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Liebesspiel der Spinnen Kein Safer-Sex im Spinnennetz

Verliebte Spinnen-Männchen sind sanft und sensibel. Vorsichtig zupfen sie im Herbst an den Netzen ihrer Angebeteten, um ihre Liebe zu zeigen. Ohne das Liebesspiel der Spinnen gäbe es bei uns im Herbst keinen Altweibersommer.

Stand: 16.07.2014

Herrenbesuch im Zuhause der Gartenkreuzspinne ist keine ganz einfache Sache. Schüchtern und zart "klopft" das Männchen an und zupft an einzelnen Fäden im Netz der rund doppelt so großen Angebeteten. Die ist sofort hellwach. Geweckt ist aber meist nicht ihre Lust, sondern erst einmal ihr Appetit. Schließlich ist sie eine Beutegreiferin, ihr Netz die tödliche Falle.

Liebe am seidenen Faden

Umgarnen und verschlingen

Das wird vielen Spinnenmännern zum Verhängnis. Denn bei mancher Spinnenart gehört auch das Männchen zur begehrten Beute - im doppelten Sinne: Manche Männchen werden nach dem Liebesspiel einfach von den Weibchen aufgefressen. Wenn sie ganz unvorsichtig sind, schon auch einmal davor.

Raffinierte Werbungsstrategien

Tautropfen auf Spinnweben

Um sich selbst zu schützen und dennoch fortzupflanzen, haben manche Spinnenmännchen raffinierte Strategien entwickelt. Springspinnen etwa werben mit einem ausgefallenen Balztanz, der die Weibchen besänftigen soll. Und einige Jagdspinnen sind besonders geschickt: Sie bringen der Erkorenen ein kleines Geschenk mit, ein Beutetier, dessen Verzehr ihnen Safer Sex garantiert.

Kurzes Vergnügen zu hohem Preis

Wespenspinnenpaar

Bei der Wespenspinne ist es eine Frage der Geschwindigkeit: Das Männchen muss schauen, dass es schnell weg kommt. Denn nach dem Liebesakt ist das Weibchen erst recht hungrig. Und das, obwohl das Liebesspiel dieser Spinnenart nur etwa fünf bis sieben Sekunden dauert.

Spinne kompakt

Spinnen sind übrigens keine Insekten - sie gehören gemeinsam mit Milben, Skorpionen und Weberknechten zu den Spinnentieren. Sie haben acht Beine, Insekten nur sechs.

Rund 40.000 Spinnenarten gibt es weltweit, etwa tausend davon bei uns. Alle in Bayern lebenden Spinnen sind für den Menschen ungefährlich.

Das Gartenkreuzspinnen-Männchen muss sich zugleich gedulden und sputen: Es zupft und zupft solange am Netz des Weibchens, bis die Auserkorene signalisiert, dass er als Liebhaber anerkannt ist. Das kann schon einmal eine Stunde dauern. Dann übergibt das Männchen dem Weibchen seinen in ein feines Netz-Paket geschnürten Samen und flitzt davon. Denn wenn der Spinnenmann nicht schnell genug ist, wird er in ihren Augen ganz schnell wieder zum leckerem Happen.

Doch hat er den kurzen Flirt überlebt, probiert er sein Glück gleich erneut: Balz und Paarung wiederholen die Gartenkreuzspinnen meist mehrfach. Das Weibchen legt dann die Eier in einen Kokon aus wollig-weichen Fäden ab. Im Spätherbst krabbeln die kleinen Spinnen aus dem schützenden Kokon. Und sorgen für ein besonderes Phänomen in dieser Jahreszeit: den Altweibersommer.

Was ist der Altweibersommer?

Milde Temperaturen

Wenn es im September und Oktober nochmal so richtig angenehm warm wird, dann ist er da: der schöne Altweibersommer. Aber warum heißt er eigentlich so? Ist älteren Damen die milde Herbstsonne so viel lieber als der heiße Sommer? Vielleicht. Aber mit Frauen hat der Altweibersommer dennoch nichts zu tun.

Elfenhaar

Das "weib" im Altweibersommer stammt vom althochdeutschen Verb "weiben", was so viel wie weben oder spinnen heißt. Und bezieht sich auf die vielen Spinnenfäden, die man zu dieser Zeit so oft im Gesicht spürt. Früher dachten die Menschen, dass diese Spinnenfäden Haare von Elfen oder Zwergen seien.

Schnelltransport

Es sind Flugfäden von frisch geschlüpften Jungspinnen. Millionen von ihnen hängen sich an sie an und segeln oft über hunderte Kilometer durch die Lüfte. Eine praktische Methode, um weite Strecken zu überwinden.

Pfui Spinne?

Obwohl die Spinnen in Deutschland alle ungefährlich sind, haben sie nur wenige Freunde. Dabei gehören sie zu den wichtigsten Nützlingen, die die Natur hervorgebracht hat. Spinnen vertilgen Jahr für Jahr Unmengen an Insekten und Käfern sowie Millionen an Stechmücken. Darum hoffen die Wildtierschützer auf zahlreichen Spinnennachwuchs im Herbst.

Spinnennetze - Meisterwerke voll Gefahr


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