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Größter Stammbaum der Welt Gene für Lebensdauer nicht entscheidend

Aus 86 Millionen Online-Profilen haben Forscher den größten Stammbaum der Welt erstellt - und interessante Schlüsse daraus gezogen: Gene sind für die Lebensdauer weniger entscheidend. Und: bis 1850 wurden oft Verwandte geheiratet.

Stand: 05.03.2018

Ein amerikanisch-israelisches Forscherteam hat den weltgrößten Stammbaum zusammengestelltt (im Bild: Co-Autor Yaniv Erlich). | Bild: picture-alliance/dpa

Millionen Hobby-Ahnenforscher haben über Jahre der Webseite geni.com ihre Daten zur Verfügung gestellt. Ein amerikanisch-israelisches Forscherteam des Genome Center in New York hat diese Daten ausgewertet und die Ergebnisse im März 2018 im Fachmagazin Science veröffentlicht.

Grundlage der Auswertung waren Geburts-, Heirats-, Sterbedaten und -orte von insgesamt 86 Millionen Personen. Dem Forscherteam um die Mathematikerin Joanna Kaplanis gelang es, damit einen Stammbaum von 13 Millionen Menschen zu erstellen und über einen Zeitraum von 500 Jahren zurückzuverfolgen. Zum ersten Mal gelang es, die Verwandtschaft einer so großen Personenzahl über elf Generationen zurückzuverfolgen.

Lebensdauer - keine Frage der Gene

Nicht weniger erstaunlich sind die Erkenntnisse, die die Forscher mit dem riesigen Datensatz zutage brachten: Gene spielen für die Langlebigkeit eines Menschen demnach eine eher geringe Rolle. Nur um fünf Jahre können sie durchschnittlich das Leben verlängern. "Das heißt, manche Lebensentscheidungen fallen mehr ins Gewicht als die Gene", resümiert Yaniv Erlich, Co-Autor der Studie. Im Klartext bedeutet das: Der Lebensstil ist für ein langes Leben demnach ausschlaggebender als bisher angenommen.

Heiraten unter Verwandten - fehlende soziale Akzeptanz bringt die Wende

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Ein weiteres unerwartetes Ergebnis der Studie: In der Zeit zwischen 1800 und 1850 vergrößerte sich zwar der Umkreis, in dem Menschen ihre Lebenspartner fanden von acht auf 19 Kilometer. Trotz steigender Mobilität aber wurde bis 1850 noch gerne innerhalb der Familie geheiratet - im Durchschnitt einen Cousin vierten Grades. Die Forscher ziehen daraus den Schluss: Nicht die zunehmende Mobilität der Menschen sei dafür verantwortlich, dass ab dem 19. Jahrhundert nicht mehr unter Verwandten geheiratet wurde, sondern die ab diesem Zeitpunkt fehlende soziale Akzeptanz solcher Ehen. Ein weiteres interessantes Detail der Studie: In den vergangenen 300 Jahren haben mehr Frauen ihren Wohnort gewechselt als Männer. Wenn Männer migrierten, reisten sie jedoch weiter als Frauen.

Das Ziel der Studie

Mit ihrer Studie haben die Forscher bewiesen, dass die von Millionen von Menschen über soziale Plattformen zusammengetragenen Daten wissenschaftlich nutzbar sind. Bisher sei das Zusammentragen von großen Stammbäumen, die ganze Bevölkerungen erfassen, extrem arbeitsaufwendig und kompliziert, so die Forscher.

Einziges Manko der Studie: Die Daten stammen fast ausschließlich von Menschen aus Europa und Nordamerika. Informationen zu Menschen aus Afrika, Südamerika oder den Ureinwohnern Nordamerikas berücksichtigt die Studie kaum.

  • Ahnenforschung - Der Unmensch in uns: am 16.12.2017 um 16.30 Uhr, ARD-alpha

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