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Eiweiß im Essen Macht Protein-Müsli gesund und stark?

Proteinriegel und Eiweiß-Shakes gibt es schon lange. Früher wurde sie aber nur von Bodybuildern konsumiert. Heute gibt es auch im Supermarkt viele Produkte mit Proteinzusatz. Aber halten diese Nahrungsmittel, was sie versprechen?

Stand: 31.01.2018

Müsli-Packung mit einer Proteinkennzeichung | Bild: dpa-Bildfunk/Marijan Murat

Im Supermarkt-Kühlregal steht ein Milchgetränk mit extraviel Protein, gleich daneben Proteinquark. Bei den Backwaren liegt Eiweißbrot, weiter hinten gibt es Haferflocken mit Proteinzusatz. Die Ernährungswissenschaftlerin Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung DGE kann erklären, woher der Trend zu Proteinprodukten stammt und ob diese eigentlich sinnvoll sind.

"Alle wollen jetzt fit und gesund sein. Eiweiß hat den guten Ruf, dass es sehr gut sättigt. Es ist ein wichtiger Baustoff für Zellen und Gewebe."

Ernährungswissenschaftlerin Antje Gahl, Deutsche Gesellschaft für Ernährung DGE

Das wachsende Interesse an mit Protein angereicherten Produkten hat laut Gahl auch mit Ernährungstrends wie Low Carb oder Paleo, dem Essen nach Steinzeitvorbild, zu tun. Auch vegetarische und vegane Ernährung spiele dabei eine Rolle.

"Superquark" aus Island

Skyr aus Island ist auch in New York ein Trend-Nahrungsmittel

Ein Produkt, das die Proteinwelle in Deutschland populärgemacht hat, ist Skyr. Das ist eine Art dickflüssiger Quark oder Joghurt mit viel Protein und wenig Fett. Skyr stammt aus Island und wird dort schon seit Jahrhunderten gegessen.

Auch Müsli und Brot gibt es inzwischen als Proteinvariante. Früher richteten sich Eiweißprodukte in erster Linie an Bodybuilder, die den Muskelaufbau unterstützen wollen. Heute steht nach Einschätzung von Ernährungswissenschaftlerin Gahl eine andere Motivation beim Kauf von Nahrungsmitteln mit Eiweißzusatz im Vordergrund.

"Eine höhere Proteinzufuhr geht mit einer höheren Sättigung einher. Wenn ich mehr Proteine esse, habe ich weniger Hunger und nehme ab."

Ernährungswissenschaftlerin Antje Gahl

Für die Gesundheit ist das zusätzliche Eiweiß aber aus Sicht der Deutschen Gesellschaft für Ernährung nicht notwendig.

"Protein ist wirklich in sehr vielen Lebensmitteln enthalten. Sie brauchen gar nicht so viel, um diesen Bedarf zu decken."

Ernährungswissenschaftlerin Antje Gahl

Müsli gibt es in vielen Variationen, auch mit Protein-Zusatz

Drei bis vier Scheiben Vollkornbrot, ein Viertel-Liter Milch, ein kleiner Becher Joghurt, eine Portion Kartoffeln und ein Stück Fisch: Damit komme man auf 60 Gramm Protein. Das sei etwas mehr als ein erwachsener Mann im Schnitt überhaupt brauche. Bei einer 60-Kilo-Frau seien es nur 48 Gramm. Selbst für einen Breitensportler, der vier- bis fünfmal pro Woche eine halbe Stunde Sport treibe, reiche die empfohlene Durchschnittsmenge Eiweiß.

Überdosis Proteine

Kurzfristig schadet die Extraportion Eiweiß zwar nicht, es kann aber tatsächlich auch ein Zuviel an Proteinen geben.

"Es gibt Studien, dass eine dauerhaft erhöhte Proteinzufuhr die Nieren schädigen kann. Protein besteht aus verschiedenen Aminosäuren und das Abbauprodukt im Körper ist Harnsäure."

Ernährungswissenschaftlerin Antje Gahl

Diese zusätzliche Zufuhr an Harnstoff müssen die Niere bewältigen. Insofern könne dauerhaft zu viel Protein unter Umständen der Niere schaden. Eine Studie unter Führung des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung (DIfE) zeigte vor einigen Jahren zudem, dass zu viel Eiweiß Übergewichtige schlechter auf Insulin reagieren lässt und sich so auch auf das Diabetes-Risiko auswirkt.

Kalorienbombe mit Eiweiß

Produkte, die ohnehin nicht gesund sind, werden es mithilfe von Protein wohl auch nicht. Mittlerweile gibt es auch Schokoriegel als Proteinvariante zu kaufen. Gahl hält das für absurd: "Man sollte seinen Protein-Bedarf nicht über Schokolade decken."

  • Proteinangereicherte Lebensmittel - Was ist dran am Eiweißhype? 10. April 2018, 19 Uhr, Gesundheit!, BR Fernsehen.

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