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Quecksilber im Permafrost Giftstoffe gelangen durch Klimawandel in die Natur

Im arktischen Permafrostboden lagern riesige Mengen Quecksilber. Durch den Klimawandel und die Erwärmung taut der Boden auf und große Mengen des Gilfts gelangen in die Umwelt.

Von: Renate Ell

Stand: 28.03.2018

Permafrostboden nach dem Schmelzprozess im Fruehjahr, Norwegen, Spitzbergen | Bild: picture-alliance/dpa

Die eisbedeckten Polkappen scheinen weit weg zu sein von Städten, Autos und Industrie. Trotzdem sind sie nicht unberührt von dem, was in Industrieregionen passiert. Denn viele Umweltgifte sind in den gefrorenden Böden, den sogenannten Permafrostböden, eingelagert. An erster Stelle das hochgiftige Quecksilber. Nachweisbar ist es zum Beispiel im Blut verschiedener Robben-Arten, die in der Antarktis leben.

Robben leiden am Klimawandel und vergiften sich mit Quecksilber

"Es gibt einen Zusammenhang zwischen Robbenjungen und ihren Müttern: Stark belastete Mütter bringen Junge zur Welt, die schon viel Quecksilber im Blut haben."

 Justine Thébault, Verhaltensökologin an der Universität Gießen

Viel Quecksilber in Polarregionen

Das Meer im Süden der Antarktis ist stärker mit Quecksilber belastet als die bewohnten Küsten. Die Polarregionen der Erde bergen riesige Mengen des Schwermetalls. Es gelangt in gasförmigem Zustand mit Luftströmungen dorthin. Und wenn es dort nach der monatelangen Polarnacht wieder hell wird, dann schnappt eine Art Quecksilber-Falle zu.

"Wenn die Sonne aufgeht, findet eine chemische Reaktion mit einem Brom-Salz statt. Dadurch wird das gesamte Quecksilber aus der Atmosphäre ausgewaschen und alles auf einmal auf der Landoberfläche abgeladen."

Paul Schuster, Geological Service in den USA  

Klimawandel sorgt für Abtauen des Permafrostbodens

Kohlekraftwerke tragen zum Klimawandel bei

Quecksilber gelangt schon immer durch Vulkanausbrüche und Waldbrände in die Atmosphäre. Aber auch die Industrie und Kohlekraftwerke blasen das Gift in die Luft. Wenn es an den Polen am Boden landet, friert ein Großteil des Quecksilbers im Dauerfrostboden fest. Aber: Wenn es wärmer wird auf der Erde, taut selbst das ewige Eis auf. Dadurch wird nicht nur viel Kohlenstoff frei, der an den Polen eingelagert ist, sondern auch das Nervengift Quecksilber. Wie schnell das passiert, hängt davon ab, wie stark die Menschen das Klima in den nächsten Jahrzehnten noch anheizen.

"Die Vorhersagen reichen von 30 Prozent bis 99 Prozent des Permafrosts, der bis zur nächsten Jahrhundertwende auftaut. Was in einem natürlichen Kreislauf Tausende bis Millionen Jahre dauern würde, passiert jetzt in einer menschlichen Lebensspanne."

Paul Schuster, Geological Service in den USA  

Quecksilber in der Nahrungskette

Fische können sich mit Quecksilber vergiften

Durch die Erderwärmung wird auf einmal das Quecksilber frei, das sich über Jahrtausende angesammelt hat. Es gelangt dann auch in die Nahrungskette der Meere. Zuerst zu den Meerestieren, dann auch zu den Robben und Eisbären. Schließlich zu den Menschen, die auf Fischfang angewiesen sind.

Internationale Polartagung in Rostock

Vom 25. - 29 März 2018 treffen sich Forscher in Rostock, um über Polar- und Hochgebirgsregionen zu beraten. Ein Thema ist dabei auch das Quecksilber im Permafrost und der Klimawandel.

  • Permafrost taut auf: nano, 1.10.2019 um 16 Uhr, ARD-alpha

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