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"Pflanzen Arche Noah" Pflanzensamen aus dem Tiefkühlbunker auf Spitzbergen

Im Jahr 2008 wurde der Saatgut-Tresor, der "Global Seed Vault" auf Spitzbergen feierlich eröffnet. In der Kälte des Eises lagern Millionen Samen von Kulturpflanzen wie Reis, Weizen, Gerste oder Hirse. Sie sollen im Notfall zum Einsatz kommen.

Stand: 26.02.2018

Schon bald nach der Eröffnung waren Samen aus dem Saatgut-Tresor gefragt. Grund war der Krieg in Syrien. Bis 2012 war das Internationale Zentrum für landwirtschaftliche Forschung in Trockengebieten (Icarda), in dem Saatgut von 40 Staaten des Nahen Ostens gesammelt werden, in Aleppo beheimatet. Es wurde im syrischen Krieg schwer beschädigt. Fast alle Proben, auch hitzeresistente Getreidesorten aus dem Nahen Osten, konnten jedoch rechtzeitig nach Spitzbergen gebracht werden. Inzwischen war das Icarda nach Beirut verlegt worden. Dort wollten Wissenschaftler im Jahr 2015 zum ersten Mal Saatkörner aus Spitzbergen für die Neuaussaat nutzen.

"Der Saatgut-Tresor wurde 2008 in Betrieb genommen. Damals haben wir nicht damit gerechnet, dass so schnell ein Notfall eintreten könnte. Es ist das erste Mal, dass man uns bittet, eingelagerte Samen an den Auftraggeber zurückzuschicken. Das Internationale Zentrum für Agrarforschung in trockenen Regionen möchte Saatgut von Pflanzen zurückhaben, die im syrischen Bürgerkrieg vernichtet wurden. Damit soll die Saatgut-Sammlung wieder aufgebaut werden."

Brian Lainoff vom Global Crop Diversity Trust 2015 im Interview mit Journalist Michael Marek

Welttreuhandfond

Zuständig für den "Global Seed Vault" auf Spitzbergen ist der Welttreuhandfond für Kulturpflanzenvielfalt, der "Global Crop Diversity Trust". Das ist eine unabhängige internationale Organisation mit Sitz in Bonn. Sie und die norwegische Regierung wurden um Hilfe gebeten.

Vor allem Gerste, Weizen und Kichererbsen sollten in den Libanon und nach Marokko geschickt werden. Dort säten die Wissenschaftler die Samenkörner aus. Aus den Gewächsen wurden neue Sammlungen aufgebaut. 2017 konnten so wieder neue Samen zurück nach Spitzbergen geschickt und eingelagert werden.

Ein Tiefkühl-Tresor für Saatgut

Damit erfüllte der Saatgut-Tresor eine seiner wichtigsten Aufgaben zum ersten Mal: Er wurde gebaut, um die Kulturpflanzenvielfalt im Falle einer Katastrophe zu schützen.

Vereister Eingang zum weltweiten Saatgut-Lager

2008 wurde das einzigartige globale Saatgutlager – der "Svalbard Global Seed Vault" – eröffnet, in der Nähe von Longyearbyen auf Spitzbergen, gut 1.200 Kilometer entfernt vom Nordpol. Dort, im Permafrost, lagern im Inneren eines Berges im "Weltweiten Saatgut Tresor Spitzbergen" Millionen Samen von Nutzpflanzen.

Absicherung auf drei Arten

Tunnel, der zur globalen Pflanzen Arche Noah führt

In einem der drei Lagerräume werden hier bei minus 18 Grad Celsius die Keime von Pflanzen wie Reis, Mais, Bohnen und Kartoffeln gesammelt, eingefroren und für die Zukunft gesichert. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) schätzt 2018, dass rund 40 Prozent des weltweit eingesetzten landwirtschaftlichen Samenguts im Tresor auf Spitzbergen lagern. Zum zehnjährigen Jubiläum kommen nochmals mehr als 60.000 neue Samen aus 20 Genbanken weltweit dazu.

Die Samen seltener Weizen-, Hopfen-, Reis-, Maniok-, Bananen-, Kartoffeln-, Bohnen-, Linsen- und Kokosnussarten werden im Rahmen des Projekts von Pflanzenzüchtern kultiviert und dann in verschiedenen Institutionen untergebracht. Eine Probe bleibt in der Genbank des Heimatlandes, die zweite wird in einer Genbank gelagert, die internationalen Vorschriften genügt, und die dritte kommt nach Spitzbergen. Dort stehen die Regale mit Kunststoffboxen in denen wasserdicht in Aluminiumbeuteln verpackt, immer vierhundert Beutel mit Pflanzensamen lagern. Diese Samen dürfen im Notfall nur an die Eigentümer ausgehändigt werden.

Permafrost könnte auftauen

Zugefrorener Eingang – hoffentlich schmilzt das Eis nicht ...

Die Lagerhallen sind in 130 Metern Höhe, im Berg und versetzt angelegt. Das schütze sie und ihre Schätze vor Hochwasser, Raketenangriffen und sogar einem Atomkrieg, sagten die Konstrukteure bei der Inbetriebnahme des Stahlbetonbunkers. Allerdings befürchteten Kritiker schon zu Beginn, dass bei steigenden Temperaturen durch den Klimawandel der Permafrost auftauen könnte – das brächte durchaus Gefahren für die dort gelagerten Samen.

Deshalb wurde 2017 eine 24-Stunden-Überwachung des Speichers eingeführt. Zudem hat die norwegische Regierung eine Expertengruppe damit beauftragt, technische und bauliche Maßnahmen auszuloten, die den Tresor vor der Gefahr des schmelzenden Permafrosts schützen sollen.

Neuauflage der Arche Noah

Infos zur Datenbank

Hier geht's zur englischen Seite des Globalen Svalbard Samen-Tresors, die von der norwegischen Regierung betreut wird.

Norwegens ehemaliger Landwirtschaftsminister Terje Riis-Johansen nannte das Saatgutlager schon vor der Eröffnung "eine moderne Neuauflage der Arche Noah". Die afrikanischen Staaten lieferten als erste Samen ins neue Depot. Das Internationale Institut für Tropen-Landwirtschaft schickte 20 Kisten mit 7.000 Samenproben aus 36 afrikanischen Ländern ein.

  • "Schatzkammer für die Ewigkeit: Wie auf Spitzbergen Saatgut verwahrt wird": in "IQ - Wissenschaft und Forschung", Bayern 2, 16.02.2016, um 18.05 Uhr
  • "Samen-Tresor auf Spitzbergen": in "nano", ARD-alpha, 25.09.2015, um 16.30 Uhr
  • "Syrien geht das Getreide aus - Saatgutbank schickt erstmals Samen zurück": in "IQ - Wissenschaft und Forschung, Bayern 2, 25.09.2015, um 18.05 Uhr



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