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Namibische Spurenleser Fußabdrücke in den Pyrenäen lesen

In den Höhlen der französischen Pyrenäen gibt es gut erhaltene Fußspuren aus der Steinzeit. Wissenschaftler haben sich namibische Buschleute vom Volk der San nach Europa geholt. Gemeinsam haben sie diese Spuren untersucht.

Stand: 17.07.2013

Die namibischen Buschleute Thui Thao (v-l), Uli Kxunta und Tsamkxao Cligae bei ihrem Besuch im Neanderthal-Museum in Mettmann | Bild: Horst Ossinger/picture-alliance/dpa

Bis zu 18.000 Jahre alt sind die Fußabdrücke von Eiszeit-Jägern in den südfranzösischen Höhlen. Sie sind extrem gut erhalten, weil es in den Höhlen keinen Wind und keine Erosion gibt. Der Prähistoriker Andreas Pastoors vom Neanderthal-Museum in Mettmann und der Felsbildarchäologe Tilman Lenssen-Erz von der Forschungsstelle Afrika der Universität Köln hofften, dass sich aus den Spuren auch nach so langer Zeit noch neue Erkenntnisse gewinnen lassen. Das bislang einmalige Forschungsprojekt "Tracking in Caves" wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert.

Wenn Wissenschaftler nicht mehr weiterwissen

Eine vermutlich 2.000 Jahre alte Höhlenmalerei der San zeigt Tierdarstellungen.

Da sie alleine nicht weiterkamen, haben sie sich Unterstützung von den besten Fährtenlesern der Welt geholt: den San, einem Volk aus Namibia. Eigentlich setzen die San, die ausschließlich in einer Klicklautsprache sprechen, ihre Kenntnisse hauptsächlich dazu ein, Touristen bei der Großwildjagd behilflich zu sein. Rund zwei Wochen haben die drei Buschmänner aus der Kalahari Zeit gehabt, um vier von zehn Höhlen rund um Tarascon-sur-Ariège in Südfrankreich zu untersuchen: Die Höhlen Pech Merle, Fontanet, Niaux, Tuc d'Audoubert sind für ihre Malereien und Fußabdrücke bekannt.

Details aus Fußabdrücken herauslesen

Die namibischen Buschleute bei ihrem Besuch im Neanderthal-Museum in Mettmann

Während die deutschen Wissenschaftler sagen können, ob es sich bei den Fußspuren um einen rechten oder linken Fuß handelt, oder die Füße genau vermessen, können die San weitere Details aus den Spuren ablesen: Ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt, wie alt der Mensch war, ob er etwas Schweres getragen hat oder möglicherweise sogar krank war. Denn die Spuren sind so gut erhalten, dass sogar Fußnägel erkennbar sind.

Neue Erkenntnisse über Urmenschen

Erste Ergebnisse liegen vor: So sprechen die Fußspuren etwa in der Höhle von Niaux nicht für eine gebückte Haltung, obwohl die Höhle eine niedrige Decke hat. Die San fanden heraus, dass ein etwa zwölfjähriges Mädchen dort aufrecht gegangen sein muss. Ein Fußabdruck in der Höhle von Fontanet galt bisher als der einzige Abdruck aus der Eiszeit von einem beschuhten Fuß. Die San-Jäger kamen zu einem anderen Schluss: Auch dieser Abdruck stamme von einem barfußgehenden Menschen - sie erkannten Zehenabdrücke.

Indigenes Wissen nutzen

Die beiden Projektleiter Andreas Pastoors (l) und Tilman Lenssen-Erz auf der Pressekonferenz in Köln

In den 1920er-Jahren fingen Archäologen an, Alter, Größe und Geschlecht der Menschen durch die Vermessung der Spuren zu entschlüsseln. Zumeist wurden die Abdrücke aber mit rituellen Handlungen in Verbindung gebracht. Diese Spekulationen widerlegten die Buschleute: In der Höhle von Tuc d'Audoubert lasen sie aus den Fußspuren, dass ein etwa 38-jähriger Erwachsener mit einem etwa 14-jährigen Kind dort Lehm abgetragen hatte. Bisher hatten Forscher von den Spuren auf einen rituellen Tanz mehrerer Jugendlicher geschlossen.


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