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Space Mining Wie man aus Asteroiden Wasser gewinnen will

Asteroiden sind große Haufen aus Eis und Dreck im All. Sie enthalten wertvolle Rohstoffe, die Raumfahrt-Missionen in weiter Ferne ermöglichen könnten. Weltraumforscher haben ein Auge auf sie geworfen.

Stand: 22.05.2018

Illustration: Raumschiff tankt Treibstoff, Wasser und Sauerstoff an einem Asteroiden | Bild: colourbox.com; Montage: BR

Fangen wir von vorne an: Asteroiden sind große Felsbrocken, die durchs All flitzen. Manchmal geraten sie auf die schiefe Bahn und fallen auf die Erde. Ein solcher Einschlag hat wohl die Dinosaurier ausgelöscht. Soweit bekannt. Weniger bekannt ist, dass Asteroiden wertvolle Rohstoffe enthalten, die die Raumfahrt in ungeahnte Weiten befördern könnte.

Metalle, Wasser und Dreck

Mit Rohstoffen sind hier aber nicht nur seltene Erden gemeint, die für die Smartphone-Produktion benötigt werden, und Edelmetalle wie Gold und Titan. Es geht um lebenswichtige Rohstoffe wie Wasser und hilfreiche wie Dreck. Aus diesen Materialien bestehen nämlich Asteroiden: Aus Wasser in Form von Eis und Dreck. Verdampft man das Eis, bekommt man flüssiges Wasser, das man in Wasserstoff und Sauerstoff trennen und zur Treibstoffproduktion nutzen kann.

Tankstellen im Weltraum

Interessant ist das sogenannte Space Mining für die Raumfahrt, weil man dann für Raumschiffe eine Art Tankstelle im All hätte und gleichzeitig Wasservorräte. Die wären im All lagernd viel billiger als Wasservorräte, die von der Erde in den Weltraum transportiert werden müssten. "Ein Asteroid mit zehn Metern Durchmesser und nur zehn Prozent Wasseranteil ist rund 250 Millionen Dollar wert", rechnet Robert Jedicke, PanStarrs-Sternwarte Hawaii, vor. Dagegen kostet es rund 20.000 Dollar einen Liter Wasser ins Weltall zu befördern.

Auch der Asteroiden-Dreck ist brauchbar: Als Schutz vor kosmischer Strahlung von Raumschiffen und als Baumaterial auf dem Mars. Wenn man denn dort einmal hinkäme. Bislang ist das nicht möglich.

Asteroiden erhitzen

Lediglich ein paar klitzekleine Fragen müssten noch geklärt werden, bevor Asteroiden für die Raumfahrt nutzbar gemacht werden können: Wie erhitzt man die Felsbrocken im All? Wenn sich Kondenswasser bildet: Wie fängt man es auf? Wie bringt man schweres Gerät für den Asteroiden-Bergbau ins All? Und wie erkennt man überhaupt geeignete Asteroiden:

"Wir gehen davon aus, dass es mindestens tausend Asteroiden gibt, die fünf bis zehn Meter Durchmesser und die korrekte Gesteinszusammensetzung haben. Sie haben das Wasser, das wir brauchen, und sind von der Erde aus gut zu erreichen. Aber wie finden wir sie? Es gibt insgesamt 100 Millionen Asteroiden - wir wollen die passenden 1.000 finden. Wie? Daran forsche ich gerade."

Robert Jedicke, PanStarrs-Sternwarte Hawaii

Das Material-Verhalten der Felsbrocken könnte man an künstlich hergestellten Asteroiden der University of Central Florida testen. Zudem suchen zahllose Teleskope bereits den Weltraum nach den Steinbrocken ab, bestimmen ihre Flugbahnen und ihre Zusammensetzung. Man müsse vor allem die Suche nach solchen Asteroiden professionalisieren, die sich für Bergbau eignen, und die Software weiterentwickeln, sagt Robert Jedicke. Solche und andere Fragen diskutieren der Astronom und 62 andere Wissenschaftler im Mai 2018 am Institut für Astro- und Partikelphysik (MIAPP), Garching bei München.

Rechte im All

Neben praktischen Fragen gibt es auch rechtliche: Der Outer Space Treaty von 1967 regelt zwar, dass das All und die Himmelskörper der Menschheit gehören, also allen. Im Kleingedruckten wird es dann aber schwammig. Wem gehören beispielsweise Bodenschätze, die man auf Himmelskörpern findet? 1967 war das noch keine Thema. Inzwischen ist es eins. Vorreiter bei rechtlichen Regelungen sind die USA und Luxemburg. Als erstes Land in Europa hat Luxemburg 2017 den Abbau von Bodenschätzen im All gesetzlich geregelt und will damit Rechtssicherheit für Firmen schaffen, die Rohstoffe abbauen wollen.

  • Bergbau im All - Was sich Luxemburg vom 'Space Mining' erhofft: am 14. Juli 2017 um 18.05 Uhr, IQ, Bayern 2

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