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Frühe Pubertät (K)ein Grund zur Panik

Viele Buben kommen schon mit zwölf Jahren in den Stimmbruch und immer mehr Mädchen haben im Grundschulalter ihre erste Periode. Beginnt die Pubertät heute tatsächlich immer früher? Und ist das ein Problem für Körper und Psyche?

Stand: 13.08.2018

Durch einen Anstieg des Hormonspiegels lösen die Sexualhormone Östrogen und Testosteron im Hirn von Jugendlichen die Pubertätsentwicklung aus. Bei Mädchen entwickelt sich die Brust und es setzt mit rund zwölf Jahren die Monatsblutung ein, bei Jungen wachsen die Muskeln und mit circa 13 Jahren verändert sich ihre Stimme. Warum kommen Jungs und Mädels heute im Durchschnitt 3,5 Jahre früher in die Pubertät als noch vor hundert Jahren? Und hat die frühe Pubertät negative Auswirkungen?

Übergewicht löst Pubertät aus

Der hohe Lebensstandard trägt auch dazu bei, dass die Pubertät bei Jungen und Mädchen immer früher einsetzt.

Untersuchungen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zeigen, dass Mädchen aus sozial schwachen Familien später ihre erste Regelblutung bekamen als Mädchen aus wohlhabenden Schichten. Die reicheren Mädchen waren besser ernährt, hatten daher ein höheres Körpergewicht und wurden so früher reif. Studien aus den USA machen Übergewicht dafür verantwortlich, dass die Pubertätsentwicklung heute früher einsetzt. Dies bestätigt der Biochemiker Josef Köhrle, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie. Auch bei Jugendlichen hierzulande ist die Gewichtszunahme ein Hauptgrund für die frühe Reife, betont Köhrle.

Psychischer Stress verändert den Körper

Kinder, die viel Stress erlebt haben, beispielsweise durch eine Trennung der Eltern, kommen eher in die Pubertät. Evolutionsbiologen vermuten, dass die seelische Belastung dem Körper das Signal gibt, möglichst früh selbstständig werden zu müssen.

Schädliches Plastik in der Umwelt

Auch Chemikalien in der Umwelt stehen im Verdacht, eine frühe Pubertät auszulösen. Denn in unserer Umwelt sind wir von Plastik umgeben. Besonders der Weichmacher Bisphenol A gehört zu den Chemikalien, die den Hormonhaushalt stören können. Tierversuche weisen darauf hin, dass Bisphenol A den Beginn der Pubertät beschleunigen kann. Eine Substanz, die in vielen Alltagsprodukten steckt, wie Trinkflaschen, Konservendosen und DVDs. Aber es gibt noch eine Reihe weiterer gefährlicher Stoffen, die bislang noch nicht alle aufgedeckt wurden.

Frühe Geschlechtsreife wird vererbt

Aber nicht nur äußere Einflüsse können schuld sein, wenn die Pubertät ungewöhnlich früh beginnt. Ein wichtiger Faktor ist auch die Vererbung. Wenn beispielsweise schon der Vater früh entwickelt war, wird es dem Sohn mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenso ergehen. Was ist also so schlimm daran, wenn die Pubertät beispielsweise schon mit neun Jahren beginnt?

Risiko für spätere Krankheiten steigt

Mädchen, die bereits im Grundschulalter in die Pubertät kommen, haben statistisch gesehen ein deutlich höheres Risiko für Stoffwechselstörungen wie Diabetes Typ 2, Bluthochdruck oder Herzkreislauferkrankungen. Diese Statistiken sind allerdings umstritten. Fakt ist jedoch: Je früher bei einem Mädchen die Pubertät einsetzt, desto länger ist ihr Organismus dem Einfluss des Sexualhormons Östrogen ausgesetzt. Und körpereigenes Östrogen kann statistisch gesehen Brustkrebs fördern.

Psyche hinkt dem Körper hinterher

Unsicher und überfordert - auch Jungs bekommen die Auswirkungen der Pubertät zu spüren.

Mädchen, bei denen die Pubertät besonders früh einsetzt, leiden häufig unter den körperlichen Veränderungen. Es dauert, bis sie mit ihren weiblichen Rundungen zurechtkommen und ihren Körper selbstbewusst zeigen können. Einerseits wollen sie erwachsen wirken, andererseits aber noch Kind bleiben. Eine psychische Zerreißprobe, die auch Essstörungen hervorrufen kann.

Die körperlichen Veränderungen bei Jungs werden eher positiv angesehen. Allerdings lösen die Hormonschübe auch bei ihnen Unsicherheit und Überforderung aus – speziell dann, wenn Aussehen und Alter nicht übereinstimmen.

Bei allen Risiken und Bedenken eines zu früh einsetzenden körperlichen Reifeprozesses: Wenn Kinder in die Pubertät kommen, kann es für Eltern nur eine Regel geben - keine Panik schieben. Denn der Abschied vom Kindsein fällt meist nicht nur den Kindern selbst schwer.

  • "Frühe Pubertät - Ein Grund zur Panik? ": am 18. Mai 2017, um 18.05 Uhr, in IQ - Wissenschaft und Forschung, Bayern 2

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ThorstenV, Donnerstag, 18.Mai, 12:47 Uhr

1. Das ist an früher Pubertät schlimm

Das Sexualstrafrecht. Weiter gefasst: eine Sexualmoral, die die Augen vor der biologischen Tatsache verschließt, dass Minderjährige überhaupt sexuelle Wesen sein können. Ich zitiere
"Viechtach – Die Eltern einer 13-Jährigen müssen eine Geldauflage von 3000 Euro zahlen, weil sie nicht verhindert haben, dass ihre Tochter mit ihrem 16 Jahre alten Freund geschlafen hat. Sie haben ihr bei einer Frauenärztin die Pille verschreiben lassen – und sich damit strafbar gemacht."
https://www.merkur.de/bayern/13-jaehrige-hatte-sex-eltern-gericht-3351202.html
Hätten die Eltern hier auch die Augen vor den Tatsachen verschlossen und "von nichts gewusst", wären sie nicht bestraft worden. Dafür hätten wir dann möglicherweise eine Teenagerschwangerschaft mehr und wir können eine Diskussionsrunde im Fernsehen machen, wie es zu sowas nur kommen kann.