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Seeadler in Bayern Der König der Lüfte

Mehr als eineinhalb Jahrhunderte galt der Seeadler in Bayern als ausgestorben. Das Blei der Jäger hat ihm den Garaus gemacht. Erst seit zehn Jahren ist der König der Lüfte zurück: 2017 brüten wieder 19 Paare in Bayern.

Von: Anne-Kathrin Gebert

Stand: 14.03.2017

Er ist der größte europäische Adler: der Seeadler. Mit einer Flügelspannweite von bis zu 2,50 Meter gleitet er majestätisch durch die Lüfte und nutzt die Aufwinde zu einem energiesparenden Höhenflug. Lange war er in Bayern ausgerottet: Um 1850 brütete zum letzten Mal ein Seeadler-Paar in Bayern, zu einer Zeit als die meisten bayerischen Wildtiere ausgerottet wurden.

Zwei junge Seeadler - die Sensation in Bayern

Ein erfolgreiches Artenhilfsprogramm brachte den ersten Bruterfolg.

Seither gab es hier nur einzelne durchziehende oder überwinternde Tiere im Donaumoos, am Chiemsee und am Inn. Zwischen 1997 und 2007 wurde ein erfolgreiches Artenhilfsprogramm in Bayern aufgelegt, um den Bruterfolg zu erhöhen. Die Vogelschützer haben den Adler gerettet. Gut eineinhalb Jahrhunderte nach der letzten erfolgreichen Brut berichteten sie von einer Sensation: Im Frühjahr 2006 zog ein Seeadlerpaar, das seit 2004 am Altmühlsee bei Gunzenhausen ansässig war, erstmals zwei Jungvögel groß.

Seeadler sehen - auf der Vogelinsel Altmühlsee

Der Landesbund für Vogelschutz (LBV) betreibt am Altmühlsee eine eigene Umweltstation. Im LBV-Infohaus können Sie sich vor Ort informieren und auf der Vogelinsel viele seltene Arten beobachten:

Seeadler-Nachwuchs mit jungen Eltern

Das Adlerweibchen war zum Zeitpunkt der ersten Brut erst fünf Jahre alt - für Seeadler also gerade erst geschlechtsreif. Dies war, vermutete Richard Brode vom Landesbund für Vogelschutz (LBV), auch der Grund dafür, weshalb die mächtigen Vögel nicht schon in den beiden Jahren zuvor für Nachwuchs gesorgt hatten.

Seeadler willkommen

Seeadler-Paare sind sich ein Leben lang treu.

Ausgewachsene Jungadler verlassen ihre Heimat, um sich selbst einen Lebensgefährten und ein eigenes Revier zu suchen. Haben sie Partner und Revier gefunden, so sind sie ihnen ein Leben lang treu. Nach Angaben des Landesbund für Vogelschutz leben derzeit 19 Paare in Bayern, die meisten davon in der Oberpfalz (Truppenübungsplatz Grafenwöhr) und am Unteren Inn. (Stand: Februar 2017)

Das Bayerische Landesamt für Umwelt zeigt anhand einer geografischen Karte die Verbreitung und die Bestandssituation des Seeadlers: Fundorte in Bayern.

Das Wichtigste für Seeadler: Ruhe

Seeadler sind sehr empfindlich gegenüber Störungen. Die größte Gefahr droht ihnen durch Menschen, die dem Horst zu nahe kommen. Dann besteht sogar die Gefahr, dass die Adler die Brut abbrechen, wie mehrfach am Chiemsee geschehen. Deshalb werden Nisthilfen und Schutzzonen rund um bewohnte Horste angelegt, um mögliche Störungen der scheuen Tiere während der Balz- und Aufzuchtzeit zu minimieren.

Steckbrief des Seeadlers

Lebensraum

- Wald-Seen-Landschaften

- benötigt alte, hohe Bäume (Buche, Kiefer) für Horstbau mit freiem Anflug auf den Baum

Verbreitung

Europa: von Norwegen bis Nord-Griechenland

Deutschland: vor allem in Mecklenburg-Vorpommern und der Oberlausitz in Sachsen

Bayern: 19 Paare, v. a. in der Oberpfalz und am Unteren Inn; ein Brutpaar seit 2005 am Altmühlsee, mehrfach kurze Ansiedlungen am Chiemsee (Stand: Februar 2017)

Merkmale

- braunes Gefieder; Kopf, Hals, Brust und Rücken heller

- weißer Schwanz

- größter heimischer Greifvogel

- Flügelspannweite: bis ca. 2,50 Meter

- Gewicht: ca. vier bis sieben Kilogramm

Nahrung

- Fleischfresser: vor allem Fische und Wasservögel, frisst aber auch Aas

Lebensweise

- vielseitige Jagdmethoden, auch Rüttelflug und Sturzflüge aus großer Höhe

- reviertreu

- Paare bleiben lebenslang zusammen

- baut riesige, schwere Nester auf hohen Bäumen (ca. zwei Meter Durchmesser und ebenso hoch)

- eine Brut pro Jahr mit zwei bis drei Eiern

Die große Gefahr für Seeadler: Blei

Da sich Seeadler im Winter von den Innereien erlegten Wildes ernähren, nehmen sie Blei aus der Jägermunition auf. Die Seeadler erblinden, ihre Blutbildung wird beeinträchtigt und die Vögel sterben sehr schnell. Und das so häufig, dass Bleivergiftung inzwischen die häufigste Todesursache von Seeadlern in Deutschland ist.

"Mehr als fünfzig Prozent der toten Seeadler hierzulande sind bleivergiftet", sagt der Biologe Helmut Brücher vom Naturschutzbund Deutschland. In Kalifornien und Japan ist bleihaltige Munition längst verboten, um Kondor und Riesenseeadler zu schützen. Doch das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz macht bislang den Weg für eine gesetzliche Regelung zur Umstellung auf bleifreie Jagdmunition nicht frei. Je nach Bundesland oder sogar Forstamt wird das unterschiedlich gehandhabt, auch in Bayern. Bislang (Stand 2016) ist bleihaltige Büchsenmunition nur in Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg vollständig verboten.

Seeadler und andere Adler in Deutschland

In Deutschland gibt es vier Adlerarten. Heute leben wieder etwa 700 Seeadlerpaare in Deutschland (Stand 2017). Die Verbreitung reicht von Schleswig-Holstein und Niedersachsen über Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg bis Sachsen-Anhalt, Sachsen und Bayern. Der Fischadler hat 480 Brutpaare in Deutschland, mit Schwerpunkt in Ostdeutschland. Der gefährdetste Adler ist der Schreiadler, der in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern vorkommt. Sein Bestand liegt aktuell bei ungefähr 100 Brutpaaren. Der seltenste, aber stabilste, ist der Steinadler. Mit 45 Brutpaaren ist er in den bayerischen Alpen zuhause.

(Quelle: Naturschutzbund Deutschland - NABU)

  • "Wie der Seeadler fliegt": am 14. September 2017 um 14.30 Uhr in "Anna und die Haustiere", ARD alpha
  • "Das leise Aussterben: Wie Tierarten unbemerkt verschwinden": am 29. November 2016 um 22 Uhr in "Faszination Wissen", BR Fernsehen

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