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"Anti-Streber-Stipendien" Universität fördert Studenten mit Schwächen

Die Zeppelin-Universität am Bodensee unterstützt junge Leute, die einen ungeraden Lebenslauf haben. Der Gedanke dahinter: Wer Widerstände und Scheitern kennt, ist überzeugter von dem, was er macht. Die Stipendien sind begehrt.

Stand: 06.11.2014

Zeppelin Universität am Seemooser Horn in Friedrichshafen | Bild: picture-alliance/dpa

Von hundert Akademiker-Kindern schaffen gut zwei Drittel den Sprung an die Uni. Bei Schülern beispielsweise aus einer Facharbeiter-Familie sind es gerade mal 24 Prozent. Für mehr Chancengleichheit im Hochschulbetrieb vergibt die private Zeppelin-Universität in Friedrichshafen am Bodensee jährlich 24 sogenannte "Anti-Streber-Stipendien".

Stipendiaten mit "Brüchen" im Lebenslauf

Die Zeppelin-Universität am Bodensee gibt auch Facharbeitern-Kindern eine Chance.

An der Privat-Uni stehen für rund 1.200 Studenten Kultur-, Politik- und Wirtschaftswissenschaften zur Auswahl bereit. Es ist nicht ganz günstig hier zu studieren: Die Studiengebühren betragen pro Semester 3.500 Euro. Dafür besteht die Möglichkeit, sich um ein Diversitäts-Stipendium zu bewerben. Diversität, im Englischen "Diversity", bedeutet im wörtlichen Sinne mehr Vielfalt. Konkret gemeint ist damit, Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund zu fördern. Auf den Hochschulbetrieb in Friedrichshafen übertragen, heißt das, auch junge Leute mit Brüchen im Lebenslauf oder Handicaps wie Legasthenie können sich für diese Diversitäts-Stipendien bewerben.

Für Studenten aus Nicht-Akademiker-Familien

Diversität, Vielfalt, heißt das Zauberwort: Jeder Heranwachsense soll studieren dürfen.

Eine Auswahlkommission bestehend aus Professoren, Studierenden und Universitätsmitarbeitern entscheidet darüber, wer einen der begehrten 24 Stipendienplätze pro Jahr bekommen soll. Dabei legt die Kommission Wert darauf, Personen an die Universität zu holen, denen der Zugang oftmals verwehrt bleibt: Personen mit Zuwanderungsgeschichte, aus Elternhäusern, in denen noch nie jemand studiert hat, Sitzenbleiber oder welche, die die Ausbildung abgebrochen haben. Dahinter steckt die Überzeugung: Jedes Team braucht Menschen, die das Scheitern kennen. Denn dann verläuft auch die Diskussion im Seminar anders, als wenn nur Kinder aus Akademiker-Familien dort sitzen.

Die Plätze für eines der Stipendien sind gefragt. Mittlerweile bewerben sich drei bis fünf Mal so viele auf ein "Anti-Streber-Stipendium". Die ersten haben ihr Studium aufgenommen.


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