Wissen


8

Schlafstörungen Schlaf messen daheim statt im Schlaflabor

Daten sammeln für die Schlafforschung. Das wollen Wissenschaftler mit dem sogenannten Aktimeter. Das Gerät zeichnet mit einfachen Mitteln individuelle Schlafmuster auf. Und zwar daheim, nicht im Schlaflabor.

Stand: 25.01.2018

Verschiedene Aktimeter-Modelle zur Schlafmessung | Bild: Luisa K. Pilz und Lena K. Keller / Medizinische Psychologie, LMU

Erstmal vorneweg: Von Schlafstörungen spricht man, wenn ein Mensch jede Nacht schlecht schläft, und das mehr als zwölf Wochen lang. Meist geht man dann zum Arzt und lässt sich durchchecken. Es gibt rund 80 Ursachen für chronische Schlafstörungen: zum Beispiel organische Probleme wie hoher Blutdruck, psychische Krankheiten wie Depressionen, Mineralstoffmangel oder falsche Ernährung. Besteht ein Verdacht auf organisch bedingte Schlafstörungen oder sind die Ursachen unklar, führt der Weg meist ins Schlaflabor. Rund eine Stunde dauert es, bis alle nötigen Elektroden und Kabel am Patienten angebracht sind und er beim Schlafen überwacht werden kann. Unter Laborbedingungen, versteht sich.

Handlich: der Aktimeter

Schlafforscher Dr. Eva Winnebeck und Professor Till Roenneberg, LMU, mit Aktimetern am Handgelenk.

Das könnte für Betroffene künftig vielleicht einfacher und gemütlicher werden. Eine Arbeitsgruppe um Professor Till Roenneberg und Dr. Eva Winnebeck von der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) hat im Zuge des "Human Sleep Project" eine neue Mess-Methode entwickelt, die daheim angewendet werden kann. Die Forscher nutzen ein Gerät am Handgelenk, um Schlafmuster aufzuzeichnen.

Der sogenannte Aktimeter oder auch Aktometer kann außerhalb eines Schlaflabors, unter realen Bedingungen und über mehrere Monate körperliche Bewegungen und Ruhephasen messen. Das ist aufschlussreich, weil Menschen auch im Schlaf keine Ruhe geben. Roenneberg nutzt Aktimeter, um Schlafmuster im Kontext zu messen und um generell mehr darüber herauszufinden, wie Menschen schlafen. Aktimeter funktionieren ähnlich wie Fitnessarmbänder und -uhren, sammeln Daten aber "transparent", sagt Roenneberg.

Wie Schlafentzug wirkt

Ein erholsamer Schlaf ist nicht nur angenehm, sondern auch gut für die Gesundheit und verschiedene Körperprozesse. Das Gehirn braucht Schlaf, um Erlebtes abzuspeichern. Übermüdung schwächt langfristig das Langzeitgedächtnis. Studien haben zudem ergeben, dass Menschen, die zu wenig schlafen, wie Betrunkene reagieren. Neben Konzentrationsmangel hat Schlafentzug auch Folgen für die Psyche: Unsere Risikobereitschaft ist größer, unser Augenmaß dabei aber kleiner, Argwohn und Streitlust nehmen zu.

LIDS statt REM

Für die Aktimeter-Studie, haben die Chronobiologen 573 Personen im Alter von 8 bis 92 Jahren untersucht und mehr als 16.000 Schlafepisoden ausgewertet. Dabei fielen Bewegungsmuster auf, die sich etwa alle 90 Minuten wiederholen. Die Forschern haben diese "Locomotor Inactivity During Sleep" (LIDS) getauft. Das Auf und Ab der LIDS gleicht den sogenannten REM- und Non-REM-Zyklen, die sich beim Schlafen mehrfach abwechseln. Die REM- und Non-REM-Phasen können nur im Schlaflabor mittels EEG gemessen werden, das LIDS-Muster dagegen mit Aktimeter daheim.

Big Data für die Schlafforschung

"Das ist der Versuch, Schlaf oder die Schlafforschung der Big Data Bewegung zu eröffnen. Jetzt wird hoffentlich Schlaf objektiv verwendbar. Jetzt haben wir mehr Informationen, um hoffentlich an viele Daten zu kommen und dadurch viele neue Erkenntnisse zu gewinnen. Es geht hier erstmal um Grundlagenforschung. Wir wissen leider über den Schlaf immer noch sehr wenig, gerade weil er bisher relativ aufs Labor beschränkt war."

Eva Winnebeck, Institut für Medizinische Psychologie, LMU

Schichtarbeiter schlafen bewegter

Die Studie hat auch ergeben, dass sich Schichtarbeiter mit unregelmäßigen Schlaftzeiten im Schlaf mehr bewegen als Tagarbeiter mit regelmäßigen Schlafzeiten. Beim Vergleich der Altersgruppen fiel auf, dass sich jüngere Personen im Schnitt mehr bewegten als ältere - vor allem bevor sie aufwachten.


8