwasserbecken.

Stand: 17.12.2014

Vor fünfzig Jahren wurde im Norden der kanadischen Provinz Alberta mit dem Abbau von Teersand zur Rohölgewinnung begonnen. Seitdem gab es immer wieder Klagen über die schädlichen Auswirkungen für die Umwelt, die über die massive Verschandelung der Natur weit hinausgehen. Eine neue Studie belegt, dass gefährliche Rückstände der Ölsandgewinnung die Gewässer in Nord-Alberta mit sogenannten PAKs (Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe), die krebserregend sein können, belasten.

Gigantische und giftige Abwasserbecken

Ein Umweltschützer protestiert gegen den Teersand-Abbau in Kanada

Vorkommen der Teersande gibt es vor allem in Kanada und Venezuela. Sie sind ein Gemisch aus Ton, Wasser, Rohöl und verschiedenen Kohlenwasserstoffen. Vereinfacht gesagt sind Teer- oder Ölsande eine Vorstufe von Erdöl. Im Tagebau auf einer Fläche von 142.000 Quadratkilometern – das entspricht der Größe von England werden in Kanada solche Teersand-Mischungen unter hohem Druck von Wasserdampf aufwändig abgebaut und an der Oberfläche gewaschen. Weil das Öl aber sehr versteckt in dieser Mischung ist, muss es mit Chemikalien aufbereitet werden.

Klimaschädliche Treibhausgasemissionen

Das beschert der Gewinnung von Öl aus Teersanden eine schlechte Umweltbilanz. Chemie und der enorme Energie- und Wasserverbrauch erzeugen über zwanzig Prozent mehr Treibhausgase als die konventionelle Förderung von Öl. Die Europäische Union erwägte deshalb immer wieder ein Importverbot von Öl aus Teersanden – allerdings ohne Erfolg. Vor allem Kanada kämpft für die Förderung. Kein Wunder, schließlich werden dort und in Venezuela rund zwei Drittel der weltweiten Reserven an förderbaren Teersanden vermutet.

Im Dezember 2014 hatte die EU die Hürden für die Nutzung und den Import von Teersand herabgesetzt. Ein entsprechender Gesetzesentwurf der EU-Kommission passierte das Europaparlament. Der zuständige Ausschuss des Parlaments hatte zwar empfohlen, die Vorlage abzulehnen, bei der Abstimmung kam die für ein Veto erforderliche Mehrheit allerdings nicht zustande.


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