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Solar Impulse 2 Mit Sonnenenergie rund um die Welt

Flugpionier Bertrand Piccard hat mit seinem Solarflugzeug Solar Impulse 2 die Welt umrundet. Mehr als ein Jahr und über 42.000 Kilometer war er bis Juli 2016 und mit seinem Partner André Borschberg unterwegs. Die letzte Etappe endete in Abu Dhabi, dem Ausgangspunkt der Reise.

Stand: 26.07.2016

Bertrand Piccard wollte nichts Geringeres schaffen, als mit einem kleinen Flugzeug, das von Sonnenenergie angetrieben wird, die Welt zu umrunden. Mit der Solar Impulse 2 ist er am 26. Juli in Abu Dhabi gelandet. Von dort war der Sonnenflieger vor mehr als einem Jahr, am 9. März, zu seiner Weltreise gestartet.

Unabhängig von Treibstoff

1999 wäre der Schweizer Flugpionier fast vom Himmel gefallen: Als Bertrand Piccard nach der ersten Nonstop-Ballonfahrt um die Welt in Ägypten landete, war der Propangas-Tank so gut wie leer. "Damals schwor ich mir, dass ich die nächste Weltumrundung unabhängig von Treibstoff machen würde." Und auf dieses Ziel arbeiten Piccard und sein Pilot André Borschberg seither unermüdlich hin - auch wenn es manchmal länger dauerte als geplant.

Start zur Weltumrundung im März 2015

Start der Solar Impulse 2 zur Weltumrundung am 9. März 2015 in Abu Dhabi

Vor mehr als einem Jahr startete Piccards Versuch der ersten Weltumrundung mit Sonnenenergie: Am 9. März 2015 hob die Solar Impulse 2 in Abu Dhabi am Persischen Golf ab - geplant zu einer 35.000 Kilometer weiten Reise um den Globus in zwölf Etappen. 25 Flugtage, verteilt auf einen Zeitraum von fünf Monaten, sollte das nur mit Sonnenenergie betriebene Flugzeug unterwegs sein. Und die Umrundung begann vielversprechend: Über Maskat im Oman ging es weiter nach Indien, Myanmar, China und Japan. Und dann im Juli 2015 in einem Rekordflug 8.300 Kilometer weit ohne Zwischenstopp bis nach Hawaii.

Lange Zwangspause auf Hawaii

Dort, mitten im Pazifik, ging der Solar Impulse 2 unerwartet der Saft aus: Die Batterien, die vier Elektromotoren mit dem aus Solarzellen gewonnenen Strom versorgen, überhitzten auf dem 188 Stunden dauernden Flug über den Pazifik und gingen kaputt. Es folgten acht Monate, in denen Piccard und sein Team das Solarflugzeug reparierten.

Am 21. April 2016 hob die Solar Impulse 2 endlich wieder ab: zum nächsten mehrere Tage dauernden Langstreckenflug über 4.000 Kilometer bis zum nordamerikanischen Festland. Die Pazifik-Überquerung galt als der gefährlichste Teil der Reise, weil die Strecke nur wenig Landemöglichkeiten bot. Am 24. April kam Piccard in Kalifornien an.

USA - Atlantik - Abu Dhabi

Sevilla: Landung der Solar Impulse 2 ...

Am 2. Mai ging die Reise weiter, in fünf Etappen durch die Vereinigten Staaten. Am 20. Juni begann der nächste Langstreckenflug: von New York über den Atlantik. Mehr als 5.000 Kilometer legte das Solarflugzeug am Stück zurück. Nach rund 71 Stunden Flug landete die Solar Impulse 2 im südspanischen Sevilla. "Ein Traum ist wahr geworden", schrieb das Team nach der begeistert gefeierten Landung. Damit war die erste Überquerung des Atlantiks durch ein sonnenbetriebenes Flugzeug gelungen. Nach der Landung in Kairo am 13. Juli fehlte nur noch das letzte Stück zum Ausgangspunkt der Reise: Abu Dhabi. Am 24. Juli machte sich Piccard mit seinem Sonnenflieger auf den Weg, um die Reise um die Welt zu vervollständigen. Am 26. Juli, nach rund 48 Stunden Flugzeit, war es geschafft: die Landung in Abu Dhabi. Auch den letzten der insgesamt 17 Flüge schaffte er ohne einen einzigen Tropfen Treibstoff.

"Die Zukunft ist sauber. Die Zukunft seid ihr. Die Zukunft ist jetzt. Lasst es uns einen Schritt weiterführen."

Bertrand Piccard nach der Landung in Abu Dhabi unter dem Jubel der Menschenmenge

Schwer wie ein Auto, breiter als ein Jumbo

Die Solar Impulse 2 wiegt nur so viel wie ein Auto. Ein Viertel des Gewichts machen die Batterien aus.

Besonders schnell ist Piccards Flugzeug nicht: Der Einsitzer kann eine Höchstgeschwindigkeit von 140 Kilometern pro Stunde und eine maximale Flughöhe von 8.500 Metern erreichen. Dafür wird kein Kerosin benötigt. Angetrieben wird die Solar Impulse 2 von vier Elektromotoren mit einer maximalen Leistung von je 15 Kilowatt. Den Strom dafür produzieren 17.248 Solarzellen, die Sonnenlicht einfangen und in Batterien speichern, so dass der Flieger auch nachts und bei schlechtem Wetter unterwegs sein kann. Diese Batterien sind so groß, dass sie ein Viertel des Gesamtgewichts der Solar Impulse 2 ausmachen. Dennoch wiegt das Flugzeug mit 2,3 Tonnen nur etwa so viel wie ein großer PKW. Seine Flügelspannweite von 72 Metern übertrifft dagegen sogar einen Jumbojet.

Schlafraubende Herausforderung

Cockpit der Solar Impulse 2

Der Pilot fühlt sich allerdings gar nicht wie im Jumbo: Nur 3,8 Quadratmeter misst das Ein-Personen-Cockpit. Im Vergleich zur Solar Impulse 1 bietet der Nachfolger aber mehr Komfort: Es gibt eine Toilette, einen Business-Class-Sitz, in dem sich der Pilot auch ausstrecken kann, und einen Autopiloten. Nur so sind Ozeanüberquerungen möglich, bei denen der Pilot sich mehrere Tage an Bord aufhalten und versorgen muss. Denn einen zweiten Piloten kann das Sonnenflieger-Modell nicht transportieren, dafür bräuchte es größere Batterien.

Evolution des Solarflugzeugs

Solar Impulse 2

Flügelspannweite: 72 Meter
Gewicht: 2,3 Tonnen
Solarzellen: 17.000 Stück
Elektromotoren: 4 Stück
Jungfernflug: 2. Juni 2014

Solar Impulse 1

Flügelspannweite: 63 Meter
Gewicht: 1,6 Tonnen
Solarzellen: 12.000 Stück
Elektromotoren: 4 Stück
Jungfernflug: 7. April 2010

Damit wird eine Weltumrundung zur spannenden Herausforderung für die Piloten: Für die weite Strecke über den Pazifik nach Hawaii im Juli 2015 musste der Pilot fünf Tage und Nächte am Stück im Cockpit durchhalten. Dafür hatten Piccard und sein Kollege André Borschberg intensiv trainiert: Atemübungen, Meditation und Selbsthypnose helfen, die langen Flugtage zu überstehen – mit nur zwei Stunden Schlaf am Tag, die auf Zwanzig-Minuten-Häppchen aufgeteilt werden.

"Wir haben eine nachhaltige Maschine, was die Energie betrifft. Jetzt müssen wir einen nachhaltigen Piloten entwickeln."

André Borschberg, zweiter Pilot der Solar Impulse

Langjähriger Traum vom Öko-Flieger

Stolz präsentierten Piccard (links) und Borschberg (rechts) am 9. April 2014 die Solar Impulse 2.

Seit rund einem Jahrzehnt bastelt der Schweizer Abenteurer und Psychiater mit einem rund achtzigköpfigen Team an der Verwirklichung seines Traums, die Welt allein mit der Kraft der Sonne zu umrunden. Dabei geht es Piccard nicht so sehr um den Rekord, sondern um die Botschaft:

"Wenn Leute mich fragen, ob ich Angst habe, in diesem Solarflugzeug zu fliegen, sage ich immer: 'Ich habe keine Angst, in dem Solarflugzeug zu fliegen. Ich habe Angst, in einer Welt zu leben, in der wir eine Million Tonnen Erdöl jede Stunde verbrauchen. Das ist total sinnlos.'"

Bertrand Piccard

Umweltfreundlich um die Welt

Bertrand Piccard im Cockpit der Solar Impulse 1

Mit der umweltschonenden Reise um die Erde soll die Erforschung von erneuerbaren Energien beflügelt werden. Das Team will demonstrieren, "wie saubere Technologie den Verbrauch der natürlichen Ressourcen und unsere Abhängigkeit von fossilen Energien verringern können". Bertrand Piccard, der abenteuerlustige Enkel des Stratosphärenforschers Auguste Piccard und Sohn des Tiefseepioniers Jacques Piccard, ist sich sicher: Eines Tages werden Sonnenflieger mit Geschwindigkeiten unterwegs sein, wie sie heute nur kerosinbetriebene Düsenjets ermöglichen. Und auch mit der entsprechenden Nutzlast.

"Von den Wright-Brüdern bis zu Flugzeugen mit 400, 500 oder gar 600 Menschen an Bord dauerte es nicht einmal 100 Jahre."

Bertrand Piccard

Solar Impulse 1 - die ersten Rekorde

Jungfernflug

Am 7. April 2010 hob die Solar Impulse 1 zu ihrem zweistündigen Jungfernflug über der Schweiz ab. Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von siebzig Kilometern pro Stunde flog sie bis zu 1.000 Meter hoch. Angetrieben allein durch die Energie der rund 12.000 Solarzellen auf ihren langen, dünnen Flügeln.

Nachts

Ein Vierteljahr später folgte der nächste spannende Schritt: Ein Nachtflug mit der Kraft der Sonne. Große Batterien an Bord des Solarflugzeuges speicherten so viel durch die Solarzellen produzierte Energie, dass die Solar Impulse 1 ganze 26 Stunden in der Luft blieb. Auch in stockfinsterer Nacht.

International

Im Mai 2011 folgte der erste internationale Flug - von Payerne in der Schweiz nach Brüssel in Belgien und wieder zurück. Hier zeigte sich aber auch, dass der Leichtbauflieger eine große Schwäche hat: Wind und Wetter machten der Solar Impulse 1 so schwer zu schaffen, dass der Start mehrfach abgesagt werden musste und Windböen vor der Landung die eine oder andere Warteschleife provozierten.

Interkontinental

2012 kam dann der erste interkontinentale Flug von der Schweiz nach Afrika und zurück: 6.000 Kilometer hin und zurück legte die Solar Impulse 1 in jeweils drei Etappen zurück.

USA

2013 überquerte die Maschine die USA. Für die mehr als 5.000 Kilometer von der West- zur Ostküste war die Solar Impulse 1 rund 105 Stunden in der Luft. Im Schnitt war sie 53 Kilometer pro Stunde schnell.

Solar Impulse 1: Erster Interkontinentalflug mit der Kraft der Sonne


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